Was sind Derivate? – einfach erklärt

INHALTSÜBERSICHT

Der Handel mit Derivaten ist keine neuzeitliche Erfindung. Erste Spuren des Derivatehandel können bis in das zweite Jahrhundert vor Christus zurückverfolgt werden. Die insbesondere durch die Seefahrt risikobehafteten Handelsgeschäfte sollten auf diese Weise abgesichert werden. 

Derivate

Ein Handel mit Derivaten lässt sich bis in das 12te Jahrhundert zurückverfolgen, welcher in Venedig seinen Ursprung fand. Bis heute stellen Derivate ein wichtiges Finanzinstrument dar, welches in den folgenden Kapiteln näher erörtert wird. Dabei sind Derivate jedoch keine klassischen Finanzinstrumente. Vielmehr handelt es sich um ein Konstrukt, also einem Vertrag zwischen Verkäufer und Käufer.

Derivat – Definition & Erklärung

Derivat bedeutet „ableiten“ und stammt aus dem lateinischen Begriff „derivare“. Von daher, im Allgemeinen auf Produkte bezogen, stellt ein Derivat ein abgeleitetes Produkt dar. Voraussetzung für ein abgeleitetes Produkt ist ein Grund- oder Basisprodukt. Im Trading sind die Basisprodukte Finanzprodukte wie beispielsweise Aktien oder Anleihen. Diese werden auch als sogenannte „Underlyings“ bezeichnet. Das Derivat selbst ist ein Finanzprodukt, das von der Basis, beispielsweise einer Aktie abgeleitet ist. Folglich ist ein Derivat ein Finanzprodukt für eine indirekte Investition in das Basisprodukt. Deren Bewertung steht somit in Abhängigkeit der Basis.

Genutzt werden kann der Handel mit Derivaten sowohl zur Spekulation, also in Gewinnerzielungsabsicht, als auch zur Risikoabsicherung, beispielsweise gegen Kursschwankungen. Von daher gibt es auf die unterschiedlichsten Basisprodukte eine große Zahl an Derivaten.

Grundsätzlich gibt es keine allgemein anerkannte Definition, jedoch ist ein Derivat ein von einem Basisprodukt abgeleiteter Kontrakt der einen Basiswert und eine Laufzeit beinhaltet. Es muss eine in der Zukunft liegende Verpflichtung zwischen mindestens zwei Vertragspartnern erfüllen. Des Weiteren müssen die Preise von Derivaten eine mittelbare oder unmittelbare Abhängigkeit vom Basisprodukt haben.

Derivate stellen nach dem Kreditwesengesetz ein Finanzinstrument dar, dessen Zweck einen Kauf, Tausch oder andere Options- oder Festgeschäfte darstellen. Diese müssen zeitlich verzögert zu erfüllen sein. Deren Wert muss sich unmittelbar respektive mittelbar vom Preis beziehungsweise Maß eines Basiswertes ableiten lassen.

Dow Jones Entwicklung – Grafik

Was ist der Zweck eines Derivates?

Das Derivat ist weniger als Finanzprodukt, sondern eher als Finanzinstrument anzusehen. So kann man sich beispielsweise mit einem Derivat auf eine Aktie gegen Kursschwankungen bzw. fallende Kurse absichern. Andererseits werden Derivate auch spekulativ genutzt, um kurzfristig relativ hohe Gewinne erzielen zu können.

Welche Arten von Derivaten gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bedingten und unbedingten Derivaten, abhängig davon, ob der zukunftsgerichtete Vertragsbestandteil der Erfüllung eine Verpflichtung oder ein Wahlrecht beinhaltet.

Termin, bzw. Festgeschäfte und Swaps gehören aufgrund der bindenden Verpflichtung zur Leistung zum festgelegten Zeitpunkt zu den unbedingten Derivaten. Optionen sind aufgrund des Wahlrechts des Käufers den bedingten Derivaten zuzuordnen.

Die bedingte Variante lässt es zu, einen Basiswert innerhalb eines vereinbarten zukünftigen Zeitpunktes (Europa) oder Zeitraums (USA) zu kaufen oder verkaufen. In der unbedingten Option sind Kauf- und Verkaufsoptionen des Basiswertes vertraglich geregelt und verpflichtend.

