Was ist die Fundamentalanalyse im Trading? – Definition & Erklärung

INHALTSÜBERSICHT

Der Handel an den Finanzmärkten ist gleichwohl mit Chancen auf hohe Gewinne und mit Verlustrisiken verbunden. Um diese eingrenzen und damit die richtigen Handelsentscheidungen treffen zu können, stehen Tradern verschiedene Werkzeuge zur Analyse zur Verfügung. Diese Tools sind im Wesentlichen die sogenannte Chartanalyse, auch technische Analyse genannt, und die Fundamentalanalyse.

Was ist eine Fundamentalanalyse?

Die technische Analyse basiert auf reinen Kennzahlen in der Wert- bzw. Kursentwicklung von Produkten und Märkten innerhalb eines definierten Zeitraums. Kennzahlen, die nicht in direktem Zusammenhang zur Kursentwicklung stehen, werden hierbei nicht berücksichtigt. 

Im Gegensatz hierzu steht die Fundamentalanalyse. Hier wird versucht, den „fair value“, also den fairen Wert eines Finanzproduktes zu ermitteln. Dabei werden zwei Faktoren berücksichtigt, die die Basis der Analyse bilden. Diese werden Fundamentaldaten genannt und finden ihre Anwendung im entsprechenden Ansatz der Handelsstrategie.

Mikro- und Makro Umgebung Unternehmen

Diese beiden Faktoren sind:

  • Die Mikrofaktoren
    Mikrofaktoren bezeichnen unternehmensspezifische Zusammenhänge. Diese werden auch Unternehmensanalyse genannt. Mikrofaktoren kommen vor allem im Bottom-up-Ansatz zum Tragen.
  • Die Makrofaktoren
    Unter Makrofaktoren versteht man gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge. Diese werden deshalb auch als Globalanalyse bezeichnet und finden vor allem im Top-Down-Ansatz Verwendung.

Beiden Faktoren liegen Kennzahlen zugrunde. Die wichtigsten Kennzahlen werden im Folgenden definiert.

Grundlagenanalysen und Kennzahlen für Trader

Um eine möglichst lückenlose Fundamentalanalyse durchführen zu können, bedarf es verschiedenen Grundlagen und Kennzahlen.

Fundamentalanalyse Aufbau

Globalanalyse

Die Globalanalyse dient dazu, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Unternehmens einzuschätzen. Hier kommen nationale und internationale Faktoren in Betracht, die die Wirtschaftstätigkeit eines Unternehmens beeinflussen. Beispiele für solche Faktoren sind die Zins- und Geldmengenpolitik der Zentralbanken. Diese nimmt einen starken Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung eins Unternehmens ein. Niedrige Zinsen machen beispielsweise Aktien attraktiver. Eine expansive Geldpolitik wirkt sich positiv auf die Liquidität eins Unternehmens aus. 

Weitere wichtige Kennzahlen für die Globalanalyse sind insbesondere für exportorientierte Unternehmen, Wechselkursnotierungen, das Inflationsniveau sowie Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten.

Branchenanalyse

In der Branchenanalyse wird das Branchenumfeld untersucht, in dem das jeweilige Unternehmen tätig ist. Hier werden vor allem der Grad der Abhängigkeit vom konjunkturellen Verlauf und strukturelle Gesichtspunkte berücksichtigt. Betrachtung finden hier auch die Wettbewerber eines Unternehmens und deren Marktanteile. Auch Aspekte wie Spezialisierung eines Unternehmens in Produktnischen oder vorangetriebene Innovationen finden hier Beachtung.

  • Weitere Faktoren, die direkten Einfluss auf Kursentwicklungen nehmen können, sind politische Entscheidungen. Während Umweltauflagen beispielsweise die Energieversorger stark beeinflussen, ist die Pharmaindustrie davon weitaus weniger betroffen.
  • Neben Faktoren gibt es auch Indikatoren, die branchentechnische Rückschlüsse erlauben. Hier sind als Beispiele die durchschnittlichen Lagerbestände sowie Anzahl und Größe von Auftragseingängen zu nennen.
  • Indizes, die von Wirtschaftsforschern berechnet werden, zum Beispiel der GFK-Konsumklimaindex, sind ebenfalls Indikatoren, die Branchenprognosen ermöglichen. In diesem Beispiel über die Branche des Einzelhandels.
Quantitative und Qualitative Unternehmensanalyse – Symbolbild

Qualitative und Quantitative Unternehmensanalyse

Hierbei werden Unternehmen aus der qualitativen und quantitativen Perspektive reflektiert.

