Forex Trading ohne Nachschusspflicht erklärt

INHALTSÜBERSICHT

Im Forex Trading werden Akteure oft mit dem Begriff Nachschusspflicht konfrontiert. Worum handelt es sich dabei, wie ist die Nachschusspflicht vermeidbar und inwiefern können Trader etwas dagegen unternehmen? Der nachfolgende Beitrag informiert Sie im Detail zum Thema Nachschusspflicht.

Was ist eine Nachschusspflicht im Forex Trading?

Sie könnten von der Nachschusspflicht betroffen sein, wenn folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Sie traden Währungspaare über Differenzkontrakte – allgemein üblich.
  • Positionen werden mit Hebelkraft respektive Margin optimiert.
  • Sie überwachen Ihre Positionen nur hin und wieder.
  • Auf einen engen Stop-Loss verzichten Sie.

Die Punkte im Detail erklärt:

Wie Sie vermutlich wissen, bieten die meisten Forex Broker den Handel mit Währungspaaren per CFD an. Beim Trading mit Differenzkontrakten erwerben Sie nicht das zugrundeliegende Produkt, sondern das Recht auf Teilhabe an Kursveränderungen.

Ihr Broker stellt Ihnen einen mehr oder weniger attraktiven Hebel in Option, welcher sich wie folgt auswirkt:

  • Sie möchten eine Position mit 1 Lot (100.000 Währungseinheiten) eröffnen, ohne über diesen Betrag zu verfügen.
  • Der Forex Broker stellt einen Hebel von 1:100 in Option, dank dem Sie nur 100.000 geteilt durch 100 gleich 1.000 Euro oder Dollar aufbringen müssen.
  • Ihr Anteil an der Position beträgt nur den 100. Teil, und dieser wird Margin genannt.

Was ist beim Forex Margin Handel zu beachten?

Zum einfacheren Verständnis bleiben wir beim oben ersichtlichen Beispiel:

  • Das Trading mit 1 Lot resultiert in 10 USD oder EUR Gewinn pro positivem Pip.
  • Entwickelt sich die Position gegen Sie, machen Sie pro Pip einen identischen Verlust.
  • Dementsprechend ist die Forex Margin vom 1.000 EUR nach spätestens 100 negativen Pips aufgebraucht.

Jetzt können, abhängig vom Broker, 2 Szenarien eintreten:

Szenario 1:

Ihr Broker schickt Ihnen einen sogenannten Margin-Call, sobald 60 bis 80 % der Margin aufgebraucht sind. Damit werden Sie aufgefordert, einen Nachschuss auf Ihren Einsatz zu tätigen. Kommen Sie der Aufforderung nach, kann die Position weiterlaufen.

Szenario 2:

Sie übergehen den Margin-Call und die Position wird geschlossen, sobald die 1.000 Euro oder Dollar verloren sind. Jetzt kann es aber passieren, dass der Broker die Position weiterlaufen lässt, und die Verluste von Ihrem Handelskonto abbucht. Die Nachschusspflicht ist bei derartigen Brokern dann ein Thema, wenn der Kontostand auf null angelangt ist.

In der Regel kommt es weder zum Margin-Call noch zur Nachschusspflicht, denn wer schaut bitte seelenruhig zu, wie seine Margin vernichtet wird? Dazu später mehr. Zunächst schauen wir uns einmal Broker ohne Nachschusspflicht an.

Gibt es Forex Broker ohne Nachschusspflicht?

Ja, diese Art von Brokerage-Anbieter ist vor allem in der Eurozone anzutreffen. Zudem müssen Sie wissen, dass die Broker in Euroland nicht freiwillig auf den Nachschuss verzichten.

Die selbsternannte EU Aufsicht ESMA hat vor einigen Jahren ein Regelwerk aufgestellt, mit welchem, nach eigenen Angaben, vor allem Anfänger im Forex Trading geschützt werden sollen. Dieses Werk setzt sich aus 2 Komponenten zusammen:

  • Broker müssen auf den Nachschuss bei privaten Tradern verzichten.
  • Die Hebel dieser Trader werden auf maximal 1:30 beschränkt.

Dass die Nachschusspflicht in der Eurozone gefallen ist, wird von den Medien und manchen Tradern gelobt. Vergessen wird indes, dass der geringe Hebel enorme Summen erfordert, wenn wirklich attraktive Gewinne erzielt werden sollen.

