Was ist der Margin Call? – einfach erklärt

INHALTSÜBERSICHT

Das Filmdrama aus 2011 „Der große Crash – Margin Call“ verarbeitete die zweifelhaften Methoden der amerikanischen Hochfinanz, bis es letztlich ab 2007 zur bekannten Finanzkrise kam. Auch wenn die Handlung mit der Realität nichts zu tun hat, ist ein Margin Call für Privatanleger nicht erfreulich, sondern eher als deutlicher Warnhinweis zu verstehen.

Der Ausdruck Margin Call geht auf die Zeit zurück, als Broker ihre Kunden noch telefonisch (engl.: call) über die Notwendigkeit eines Nachschusses informiert haben. Inzwischen übermitteln sie diese Informationen per E-Mail oder über eine Meldung im Kundenportal. Der Grund der Meldung ist heute praktisch der gleiche wie damals. Doch was bedeutet Margin Call im heutigen Trading und was sollten Anleger darüber wissen? Dieser Beitrag klärt dazu über die wesentlichen Punkte auf.

Margin Call – Definition & Erklärung

Sobald der Wert des Marginkontos den von einer Bank oder einem Broker geforderten Sicherheiten unterschreitet, tritt der Margin Call ein. Dies ist dann die an den Trader gerichtete Aufforderung, die vom ihm geforderte Sicherheitsleistung zu vergrößern.

Falls der Wert einer Position oder einem Portfolio so signifikant absinkt und dies zur Unterschreitung der Maintenance Margin führt, reduziert sich auch die Qualität der Wertpapiere als Sicherheit. Um diese nun geringere Sicherheit zu erhöhen, ist zusätzliches Kapital in Form von Geld notwendig – falls nicht, wird die Position vom Broker in naher Zukunft geschlossen.

Margin – Maintenance Margin – Initial Margin

Die Margin ist die Sicherheitsleistung, die hinterlegt werden muss, falls ein Broker einem Anleger Kapital leiht. Dies erfolgt mittels eines sogenannten Margin-Kontos. Es handelt sich hierbei um eine Option, das vom Anleger eingesetzte Kapital zu „hebeln“.

Der Broker verlangt für ein solches Darlehen – ähnlich dem Eigenkapitaleinsatz bei der Finanzierung einer Immobilie – eine Sicherheit in Form der Margin, damit er nicht das komplette Risiko des Kunden übernehmen muss. Denn wenn der Anleger aufgrund hoher Verluste nicht mehr zahlen kann, ist der Broker letztlich für die Verluste verantwortlich, für die der Anleger nicht mehr in der Lage ist, aufzukommen.

Dabei gibt es zwei verschiedene Arten einer Margin:

  • Initial Margin: Der Sicherheitsbetrag, der vor Ausführung einer Order durch den Broker angezeigt wird, nennt man Initial Margin (deutsch: Ersteinschuss). Liegt zum Zeitpunkt der Ordererteilung kein ausreichender Sicherheitsbetrag vor, wird die Order nicht ausgeführt.
  • Maintenance Margin: Der Begriff „Maintenance Margin“ bedeutet übersetzt aus dem Englischen „Erhaltung oder Aufrechterhaltung.“ Maintenance Margin ist der minimale Betrag, den Sie auf Ihrem Konto halten müssen, um eine Position offenzuhalten. Wenn Ihr Kontostand unter die Maintenance Margin fällt, wird Ihre Position geschlossen.

Wie ist der Ablauf beim Margin Call?

Ein Margin Call Risiko besteht dann, wenn ein Trader nicht ausschließlich Eigenkapital einsetzt, sondern eine Margin zum Handeln nutzt. Um festzustellen, wann dies geschieht, ist das gesamte Eigenkapital entscheidend. Das Eigenkapital ist der Marktwert der zur Verfügung gestellten Sicherheiten, vermindert um den vom Broker geliehenen Betrag.

Eigenkapital = Wert der Positionen + Barmittel − Kredit des Brokers

Die für die Positionen geforderten Sicherheiten oder die Margin hängen stark vom Risiko der jeweiligen Position ab. Bei Aktien etwa fordern Broker oft Sicherheiten in Höhe von 25 Prozent des georderten Betrags.

Wann geht der Margin Call an den Trader?

Ein Margin Call wird ausgelöst, sobald der Wert des Eigenkapitals unterhalb der Maintenance Margin liegt. Diese ist als vorab festgelegter prozentualer Wert vom Kreditbetrag zu verstehen und wird zum Halten von Positionen mindestens benötigt.

Beispiel

Mit 10.000 Euro Eigenkapital sowie 10.000 Euro Fremdkapital wird ein Konto eröffnet. Damit ist es möglich, 400 Aktien zu einem Kurswert von 50 Euro zu kaufen. Dies unter der Voraussetzung, dass für die Wertpapiere der Marginhandel zugelassen ist. Für das Beispiel beläuft sich die Maintenance Margin des Brokers auf 30 Prozent („Beleihung“ bis 70 Prozent). Unmittelbar nach Kauf der Aktien hat das Konto einen Wert von 20.000 Euro.