Nach dieser Unterscheidung gibt es Futures bzw. Fixgeschäfte sowie Optionen. Hier wird wiederum unterschieden, ob die Papiere börslich oder außerbörslich gehandelt werden.

An den Börsen werden Futures und Fixgeschäfte unter anderem auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Wechselkurse und Zinssätze gehandelt. Aber auch Commodities wie Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnisse oder standardisierte Investitionsgüter sowie Konsumgüter. 

Unter einem Future, auch Terminkontrakt genannt, versteht man einen Finanzkontrakt, der ein börsengehandeltes und unbedingtes Termingeschäft als Grundlage hat. Bei einem Fixgeschäft ist eine genau bestimmte Leistungszeit der wesentliche Inhalt des Kontrakts. Hier wird wiederum zwischen einem absoluten und relativen Fixgeschäft unterschieden. 

CFDs ähneln den Futures. Die Abkürzung des Differenz-Kontraktes leitet sich aus dem Englischen für „contract for difference“ ab. Dieser Kontrakt ist vor allem bei Privatinvestoren beliebt. Hier kann mit großer Hebelwirkung direkt auf die Kursentwicklung eines Basiswertes spekuliert werden ohne diesen tatsächlich real kaufen oder verkaufen zu müssen. CFDs werden außerbörslich über CFD-Broker gehandelt.

Außerbörslich kommen neben Derivaten auf Zinssätze und Anleihen auch Fremdwährungen und Rohstoffe wie Metalle in Betracht. Ebenfalls in Betracht kommen auch Derivate mit Kryptowährungen als Basisprodukt in Betracht. Auch abstrakte Größen wie Indizes, Ratings und Kennzahlen finden hier Verwendung. Diese Derivate werden auch „Forwards“ genannt. So sind „Forward Rate Agreements“ Zinsderivate, durch die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ein fiktiv geltender Zinssatz, unabhängig vom zu diesem Zeitpunkt geltenden Zinssatz, gesichert werden kann.

Optionen verleihen dem Optionsnehmer das Recht, aber nicht die Verpflichtung, den Basiswert eines Produkts vom Optionsgeber, auch Stillhalter genannt, zu einem festgelegten Preis zu kaufen bzw. an diesen zu verkaufen. Hierbei hat der Optionsnehmer das Recht, die Option durch Nichtausübung verfallen zu lassen.

Hier unterscheidet man im börslichen Handel im Wesentlichen um vier Tradeoptionen. Die dann wären: Kassaoptionen, Optionen, Swaps und Zertifikate.

Als Kassaoptionen werden Finanzinstrumente bezeichnet, die über festgelegte Basisprodukte verfügen. Diese müssen durch die Vertragsparteien Zug um Zug durch Zahlung und Lieferung erfüllt werden. Während der Begriff Optionen in diesem Absatz bereits erklärt wurde, kommen wir zu sogenannten Swaps. 

„To swap“ steht im Deutschen für tauschen.  Ein Swap ist somit ein Finanzinstrument, dessen Inhalt im Austausch von künftigen Zahlungsströmen steht.

Zertifikate sind Schuldverschreibungen die über derivative Komponenten verfügen. Die Wertentwicklung ist von der Wertentwicklung des Basisproduktes abhängig. Ein Zertifikat gewährt keine feste Verzinsung.  Lediglich die Teilhabe am Erfolg eines Börsengeschäfts. 

Zu den außerbörslich gehandelten Optionen gehören unter anderem Caps, Captions, Collars, Corridors, Floortions und Swaptions. Man nennt diese Formen auch OTC-Derivate, wobei OTC für „over the counter“ steht.

Caps und Floors sind Derivate mit optionalem Charakter. Diese lösen bei Überschreitung einer festgelegten Obergrenze (Caps) beziehungsweise bei Unterschreitung einer festen Untergrenze (Floors) einen Zahlungsvorgang aus.

