KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) – Definition & Erklärung

INHALTSÜBERSICHT

Anhand des KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) kann man das Potenzial eines Wertpapiers bis zu einem gewissen Maß einschätzen.

Wissenswert: Bei einem niedrigen KGV ist die Aktie günstiger. Günstigen Aktien wird nachgesagt, dass sie besonders gute Rendite-Chancen bieten. Aber vorsicht, nur weil der KGV hoch ist, bedeutet das nicht, dass eine Aktie zu teuer ist.

Für die Bewertung von Wertpapieren sollte nicht allein der KGV herangezogen werden. Ziehen Sie noch weitere Faktoren in ihre Kauf- oder Verkaufsentscheidung mit ein, wie z. B. den Kurschart, die Unternehmensbilanz usw.

KGV nutzen, um den richtigen Einstieg in die Börse zu finden

Sie können eine Fundamentalanalyse oder eine technische Analyse durchführen. Aber auch durch das Vergleichen verschiedener Wirtschaftsindikatoren können Sie den richtigen Zeitpunkt finden, um die in die Börse ein- oder auszusteigen. Aber Achtung, eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht, denn Sie können sich durch diverse Analyse nur weitestgehend annähern.

Wissenswert: Für das Berechnen des KGV ist ein Taschenrechner völlig ausreichend.

KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) – einfach erklärt

Für Trader ist das KGV beim Analysieren der Aktien einer der wichtigsten Kennzahlen. Mit dessen Hilfe kann der Aktienkurs mit anderen ökonomischen Werten (wie z. B. den EBIT, das Betriebsergebnis oder den Gewinn pro Aktie) verglichen werden.

  • Durch die Ermittlung der Price Earn Ratio (KGV) kann das Kursniveau der Aktien verschiedener Firmen innerhalb derselben Branche und desselben Wirtschaftszweigs verglichen werden.
  • Das KGV kann für einzelne Aktie, den kompletten Aktienmarkt oder für ganze Wirtschaftszweige ermittelt werden.

Wie wird das KGV berechnet?

KGV berechnen – Beispiel

Die Aktiengesellschaft XYZ vertreibt Aktien zu einem Wert von 75 Euro. Pro Aktie macht das Unternehmen einen Gewinn von 5 Euro.

75/5 = 7

Welche Aussagekraft hat das KGV?

Am Kurs-Gewinn-Verhältnis kann man sehen, wie viele Jahre konstante Gewinne notwendig sind, damit das Unternehmen seinen Börsenwert erwirtschaftet. In unserem Beispiel hätte die Aktiengesellschaft 7 Jahre benötigt.

Zudem kann man anhand des KGV sehen, wie der Preis einer Aktie ist. Ist er eher hoch oder doch niedrig.

  • KGV zwischen 12-15 = Aktie ist günstig
  • KGV > 15 = Aktie ist relativ teuer

Was sagt das KGV aus? – Interpretation

Wie bereits erwähnt, gibt das KGV an, wie viel man für einen Gewinn (in Form von Aktien) bezahlen muss. Je höher das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, desto mehr muss man für einen Gewinn bezahlen. Ein hohes KGV kann zwei Dinge bedeuten. Zum einen kann es bedeuten, dass die Erwartungen an die zukünftigen Gewinne der Aktie sehr hoch sind. Zum anderen kann es aber auch bedeuten, dass die Aktie überbewertet ist.

Zur objektiven Interpretation gehört aus den genannten Gründen immer der Vergleich mit vergleichbaren Unternehmen oder im Kontext zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das KGV kann für einzelne Aktien, spezielle Branchen und einen ganzen Markt berechnet und genutzt werden. Der deutsche Leitindex DAX ist insofern bezüglich KGV eine erste Orientierung. Er ist für viele Anleger eine Hilfe bei der Entscheidung, ob der Einstieg in Aktien jetzt günstig ist oder nicht.

DAX und KGV


Wie bei anderen Finanzkennzahlen, ist das KGV eine wichtige Zahl, die immer zu betrachten ist. Allerdings ist sie für eine Kaufentscheidung allein nicht ausreichend und muss immer im Zusammenhang gesehen werden.