Qualitative Kriterien sind eher subjektiv und in Zahlen nur schwer oder gar nicht erfassbar. Die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells eins Unternehmens, um im Wettbewerb bestehen zu können, ist ein solcher Aspekt. Weitere Aspekte sind eine differenzierte Produktpalette, effiziente Produktionsverfahren und optimierte Prozesse, vorangetriebene Innovationen und Fähigkeit und Dynamik des Managements.

Eine objektivere Bewertung eines Unternehmens erfolgt durch die quantitative Analyse. Diese basiert auf Zahlen, die der Unternehmensbilanz entnommen werden. Mittels dieser Analyse wird eine Vergleichsbasis zu den Wettbewerbern geschaffen. Die wichtigsten Kennzahlen hierzu werden im Folgenden näher erläutert.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ergibt sich aus dem aktuellen Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten Gewinn je Aktie. Dieses Einzelergebnis (Unternehmens-KGV) wird mit dem Branchenergebnis, also dem Branchenergebnis (Branchen-KGV) verglichen. Der Branchen-KGV ist der Mittelwert aus allen Unternehmen innerhalb einer Branche. Liegt hierbei das Unternehmens-KGV unter dem Branchenwert, ist das tendenziell positiv zu bewerten. Das Unternehmen gilt hier als unterbewertet.

Kurs-Cashflow-Verhältnis

Beim Kurs-Cashflow-Verhältnis (KVC) wird der Kurs einer Aktie mit dem Cashflow je Aktie in ein Verhältnis gesetzt. Unter einem Cashflow versteht man einfach ausgedrückt den Umsatzüberschuss eines Unternehmens und stellt einen Indikator für dessen Ertragskraft dar.

Im Vergleich zum KGV liegt der Vorteil des KCV im Ermittlungsverfahren. Der Cashflow lässt sich deutlich schwerer manipulieren als der Gewinn. Gewinne lassen sich im Ergebnis durch das Ansetzen von Abschreibungen oder Rückstellungen strategisch steuern. Diese fließen dagegen bei der Berechnung des Cashflows nicht mit ein. Liegen also KGV und KCV innerhalb einer Periode deutlich auseinander, lässt sich rückschließen, dass viel investiert wurde, oder aber, dass Bilanzierungsspielräume ausgenutzt wurden.

In der Tendenz gilt ein niedriges KCV im Verhältnis zum Branchenwert als positiv.

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Das Kurs-Umsatzverhältnis (KUV) ist dem KCV im Grunde sehr ähnlich. Es wird hier jedoch nicht nur der Umsatzüberschuss (Cashflow), sondern der Gesamtumsatz in das Verhältnis zum Aktienwert gesetzt. Hierbei findet jedoch die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens keine Berücksichtigung. Im Gegensatz zum KCV werden hier entstandene Kosten nicht berücksichtigt.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) stellt das Verhältnis zwischen dem Marktwert pro Aktie (Aktienkurs) und dem Buchwert je Aktie dar. An dieser Kennzahl kann man ablesen, ob ein Unternehmen über oder unter dem bilanzrechtlichen Buchwert notiert ist. Unter dem Buchwert versteht man den Wert des Eigenkapitals, welches den Anteilseignern zuzurechnen ist. So errechnet sich der Buchwert aus der Summe der Aktiva (Vermögensgegenstände) abzüglich ausstehender Verbindlichkeiten abzüglich des immateriellen Vermögens, wie zum Beispiel Patente. Das Ergebnis spiegelt wider, welchen Wert ein Unternehmen im Falle einer Liquidation vorweisen würde, wenn das materielle Vermögen verkauft werden würde. Der Buchwert pro Aktie errechnet sich aus diesem Wert geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien.

