Was versteht man unter einer Geldmenge? – Erklärung

Unter dem Begriff Geldmenge (money supply) versteht man den gesamten Bestand an physischem Geld und Bankeinlagen, der sich auf die privaten Personen und Firmen verteilt. All das Geld, dass sich nicht im Besitz einer Bank befindet, zählt somit zum Begriff der Geldmenge. Hast du beispielsweise Geld auf einem Sparkonto bei deiner Bank angelegt, ist dieses Geld nicht Bestandteil der Geldmenge. Um einen besseren Überblick über die Geldmenge zu erhalten, erläutere ich dir im Folgenden alles, was du zur Geldmenge wissen musst. 

Geldmenge – Definition

Die Geldmenge ist ein wichtiger Faktor der Wirtschaft, um die langfristige Preisentwicklung zu beobachten. Als wichtiger ökonomischer Faktor ist die Geldmenge eng an der Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen gebunden. Das eigentliche Geld hat nicht nur als Zahlungs- oder Tauschmittel eine wichtige Funktion, sondern dient oftmals auch als Mittel zur Wertaufbewahrung. Aus diesem Grund wird die Geldmenge in drei Definitionen unterschieden.

Folgende Geldmengen gibt es:

  • Geldmenge M1
  • Geldmenge M2
  • Geldmenge M3

Geldmenge M1

Unter der Geldmenge M1 versteht man neben den Bargeldbeständen auch die Sichteinlagen der Unternehmen und Privatpersonen auf Girokonten, die sofort in Bargeld ausgezahlt werden können. Kurz um wird unter der Geldmenge M1 das Geld zusammengefasst, das jederzeit frei verfügbar ist.

Geldmenge M2

Bei der Geldmenge M2 werden neben dem physischen jederzeit frei verfügbaren Geld (Geldmenge M1) noch Spar- und Termineinlagen hinzugezählt. Der Unterschied dieser beiden Einlagenarten liegt hauptsächlich in Ihrer Laufzeit. Termineinlagen werden, wie ihr Name bereits verrät, mit einer festen Laufzeit (bis zu zwei Jahre) zu einem festen Zinssatz angelegt. Spareinlagen hingegen sind generell unbefristet und können mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten relativ schnell aufgelöst werden. Im Gegensatz zu den Sichteinlagen kannst du die Spareinlage jedoch nicht gleich für Zahlungen heranziehen, da du an die jeweiligen Kündigungsfristen gebunden bist. 

Geldmenge M3

Die Geldmenge M3 hat in der Geldpolitik die wichtigste Rolle. Sie beinhaltet neben der Geldmenge M2, Geldanlagen, die von Banken zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich dabei unter anderem um Geldmarktfonds, Geldmarktpapiere, Wertpapiergeschäfte und Schuldverschreibungen. 

Wer bestimmt die Geldmenge? 

Der Bestand der Geldmenge wird in Europa von der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt. Die Hauptaufgabe der EZB ist es die Stabilität des Geldes zu gewährleisten. Dabei kontrolliert die EZB genau, wie viele Barbestände der Euro-Währung im Umlauf sind. Nach festen Vorgaben werden hier die Scheine gedruckt und die jeweiligen Münzen geprägt. Auf der Internetseite der EZB gibt es weitere Informationen zu den jeweiligen Bargeld-Produktionen der einzelnen EU-Ländern. Diese Seite steht allerdings nur auf Englisch zur Verfügung. 

Da die Geldmenge ein wichtiger Indikator für Wachstumschancen darstellt und mit ihr Inflationsrisiken bestimmt werden können, ist die Kontrolle durch die EZB besonders wichtig. Große Geldmengen bergen Inflationsgefahren, geringe Geldbestände können zu einer Deflation führen. Um diese Risiken zu vermeiden, richtet die EZB ihr Augenmerk hauptsächlich auf die Geldmenge M3, da diese Geldmenge am wenigsten anfällig für Änderungen der Zinsen oder andere Größen ist. 

Wichtigste Aufgaben der EZB:

  • Gewährleistung der Preisstabilität
  • Beaufsichtigung der Banken im Europäischen Raum
  • Herstellung der EU-Scheine und EU-Münzen für die EU-Länder
  • Unterstützung der Marktinfrastruktur
  • Überwachung der Finanzstabilität

Was passiert, wenn die Geldmenge steigt?

