Was versteht man unter einem Zinssatz? – Definition

Was Zinsen sind, ist mehr oder weniger leicht zu verstehen. Zinsen sind Preis für geliehenes Geld. Aber was ist dann ein Zinssatz? Worin unterscheidet er sich von den Zinsen? Oder hat gar nichts mit Zinsen zu tun? Fragen über Fragen. Doch, der Zinssatz hat etwas mit den Zinsen zu tun. Inwieweit Zinsen und Zinssatz zusammenhängen soll nun erklärt werden.

Erklärung

Erstes Beispiel: Angenommen eine junge Familie möchte sich ein Haus kaufen. In den seltensten Fällen wird die Familie den gesamten Kaufpreis zur Verfügung haben. Also geht sie zur Bank, um sich das fehlende Geld zu leihen. Sind genügend Sicherheit, die die Bank überzeugen, vorhanden, bekommt die Familie das Geld geliehen. Für die Bereitstellung des Geldes erhält die Bank ein Entgelt. Das sind die Zinsen. Aber in welcher Höhe?

Zweites Beispiel: Ein Berufsstarter möchte sich nach seiner guten Ausbildung selbstständig machen. Als junger Mensch wird er kaum Rücklagen, beziehungsweise Eigenkapital haben. Für die Selbstständigkeit ist vielleicht aber auch gar nicht so viel Startkapital notwendig. Das gilt für eine ganze Reihe von Berufszweigen. Manchmal ist ein Auto notwendig, manchmal kann man in einem Zimmer in der Wohnung beginnen. Dann kommen vielleicht noch einige Erstanschaffungen für die Einrichtung dazu. Im Gegensatz zum Hauskauf sind die Kosten doch überschaubar, aber für einen Berufseinsteiger doch nicht unerheblich.

Mit einem gut ausgearbeiteten Businessplan kann er aber doch Erfolg bei der Bank haben, und Geld für Zinsen bekommen. Wie hoch sind in diesem Fall die Zinsen?

Ein letztes Beispiel: Ein anderer junger Mensch möchte sich ebenfalls selbstständig machen. Allerdings wählt er einen anderen Weg. Er hat die Möglichkeit, ein Unternehmen zu übernehmen. Er hat den Chef als Nachfolger überzeugt. Vielleicht hat er einmal ein Praktikum in der Firma absolviert, dort gearbeitet oder er ist mit seinen Kompetenzen positiv auf einer Vermittlungsbörse aufgefallen. Der Vorteil liegt auf der Hand, die Gründungskosten fallen weg. Der Einstieg scheint erst einmal einfacher. Dennoch muss sich der Einsteiger erst noch behaupten. Und obwohl er auf vorhandene Strukturen zurückgreifen kann, möchte er sicherlich seine eigenen Idee einbringen. Geht dieser junge Mensch zur Bank, wird er es sicher einfacher haben, einen Kredit zu bekommen, weil das Unternehmen schon lange besteht, der Businessplan liegt schon lange vor und hat sich offenkundig bewährt. Sonst gäbe es die Firma ja nicht mehr. Nun hat dieser junge Mann noch etwas Glück, er hat tatsächlich etwas Eigenkapital. Er hat die kleine Erbschaft vor zwei Jahren angelegt und kann darauf jetzt bei der Übernahme zurückgreifen. Wie hoch sind wohl hier die Zinsen?

Um die Fragen nach der Höhe der Zinsen, also dem Preis für das geliehene Geld an die Bank, beantworten zu können, wird durch die Beispiele deutlich, dass die Bank, gehen wir  mal von immer der gleichen Bank aus, drei völlig verschiedene Situationen hat. Und immer möchte die Bank sicher gehen, dass sie ihr Geld zurückbekommt. Unterschiedliche Bedingungen erfordern auch unterschiedliche Zinsen. Um diese zu berechnen wird der Zinssatz benötigt.

Der Zinssatz wird durch mehrere Faktoren bestimmt:

  • Die Dauer der Rückzahlung
  • Die Höhe der Raten
  • Die Höhe des Kredites

Definition des Zinssatzes

Nachdem nun die allgemeine Situation für eine Kreditvergabe veranschaulicht wurde, folgt nun eine Definition in einem Satz: Der Zinssatz ist ein Maß für die Höhe von Zinsen. Er drückt die Zinshöhe in Prozent und in Bezug auf das eingesetzte Kapital aus.

Allerdings gibt es nicht den einen einzigen Zinssatz. Er wird in verschiedene Arten unterschieden, die sich teilweise wieder gegenseitig beeinflussen:

  • Leitzins: Er wird von der Zentralbank vorgegeben.
  • Sollzins: Der Zins, der der Kreditnehmer der Bank zahlt.
  • Nominalzins: Synonym für Sollzins.
  • Habenzins: Diesen Zins zahlt die Bank dem Sparer.
  • Realzins: Dieser Zins berücksichtigt die Inflationsrate beim Zinssatz.
  • Effektivzins: Der Sollzins plus (Berabeitungs-) Gebühren.
  • Negativzins: Sparer erhalten keinen Habenszins, sondern zahlen diesen Zins.
  • Überziehungszins: Zins bei Nichteinhaltung des Kreditrahmens.
  • Zinseszins: Erneute Verzinsung eines Kapitals oder Darlehens.
  • Geldmarktzins: Zins für kurzfristige Darlehen.
  • Kapitalmarktzins: Zins für langfristige Darlehen, Renditen, festverzinste Wertpapiere.

Rechenbeispiel für eine Zinsformel

An einem einfachen Beispiel die Faktoren für einen Zinssatz veranschaulicht werden:

Zn = Zinsertrag in n Jahren

K0  =  angelegtes Anfangskapital

p = Zinssatz in Prozent

n = Anzahl der Jahre

Dann lautet die Zinsformel für Kapitalverzinsung mit flexibler Laufzeit so:

Zinsformel:  Zn = K0 * (p / 100) * n 

Dies ist nur ein Beispiel für eine Formel. Normalerweise ist es nicht notwendig, selbst zu berechnen. Dafür gibt es mittlerweile gute Online-Rechner. Weitere Zinsformel sind:

  • Tageszinsformeln
  • Monatszinsformeln
  • Jahreszinformeln
  • Zinseszins Formeln
  • Unter Jahreszins Formeln
  • Effektivzinsformeln

Fazit

Zins und Zinssatz hängen eng miteinander zusammen. Der Zins ist der Preise, der der Bank für die Bereitstellung von Geld bezahlt werden muss. Oder der Betrag, der die Bank an Sparer ihrem Sparguthaben auszahlt. Weitere ähnliche Zinsen sind im Kapitel drei genannt worden. In der Aufzählung erkennt man auch, welche Zinsen für die Berechnung im Kapitalmarkt wichtig sind.

Der Zinssatz der Banken richtet sich nach dem Leitsatz der Europäischen Zentralbank. Weitere Vorgaben sind die Laufzeit und das investierte Ausgangskapital. Mit dem ausgewiesenen Prozentsatz und eventuell weiteren Zinsen wie Effektivzinsen und Zinseszinsen kann so ein Zinsertrag berechnet werden.

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