Bei Collars und Corridors ist die Absicherung der Zinsen in beide Richtungen möglich. Hier wird die Bandbreite zwischen einer Zinsober- und Untergrenze festgesetzt, innerhalb derer sich das Zinsniveau verändern darf. Beim Corridor wird lediglich das Schwankungsrisiko innerhalb eines festgelegten Rahmens zwischen Höchstzins und Mindestzins abgegrenzt.

Captions, Floortions und Swaptions sind, wie die Bezeichnungen bereits erkennen lassen, Mischformen. So sind Captions Optionen auf Caps, Floortions Optionen auf Floors und Swaptions Optionen auf Swaps.

Zusammengefasst können Derivate in vier Gruppen eingeteilt werden:

Swaps werden unter anderem auf Zinsen (Zinsswaps), Währungen (Währungsswaps), sowie auf Zinsen und Währungen (Zins-Währungsswaps) ausgegeben. Zu dieser Gruppe gehören auch swapbezogene Finanzprodukte wie Caps und Floors, Cap- bzw. Floor Darlehen, Collars und Captions.

Termingeschäfte auf Zinsen, Währungen, Aktien oder Indexes werden der Gruppe der Futures zugeordnet, beispielsweise Zinsfutures oder Währungsfutures.

Zur Gruppe der Optionen zählen Optionen auf Devisen, Aktien, Indexes sowie auch Optionen auf Futures.

Forward Rate Agreements, Forward Darlehen und Forward Deposits fallen in die Gruppe der Forwards.

Wissenswert: Eine Sonderform von Derivaten ist das eingebettete Derivat. Dieses ist ein Bestandteil eines sogenannten hybriden Vertrages. Dieser enthält auch einen nicht derivaten Basisvertrag, das sogenannte Trägerinstrument. So unterliegt ein Teil der Zahlungsströme aus dem zusammengesetzten Instrument ähnlichen Schwankungen wie ein alleinstehendes Derivat. In Abhängigkeit des Basiswertes verändert ein eingebettetes Derivat einen Teil oder alle Zahlungsströme. Beispiele hierfür sind Aktienanleihen und Wandelanleihen. Hier ist eine Aktie, bzw. eine Anleihe das Trägerinstrument.

Aktienkurs Beispielbild

Bedeutung und wirtschaftliche Aspekte

Im modernen und internationalen Finanzwesen sind Derivate vermutlich das am schnellsten wachsende Segment. Dieses ist zudem ständigen Veränderungen ausgesetzt. Derivate können die Umverteilung von Risiken erleichtern. Risiken aus Derivaten werden dabei jedoch nur verteilt, nicht beseitigt. In der Vertragsgestaltung eines Derivates werden die Marktrisiken implementiert. Somit können diese separat gehandelt werden. Durch die Trennung von Basiswert und Risiko ist ein Risikotransfer möglich ohne dass der Basiswert erworben oder veräußert werden muss. 

Die zentrale und wirtschaftliche Bedeutung von Derivaten besteht darin, dass Marktpreisrisiken gebündelt und an Dritte übertragen werden können. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass Marktpreisrisiken isoliert zum Basiswert bewertet werden können. Finanzrisiken werden von Hedgern aus der entgegengesetzten Position oder Spekulanten übernommen. Ein Risikotransfer kann natürlich auch über klassische Finanzinstrumente erfolgen. Bei Derivaten ist jedoch der Tausch, Kauf oder Verkauf des zugrundeliegenden Basiswertes nicht notwendig.

Wo werden Derivate gehandelt und wer handelt mit Derivaten?

Derivate werden wie bereits vorangehend beschrieben je nach Art börslich oder außerbörslich gehandelt. 

Um einen liquiden und schnellen Handel sicherzustellen sind börsengehandelte Derivate entsprechend den Bedingungen der Marktplätze hochstandardisiert.

Die deutsch-schweizerische Eurex zählt neben der Chicago Mercantile Exchange, der Korea Exchange, der Chicago Board of Trade und der britischen NYSE Liffe zu den weltweit größten Derivatebörsen. Große Warenterminbörsen werden unter anderem durch die ICE Futures U.S. und die New York Mercantile Exchange repräsentiert.

Außerbörslich gehandelte Derivate sind durch die ISDA (International Swaps and Derivatives Association) standardisiert und werden bilateral ausgehandelt und abgeschlossen.