Damit die Abläufe unserer Wirtschaft reibungslos verlaufen können, ist die Kontrolle der Geldmenge durch die EZB besonders wichtig. Dabei ist es unabdingbar, dass die Geldmenge im richtigen Verhältnis zur vorhandenen Menge an Gütern steht. Steigt die Geldmenge, löst dies inflatorischen Entwicklungen aus. Es kommt zu Preissteigerungen. Fällt die Geldmenge, kommt es im Gegenzug zu einer Deflation.

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Aktuell steigt die Geldmenge in den einzelnen EU-Ländern kontinuierlich, doch warum? Schuld ist die Coronakrise. Um Schwankungen der Wirtschaft in den einzelnen Ländern entgegenzutreten, wurden sogenannte Rettungspakete eingesetzt. Was bedeutet dies im Einzelnen? Die Banken kaufen die durch die Regierungen emittierten Anleihen und reichen diese an die EZB weiter. Bei der EZB landen diese Anleihen direkt in der Bilanz, im Gegenzug wiederum wird das frisch gedruckte Geld über die Banken an den Staat weitergereicht. In Form von Überbrückungshilfen und Subventionen landet dieses Geld anschließend bei den einzelnen Bürgern. 

Folgen der steigenden Geldmenge:

  • Die Folgen der steigenden Geldmengen waren bisher hauptsächlich bei den steigenden Vermögenspreisen ersichtlich. 
  • Gerade bei den Rohstoffen, aber auch bei Immobilien und Aktien gibt es seit mehreren Monaten nur noch einen Aufwärtstrend zu berichten. 
  • Seit einiger Zeit sind die Auswirkungen jedoch auch bei den Güterpreisen zu erkennen.
  • Als Folge steigen für den einzelnen Bürger die Lebenserhaltungskosten.  

Die EZB sieht darin derzeit an der steigenden Geldmenge und den daraus genannten Folgen kein Risiko. 

Wie wird die Geldmenge verringert?

Soll die sich im Umlauf befindliche Geldmenge in der Wirtschaft verringert werden, wird dies durch die Erhöhung des Leitzinses erreicht. Mit dieser Erhöhung wird das verfügbare Kapital der Wirtschaft verringert, was eine Begrenzung der Kredite zur Folge hat. Den Unternehmen und Verbrauchern stehen nun weniger Kredite zur Verfügung bzw. bewirken höhere Zinssätze geringere Nachfragen der Konsumenten nach Krediten. Die Konsumenten verringern dadurch ihre Ausgaben- und Investitionsvolumen, die Nachfrage nach Dienstleistungen und Gütern geht somit zurück. Erhöhungen von Zinsen führen somit zu Verringerung von Ausgaben und Investitionen

Fazit

Die Geldmenge ist eine wichtige Größe in der Wirtschaft. Durch sie wird unser Leben einschlägig beeinträchtigt. Zunehmende Geldmengen bewirken hohe Preise für Güter und Steigerungen der Lebenserhaltungskosten. Fallende Preise resultieren wiederum dadurch, dass das Geld nicht in der gewohnten Geschwindigkeit im Umlauf ist. Das Konsumverhalten lässt nach. Als Folge nimmt die Geldmenge ab. Die Höhe der Geldmenge wird zentral von der EZB gesteuert. Sie regelt für jedes Land die Herstellung der Münzen und Scheine und steuert direkt, wie viel Geld in den Ländern im Umlauf ist. 

Wichtige Fakten zur Geldmenge kurz zusammengefasst:

  • Unter Geldmenge versteht man das für Privatpersonen und Unternehmen frei verfügbare Geld 
  • Als wichtiger ökonomischer Faktor ist die Geldmenge eng an der Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen gebunden.
  • Die Geldmenge wird in die Geldmengen M1, M2 und M3 unterteilt
  • Die Kontrolle über die Geldmenge liegt in Europa in der Hand der Europäischen Zentralbank (EZB)
  • Die Coronakrise hat eine steigende Geldmenge zur Folge
  • Eine steigende Geldmenge sorgt für Preissteigerungen bei Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen. 

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