In der Eurozone können Sie beim Forex Trading nicht mehr als Ihre Margin verlieren. Allerdings verteuert sich dieser Sicherheitsbetrag enorm, wie folgendes Beispiel zeigt:

  • Wir erinnern uns, 1 Lot mit 100-er Hebel erfordert 1.000 Euro Margin.
  • Ganze 3.333 Euro müssen Sie aufbringen, wenn mit 30-er Hebel ein Lot gehandelt werden soll.

Dafür entgehen Sie laut ESMA der berüchtigten Nachschusspflicht. Doch über was reden wir eigentlich? Ist es wirklich sinnvoll, eine Position bis zum Margin-Call und darüber hinaus laufen zu lassen?

Natürlich nicht. Kein vernünftiger Marktteilnehmer wird in Ruhe zuschauen, wie er 1.000 Euro oder Dollar verliert. Und darauf zu spekulieren, dass der Trend später dreht und alles wieder gut wird, gehört ins Reich der Fantasien.

Für alle, die es noch nicht wissen: Jede Position muss mit einer Verlustbegrenzung eröffnet werden, welche Stop-Loss genannt wird und unterschiedlich eng sein muss:

  • Scalper wählen 5 bis 7 Pips.
  • Daytrader 10 bis 20 Pips.
  • Swingtrader maximal 30 Pips.

Mit diesen Verlustbegrenzungen schützen Sie Ihr Kapital und bewegen sich weit von der Nachschusspflicht entfernt in sicherem Terrain.

Richten Sie den Stop-Loss einer Regel entsprechend ein, die besagt, dass deutlich weniger riskiert als gewonnen wird:

  • Scalper fokussieren 10 bis 15 Pips Gewinn pro Trade.
  • Daytrader möchten 25 bis 50 Pips erzielen.
  • Swingtrader haben 60 und mehr Pips im Fokus.

Das Einhalten dieser Regel trägt dazu bei, dass die Nachschusspflicht ein Fremdwort bleibt und das Konto kontinuierlich wächst.

Wann helfen diese Vorsichtsmaßnahmen nicht?

Von Montag bis Freitag fahren Sie gut mit der Verlustbegrenzung, aber am Wochenende sind die Spielregeln anders. Die Märkte sind für “gewöhnliche” Teilnehmer geschlossen und werden zur Spielwiese für Akteure mit direktem Zugang.

Direkten Marktzugang haben große Investmentbanken wie Goldman Sachs, J.P. Morgan und auch die Deutsche Bank. Je nach Marktlage nutzen diese Big Player die Gelegenheit zu aus ihrer Sicht fälligen Korrekturen. Leidtragende sind private Trader, deren Verlustbegrenzungen aufgrund von Gaps und Slippage außer Kraft gesetzt werden. 

Das böse Erwachen kommt am Montagmorgen, wenn der Broker die Bewegungen des Wochenendes in die Währungskurse einarbeitet. Gesetzte Stop-Losses sind übergangen und Positionen befinden sich manchmal in gefährlicher Nähe zur Nachschusspflicht.

So schützen Sie sich vor der Forex Nachschusspflicht

Sie können mit jedem Broker kooperieren und beliebig hohe Hebel nutzen, wenn:

  • Positionen abends oder zumindest am Wochenende geschlossen werden.
  • Der Stop-Loss so eng wie möglich gesetzt wird.
  • Jede Position mit Bedacht eröffnet wird.

Broker aus Euroland sind nicht die Lösung, weil deren Schutz vor der Nachschusspflicht teuer erkauft wird. Ihre Position wird stattdessen durch diese Aspekte gefestigt:

  • Gründliche technische Analyse im Vorfeld.
  • Ausreichend enge Verlustbegrenzungen.
  • Kurzfristige Strategien wie Scalping oder Daytrading bevorzugen.
  • Üben im Demokonto zwingend erforderlich.
  • Trainieren Sie Ihr Mindset hinsichtlich des Umgangs mit jederzeit möglichen Verlusten.

Fazit

Die Nachschusspflicht wird nicht durch vermeintlich fürsorgliche Finanzmarktaufsichten oder Broker entschärft, sondern allein von Ihnen. Sie können mit jedem Forex Broker beliebig hohe Hebel nutzen, wenn die hier dargestellten Vorgehensweisen zum Einsatz kommen. Behalten Sie jederzeit die Kontrolle über Ihre Positionen, vermeiden Sie den sinnlosen Blick in die Glaskugel und traden Sie sozusagen auf Sicht.

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