Am Derivate Geschäft sind Staaten mit ihren Zentralbanken beteiligt, welche den Handel gezielt in ihrer Geldmarktpolitik einsetzen. Ebenfalls beteiligt sind Banken, Versicherungen sowie Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen.

Inzwischen können auch private Anleger am Derivatemarkt partizipieren. Trading Plattformen im Internet oder Online-Broker ermöglichen und erleichtern ihnen den Zugang zu diesem Markt. Zertifikate beispielsweise sind eben auf diese Zielgruppe ausgerichtet.

Wallstreet – Symbolbild

Vorteile, Nachteile, Risiken und Chancen

Börslich gehandelte Derivate werden in Serien ausgegeben und besitzen eine sehr große Bandbreite in Bezug auf den Basiswert und in die Laufzeiten. Alle außerbörslichen Konstrukte können individuell nach den Erfordernissen des Investors aufgelegt werden.

Durch die Hebelwirkung bieten Derivate die Möglichkeit, nicht lineare Auszahlungsstrukturen zu erhalten um dadurch überproportionale Gewinne zu erzielen. Hier können mit geringem Kapitaleinsatz große Beträge bewegt werden, weitaus weniger, als würden die Basiswerte selbst bewegt.

Schwer zugängliche Märkte wie Rohstoffe oder Zinsen verschaffen Derivate einen einfachen Zugang.

Direkte Investitionen in Wertpapiere sind verhältnismäßig kostspielig. Derivate bieten für den Zugang zu den Kapitalmärkten eine kostengünstigere Alternative.

Derivate sind insgesamt nicht risikoreicher als Kassageschäfte. Mikorökonomisch gesehen besitzen Derivate dieselben Marktrisiken wie die zugrunde gelegten Basiswerte selbst. 

Dennoch können Derivate ein hohes Risiko in sich bergen, welches sich erst im direkten Vergleich zwischen dem Derivat und dem Basiswert ergibt.

Insbesondere für Privatanleger stellt die Preisbildung oftmals eine Gefahr dar. Anders als bei klassischen Wertpapieren, dessen Preis sich durch Angebot und Nachfrage ergibt, spielen neben dem Preis des Basiswertes auch Parameter wie die Restlaufzeit eine oftmals entscheidende Rolle. Dieses macht das Derivatgeschäft oft weniger transparent und schwerer nachvollziehbar. Je nach Ausgestaltung des Kontrakts kann zusätzlich das Risiko bestehen bei Fälligkeit, entgegen der ursprünglichen Absicht, zusätzliches Geld aufbringen zu müssen.

Der sogenannte Hebeleffekt bei Derivaten birgt Risiko und Chance zugleich. Ein Derivat unterliegt in der Regel wesentlich größeren Wertschwankungen als sein Basiswert. Bereits kleine Veränderungen in der Basis können sich so schnell potenzieren. Bei Spekulationen wird so die Chance auf überdurchschnittliche Gewinne eröffnet. Gleichzeitig sind jedoch auch überdurchschnittliche Verluste, bis hin zum Totalverlust, möglich.

Fazit

Derivate sind Konstrukte, die einen Basiswert ableiten. Sie dienen in erster Linie der Verteilung des Risikos und der Absicherung. Von Unternehmen aus dem Rohstoffbereich, Banken und Versicherungen werden Derivate hierzu gezielt genutzt. Risikonehmer sind dabei Anleger und Spekulanten.  Der Derivate Markt ist, zumindest bei den börslich gehandelten Papieren, für alle natürlichen und juristischen Personen zugänglich. Aufgrund der Komplexität ist für den Handel mit Derivaten weitreichende Kenntnisse und Fachwissen erforderlich. Deshalb haben zu diesem Markt nur professionelle Investoren Zugang. Über Online-Broker können jedoch auch Privatinvestoren an den Börsen aktiv werden.

Spekulativ gesehen bieten Derivate, unter anderem bedingt durch den Hebeleffekt, hohe Gewinnchancen, aber auch ein hohes Verlustrisiko. Investitionen beziehungsweise Spekulationen dienen meist der kurzfristigen, seltener der mittel- oder langfristigen Gewinnerzielung.

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