Der DAX zeigt beispielsweise im Juni 2022 ein KGV von rund 12,5 auf. Besonders hoch ist das nicht, auch nicht im Vergleich zu den Vorjahren. Im Jahr 2021 ist der Höchstwert auf mehr als 25 und fast 30 gestiegen. Mit einem Wert von 12,5 liegen wir sogar unter dem durchschnittlichen KGV des DAX. Bedeutet das automatisch, dass Aktien billig sind? Wie so oft, ist auch hier der Kontext entscheidend. Die entscheidende Frage ist, was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Der DAX ist nicht einfach auf ein KGV von 12,5 gefallen – auch der Kursindex ist innerhalb eines Jahres nur um 10 Prozent gesunken. Wenn wir uns das Allzeithoch ansehen, erhalten wir ein Abverkaufsniveau von rund 14 Prozent. Wenn dies auch nicht wenig ist, rechtfertigt dies jedoch noch nicht die Annahme einer günstigen Bewertung.

Es muss berücksichtigt werden, dass es im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 einige positive Impulse gab. Die Automobilbranche etwa wies hohe Gewinne aus, wie auch die chemische Industrie. Auch Rückversicherer erzielten Rekordergebnisse. Dadurch wird das Ergebnis besonders verwässert. Die Frage neben der Betrachtung von DAX und KGV ist, ob dieses Niveau nachhaltig ist. Besteht die Möglichkeit eines weiteren Wachstums? Das positive Zwischenergebnis der Bewertung lautet also: Unser inländischer Leitindex ist günstig. Allerdings gibt es unterschiedliche Signale über die weiteren Aussichten. Unter anderem Rohstoffrisiken, steigende Inflation, eine starke Zinsentwicklung und sogar ein Krieg in Europa. Dies wiederum kann zu einem Rückgang der Erträge und Gewinne und damit zu einem Anstieg der Kosten führen.

Der DAX hat also ein KGV von nur 12,5, was ihn zumindest optisch nicht besonders teuer macht. Entscheidend ist aber, wie man die Zukunftsaussichten einschätzt. Auch die zeitliche Sichtweise ist wichtig. Oder auf welche Titel in unserem nationalen Hauptindex Investoren sich konzentrieren möchten.

KGV  – Beispiele 


Einige beispielhafte Konstellationen mit entsprechenden Interpretationen:

Beispiel 1: Sinkendes KGV – Gewinn steigend – Aktienkurs bleibt konstant (positive Interpretation)

Der erfolgreiche Launch eines neuen Produkts oder die Gewinnung neuer Kunden sorgt für steigende Gewinne. Da der Markt diesen Prozess jedoch bisher skeptisch betrachtet, bleibt der Kurs zwar stabil, zeigt aber keine positive Entwicklung. Das KGV sinkt somit.

Beispiel 2: Steigendes KGV – Gewinn sinkend – Aktienkurs bleibt konstant (negative Interpretation)

Das Unternehmen kämpft mit einem Rückgang der Kundenzahlen oder steigenden Kosten. Folglich sinken die Gewinne. Die Anteilseigner sind jedoch weiterhin optimistisch bezüglich des Unternehmens und halten an den Aktien fest. Die Aussichten für die Zukunft sind pessimistisch und das KGV steigt.

Beispiel 3: Sinkendes KGV – Gewinn bleibt konstant – Aktienkurs sinkt (negative Interpretation)

Die Gewinne stagnieren und das Unternehmen entwickelt sich nicht weiter. Wettbewerber haben jedoch schon eine neue Produktgeneration bereit, um sie in den Markt einzuführen. Dies führt dazu, dass der Aktienkurs sinkt und die Investoren das Vertrauen verlieren. Durch den fallenden Kurs ist weniger Gewinn notwendig, um die Marktkapitalisierung auszugleichen. Das KGV sinkt folglich.

Beispiel 4: Steigendes KGV – Gewinn bleibt konstant – Aktienkurs steigt (positive Interpretation)

Das Unternehmen ist in einem ausgereiften Markt tätig. Eine weitere Gewinnsteigerung ist kaum realisierbar. Weiterhin wurden hohe Investitionen in die Produktion getätigt, was das Jahresergebnis belastet. Da kaum Konkurrenten existieren und die Marke des Unternehmens stark entwickelt ist, steigen die Kurse. Die Investoren vertrauen in die Zukunft des Unternehmens. Infolgedessen erhöht sich das KGV.