Liegt das KBV über 1, bedeutet dieses, dass einem Unternehmen auf dem Markt ein höherer Wert als der reine Substanzwert beigemessen wird.

Eigenkapitalquote

Das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme eines Unternehmens spiegelt die Eigenkapitalquote wider. Im Gegensatz dazu zeigt die Fremdkapitalquote den Verschuldungsgrad eines Unternehmens an.

Diese Quoten bilden für die Krisenfestigkeit und Sicherheit eines Unternehmens einen wichtigen Indikator.

Dividendenrendite

Bei der Dividendenrendite wird die Dividende pro Aktie in das Verhältnis zum aktuellen Kurswert je Aktie gesetzt. Dieser Wert indiziert, welche jährliche Rendite zu erwarten wäre, sofern sich der Kurswert nicht verändert. Dabei spiegelt die Dividende jedoch nicht die Ertragskraft eines Unternehmens wider. 

Gesamtkapitalrendite

Die Kennzahl Gesamtkapitalrendite hilft dabei, Einschätzungen bezüglich des Managements eines Unternehmens zu treffen. Errechnet wird diese aus dem tatsächlichen Gewinn im Verhältnis zum Gesamtkapital.

Ansätze und Beispiele für Strategien

Je nach Focus der geplanten Investmentauswahl stehen verschiedene Ansätze zur Auswahl. Diese sind unter anderem:

  • Top-Down-Ansatz
    Beim Top-Down-Ansatz stehen in erster Linie Investments, die sich im Fokus auf Länder und Regionen beziehen. Basis dieses Ansatzes ist hierbei die Makroanalyse. Die Strategie zum richtigen Investment erfolgt zunächst über eine Globalanalyse, um zunächst die Weltkonjunktur zu betrachten. Das Ergebnis daraus bietet die Basis für eine Branchenanalyse, um hier die vielversprechendsten Branchen zu ermitteln. Ist ein geeignetes Segment gefunden, erfolgt die Einzelwertanalyse, um letztendlich in die Einzelwerte zu investieren, die am meisten Erfolg versprechen.
  • Bottom-up-Ansatz
    Im Bottom-up-Ansatz analysiert man eher Leistungen und Eigenschaften von Unternehmen. Hier bedient man sich der Mikroanalyse. Es wird davon ausgegangen, dass der Erfolg eines Investments hauptsächlich zur Leistung und dem Erfolg eines Unternehmens in Abhängigkeit steht. Somit wird zunächst Unternehmen in einer Einzelwertanalyse bewertet. Die Ergebnisse werden dann über die Branchenanalyse bis zur Globalanalyse weiter bewertet, um Chancen im Sektor sowie am Gesamtmarkt prognostizieren zu können.

Value Investing bei der Aktien-Fundamentalanalyse

Beim Value Investing sucht der Trader mittels der vorgestellten Kennzahlen und Analysen gezielt nach Aktien, die an der Börse unterbewertet sind. Hier erscheint eine Investition als sinnvoll.

Liegt der Marktwert eines Unternehmens unter dem aus der Analyse errechneten Wert, gilt es als wahrscheinlich, dass der Kurswert der Aktie langfristig steigt. Liegt der Marktwert im Gegensatz dazu über dem errechneten Wert, ist die Bewertung des Unternehmens zu hoch. Der Kurs tendiert damit zu einer negativen Entwicklung und ist für eine Investition weniger geeignet.

Fazit

Die Fundamentalanalyse stellt ein wichtiges und relativ verlässliches Werkzeug dar, um Kauf- oder Verkaufsentscheidungen aufgrund der Analyseergebnisse treffen zu können. Wichtig hierbei ist es, möglichst viele Kennzahlen in die Analyse miteinzubeziehen. Die Aussagekraft einer Kennzahl ist nur begrenzt. Erst die Verwendung mehrerer Kennzahlen kann einen Gesamtüberblick verschaffen. Ebenfalls muss beachtet werden, dass die Kennzahlen zumeist nur eine Momentaufnahme darstellen. Diese können von außerordentlichen, einmaligen Ereignissen geprägt sein und somit langfristige Prognosen verfälschen.

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