Der Margin Call wird somit ausgelöst, sobald der Gesamtwert der Aktien unter die Marke von 14.285,72 EUR fällt (unter 70 Prozent des Kaufkurses). Dies entspricht einem Rückgang des Werts pro Aktie um mehr als 28 Prozent.

Wie kann ich den Margin Call vermeiden?

Das Wissen um den Margin Call ist die eine Sache. Doch wie kann ich ihn vermeiden? Nachstehend fünf Ratschläge, die besonders Anfänger beachten sollten:

Nicht die vollständige Margin ausnutzen

Wenn die maximale Margin nicht komplett genutzt wird, hat der Trader einen umfangreicheren Spielraum, bevor ein Margin Call zu erwarten ist.

Das bedeutet für das oben genannte Beispiel: Bei einem Kauf von Aktien im Wert von nur 15.000 Euro, würde der Margin Call erst erfolgen, sobald sich der Wert der Positionen um etwa die Hälfte reduziert. Beim Kaufwert von 20.000 Euro, wie im Beispiel genannt, wäre es bereits bei einem Kursverfall von 30 Prozent zum Margin Call gekommen. Daher ist es ratsam, die Sicherheiten nicht vollständig in Form von Depotpositionen zu belasten.

Strategie haben und einhalten

Für Händler ist es wichtig, sich an eine klare Strategie zu halten. Dies beinhaltet nicht nur die Planung der eröffneten Positionen, sondern vielmehr auch die Festlegung, wann Positionen gegebenenfalls geschlossen werden sollen – selbst wenn dies mit Verlusten verbunden ist. Auf diese Weise können in der Praxis umfangreichere Verluste und letztlich ein Margin Call vermieden werden.

Das Risiko bei gehebelten Produkten immer vor Augen haben

Obwohl die Werbung suggeriert, dass der Einstieg in den CFD- und Forex Handel einfach ist, sollte man sich bewusst sein, dass der Hebel Chancen und Risiken gleichermaßen bietet.

Nur mit Produkten handeln, die man versteht

Nur diejenigen, die sich mit den Produkten und Märkten auskennen, die verstehen, Stop/Loss strategisch einzusetzen und die über ein ausreichendes Risikomanagement verfügen, können auf Dauer erfolgreich sein.

Instrumente und Anbieter nutzen, die vor Verlusten schützen

Um Fehler zu vermeiden, ist es ratsam für Anfänger in diesen Märkten, einen Broker mit einer Art „Bremse“ zu finden. Diese Bremse schließt alle Positionen ab, sobald die kritische Verlustgrenze erreicht wurde und lässt somit keine weiteren Trades mehr zu. Inzwischen wird von einigen Anbietern ein solcher Schutz vor Verlusten angeboten.

Die Risiken

Die Risiken des Margins Calls werden deutlich, wenn sich Anleger der begrenzten Reaktionsmöglichkeiten bewusst werden.

Das bedeutet:

  • Nachschießen von Barmitteln: Um den Wert der Sicherheiten zurück auf das erforderliche Minimum zu bringen, müssen eigene Barmittel eingebracht werden. Sind diese vorhanden?
  • Alternativ zu Barmitteln können weitere Wertpapiere in das Depot eingelagert werden. Dies ist ebenfalls natürlich nur möglich, wenn diese vorhanden sind.
  • Als dritte Möglichkeit bietet sich der Verkauf der Wertpapiere an, die mithilfe des Marginkontos gekauft wurden.

Falls der Inhaber eines Marginkontos trotz des kurzfristigen Warnhinweises keine Aktionen unternimmt, wird sein Broker aktiv. Die noch offenen Positionen werden in dem Fall dann entweder geschlossen oder teilweise verkauft, damit das Konto sofort wieder dem geforderten Wert entspricht – alles ohne das Einverständnis des Anlegers.

In den Geschäftsbedingungen des Kontos wird die Art und Weise der Eingriffe geregelt. Als Kontoinhaber trägt man das Risiko von etwaigen Verlusten der Transaktion sowie der unvorteilhaften Glattstellungszeitpunkte. Zusätzlich fallen übliche sowie außerordentliche Transaktionsgebühren an, die ebenfalls vom Kontoinhaber getragen werden müssen.

Fazit

Handelt man ganz gewöhnlich über ein Wertpapierdepot mit Aktien oder Optionsscheinen, so kann man sich beruhigt zurücklehnen. Denn sobald man die Aktien erwirbt, ist der maximale Verlust auf den Einsatz beschränkt. Auch wenn Optionsscheine ein höheres Risiko bergen, so muss man immer die volle Summe investieren und eine Pflicht, Geld nachschießen zu müssen, ist ausgeschlossen.

Es geht vor allem um Geschäfte, welche über Terminbörsen abgewickelt werden, sowie den Devisen- und den CFD-Handel.

An Warenterminbörsen können Privatanleger kaum handeln. Der Handel mit CFDs sowie der Forex Handel werden stark beworben und versprechen große Gewinne.

Diese großen Gewinnchancen sind auf den bis zu 400-fachen Hebel zurückzuführen. Allerdings ist es wichtig zu bedenken, dass durch den hohen Hebel auch das Risiko entsprechend höher ist und der Verlust dadurch rasch die geforderte und hinterlegte Sicherheitsleistung, die Margin, überschreiten kann. 

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