Wie sieht ein gesundes KGV aus?

Wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis niedrig ist, bedeutet dies, dass die Aktie günstig ist, wenn das KGV hoch ist, ist die Aktie ungünstig. Bei der Beobachtung ist es auch relevant, die Veränderung des KGVs in den kommenden Jahren zu berücksichtigen. 

Unterschiedliche Sichtweisen möglich  

Es gibt verschiedene Faktoren, die bei der Interpretation des KGVs zu berücksichtigen sind. Zum einen ist es wichtig zu überlegen, ob das Unternehmen in den folgenden Jahren hohe Gewinne generieren wird. Auch wenn ein hohes KGV vorhanden ist, kann dieses noch günstig sein. Denn wenn das Unternehmen später die in der aktuellen Bewertung enthaltenen Wachstumserwartungen bestätigen kann, ist das KGV nicht zu hoch. 

Eine konstant steigende Gewinnspanne ist ein wichtiger Faktor bei der Bewertung einer Gesellschaft. Solche Unternehmen werden höher bewertet als jene, deren Gewinne stark schwanken. Deswegen haben zyklische Aktien oft ein niedrigeres KGV.

Das KGV als Vergleichskriterium von Unternehmen

Eine Aktie, die unter 12 KGV notiert, gilt gewöhnlich als preiswert. Wenn dagegen das KGV über 20 beträgt wird die Aktie als teuer angesehen. Um ein Wertpapier angemessen zu bewerten, muss sein KGV grundsätzlich dem KGV anderer Werte derselben Branche gegenübergestellt werden. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für einzelne Aktien sowie für vergleichbare Märkte werden von Börsenzeitschriften und verschiedenen Internet-Seiten angezeigt, um so die Marktteilnehmer zu informieren. 

Mit marktbezogenen KGVs den Wert ins richtige Licht setzen 

Die KGVs der wichtigsten Indizes geben Auskunft über die aktuelle Marktsituation und das vorhandene Wachstumspotenzial. Zudem können Investoren erkennen, ob das KGV eines bestimmten Unternehmens adäquat bewertet ist. Ein gesundes KGV ist im Normalfall niedriger als das KGV des vergleichbaren Gesamtmarktes. Dies bedeutet, dass Anleger für einen Gewinn (in Form von Aktien) weniger aufbringen müssen, als es durchschnittlich andere Anleger tun müssen.

KGV von DAX Unternehmen – Beispiele

Um das Kurs-Gewinn-Verhältnis besser einordnen zu können, sehen Sie nachstehend eine Auswahl von DAX Unternehmen mit einem relativ niedrigen sowie mit einem im Vergleich hohen KGV (Basis 2021).

Folgende Unternehmen hatten ein KGV von unter 12:

  • Mercedes Benz Group (5,25)
  • Porsche (6,01)
  • Bayer (7,24)
  • Heidelberg Zement (7,59)
  • Deutsche Bank (8,18)
  • BASF (9,13)

Folgende Unternehmen hatten ein KGV von über 20:

  • Beiersdorf (30,25)
  • Linde (32,35)
  • Adidas (33,93)
  • HelloFresh (47,72)
  • Symrise (47,79)
  • Zalando (80,95)

Fazit

KGV ist eine Finanzkennzahl, die einen raschen Überblick liefert, aber nicht viel Aussagekraft hat, wenn keine weiteren grundlegenden und geschäftlichen Daten und Werte hinzugezogen werden.

Die Vorteile sind:

  • einfache Ermittlung
  • öffentlich und ohne großen Aufwand zugänglich
  • Vergleichbarkeit innerhalb einer Branche
  • schneller Überblick über Aktien, die möglicherweise über oder unter ihrem Wert gehandelt werden

Die Nachteile sind:

  • möglicherweise geschönte Gewinne und subjektive Prognosen der Analysten als Einflussgrößen
  • KGV ist nur relevant, wenn es auch einen Gewinn gibt
  • bei Unternehmen, die hohe Investitionen tätigen und geringe Gewinne erzielen, ist das KGV nicht aussagekräftig

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