Libor (London Interbank Offered Rate) – einfach erklärt 

INHALTSÜBERSICHT

Der Libor-Skandal von 2012 hat die Weltbank erschüttert und viele fragten sich, was Libor eigentlich ist und warum er so eine große Rolle spielte. In diesem Beitrag möchten wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und erklären, was Libor bedeutet und welche Auswirkungen Referenzzinssätze auf die Weltwirtschaft haben.

Referenzzinssatz definiert einen Zinssatz, der von einer zentralen Bank in einem Satz verwendet wird, um Marktteilnehmern zu helfen, den Zinssatz für Kredite zu berechnen. Dieser Zinssatz wird auch als Leitzins bezeichnet und wird normalerweise für kurzfristige Kredite verwendet. Die Bedeutung von Referenzzinssätzen ist für die Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung, da sie als Orientierungspunkt für Kreditnehmer und Kreditgeber dienen.

Libor – Definition & Erklärung

Libor steht für London Interbank Offered Rate und beschreibt den durchschnittlichen Zinssatz, welchen große internationale Banken für kurzfristige Kredite untereinander auf dem internationalen Interbankenmarkt bieten. Teilweise wird auch die Schreibweise LIBOR verwendet. Der Libor gilt als einer der wichtigsten Referenzsätze weltweit und wird täglich von der Nachrichtenagentur Thomson Reuters berechnet. Er basiert auf Angaben von rund 20 großen internationalen Banken (sogenannte Panel Banks) und wird in fünf Währungen (US-Dollar, Pfund Sterling, Yen, Schweizer Franken und Euro) veröffentlicht. Zu beachten ist dabei, dass die Einstellung des Libor allerdings bereits beschlossen und teilweise schon vollzogen wurde (siehe weiter unten).

Der Libor wird für folgende Laufzeiten berechnet:

  • über-Nacht
  • 1 Woche
  • 1 Monat
  • 2 Monate
  • 3 Monate
  • 6 Monate
  • 12 Monate

Durch die Zusammensetzung aus fünf Währungen mit jeweils sieben unterschiedlichen Laufzeiten werden an jedem Geschäftstag 35 unterschiedliche LIBOR-Sätze berechnet und veröffentlicht. Dabei ist der am meisten notierte Zinssatz der dreimonatige US-Dollar-Zinssatz, welcher normalerweise als aktueller Libor-Zinssatz bezeichnet wird.

Der Libor ist sowohl für Banken als auch für Unternehmen und Privatpersonen von Bedeutung. Schließlich werden für Kreditverträge der Libor als Grundlage für die Berechnung der Zinsen verwendet. Auch bei der Berechnung von Swap-Geschäften wird der Libor oft herangezogen.

Geschichte des Libor

Die Entwicklung des Marktes für Zinsprodukte in den 1980er-Jahren hat auch den Bedarf an einer einheitlichen Messung der Zinssätze zwischen den Finanzinstituten wachsen lassen. 

Die British Bankers Association (BBA) führte 1984 die BA-Abrechnungssätze für die Zinssatzlevel ein. Eine Weiterentwicklung führte 1986 zum BBA-LIBOR, der zum Standardzinssatz für Finanztransaktionen bei zins- und währungsbasierten Werten zwischen Finanzinstituten auf nationaler und internationaler Ebene wurde. 

Seitdem hat sich der Libor mehrfach weiterentwickelt. Die Währungen, die an der Berechnung des Libor beteiligt sind, haben sich ebenfalls geändert. Die Einführung der Euro-Kurse hat dazu geführt, dass viele Wechselkurse eliminiert oder aufgenommen wurden. Nach der Finanzkrise von 2008 verringerte sich die Anzahl der für den Libor berechneten Laufzeiten.

Mit welchen Faktoren und wie wird der Libor festgelegt?

Wie bereits beschrieben, basiert die Ermittlung des Libor auf die täglichen Meldungen der sogenannten Panel Banks. 

Zwischen 11:00 Uhr und 11:20 Uhr (Londoner Zeit, an Bankarbeitstagen) nennen die beteiligten Banken ihre Zinssätze für Kredite, die sie einander geben würden. Die Nachrichtenagentur Thomson Reuters errechnet auf dieser Grundlage auf fünf Nachkommastellen den offiziellen Libor bis 11:45 Uhr. Insgesamt nehmen an der Preisfindung rund 20 Banken teil. Die Banken mit den höchsten und niedrigsten Zinsraten werden nicht einbezogen. Danach wird der Durchschnitt berechnet. Nicht alle Banken melden jeden Tag ihre Zinssätze, oder sie haben keine Angaben zu jeder Währung. Die Zahl der Banken, die nicht in die Berechnung einfließen, nimmt ab, wenn die Zahl der Meldenden abnimmt.

Wenn lediglich elf Banken die Preisfindung beeinflussen, werden die drei höchsten sowie die drei niedrigsten Banken bei der Kalkulation nicht berücksichtigt.

Faktoren, die den Libor bestimmen

Der London Interbank Offered Rate wird im Wesentlichen nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt ermittelt. Die Höhe von Angebot und Nachfrage ist von mehreren Faktoren abhängig. Der Hauptbestimmungsfaktor ist der Leitzinssatz der jeweiligen Zentralbank, welche die Geldpolitik eines Staats oder Währungsraums verantwortet.

Zusätzlich beeinflussen die folgenden Faktoren den Libor:

  • Entwicklung der Konjunktur im jeweiligen Staat oder Währungsraum
  • Politische Gegebenheiten (etwa Konflikte durch Kriege)
  • Inflationshöhe (bei steigenden Inflationszahlen sind die Zentralbanken unter Druck, ihren Leitzinssatz zu erhöhen, wodurch in der Folge der Libor ebenso steigt).
  • Kreditwürdigkeit (Banken mit hohen Sicherheiten zahlen gewöhnlich einen niedrigeren Zinssatz)
  • Manipulationen aufseiten der Banken (dadurch ist der ermittelte Referenzwert nicht realistisch)
  • bei längerer Laufzeit steigt in Normalfall auch der Libor-Satz.

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