Off-Book-Handel ++ Definition & Erklärung 

INHALTSÜBERSICHT

Die zunehmende Digitalisierung hat die Möglichkeiten im Börsenhandel deutlich erweitert. Von jedem Ort in der Welt ist der Handel an den internationalen Börsen heute möglich. Gleichzeitig hat im Finanzwesen die Regulatorik inzwischen ein enormes Ausmaß angenommen. Vieles davon wurde zum Schutz des Anlegers eingeführt. 

In manchen Situationen ist eine strenge Regulierung allerdings hinderlich. Parteien, die dem entgehen wollen und die Bedingungen lieber ohne eine strenge Börsenaufsicht aushandeln wollen, schließen daher ihre Geschäfte im Off-Book-Handel ab. Was das bedeutet und wie der Off-Book-Handel funktioniert, darüber informiert dieser Beitrag.

Off-Book-Handel – einfach erklärt

Off-Book-Handel bezeichnet den Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten, die nicht an einer regulierten Börse gehandelt werden. Dazu gehören etwa Derivate, Aktien, Anleihen und ETFs. Die Transaktion kann direkt zwischen zwei Parteien stattfinden oder über einen unabhängigen Broker abgewickelt werden.

Off-Book-Handel wird häufig von institutionellen Investoren und Hedgefonds verwendet, um große Blöcke von Aktien oder Anleihen zu kaufen oder zu verkaufen, ohne den Preis des Wertpapiers durch ihre Handelsaktivitäten zu beeinflussen. Da der Handel außerhalb der Börse stattfindet, ist er weniger reguliert als der Handel an einer Börse.

Häufig wird der Handel von einem Teilnehmer an die Börse übermittelt, um diesen „On Exchange“ zu bringen. Damit wird der Handel im Orderbuch aufgenommen. 

Over-the-Counter-Handel (OTC)

Der Begriff bedeutet übersetzt „über den Schalter“ und ist der sogenannte Freiverkehr von Wertpapieren. In Deutschland ist der Over-the-Counter-Handel (OTC) eine häufige Form des Off-Book-Handels. Der OTC-Handel umfasst den direkten Handel zwischen zwei Parteien, ohne dass ein Börsenmakler beteiligt ist. Bei Käufen und Verkäufen von Wertpapieren, welche nicht an Börsen zugelassen sind, werden die Geschäfte zwischen Market Makern untereinander oder zwischen Market Makern und ihren Kunden abgewickelt. Auch wenn keine Aufsicht seitens der Börsenaufsicht oder Finanzaufsichtsbehörde besteht, gelten die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für den Handel mit Wertpapieren.

Was ist unter Dark Pools zu verstehen?

Sogenannte Dark Pools machen inzwischen einen substanziellen Anteil am internationalen Wertpapierhandel aus. Schätzungen kommen auf rund 15 Prozent des amerikanischen und etwa 6 Prozent des europäischen Handelsvolumens, das über Dark Pools abgewickelt wird.

Gemeint sind damit Handelsplattformen von Börsen und Banken, auf denen anonym Finanzinstrumente gehandelt werden. Ein Handel, der außerhalb von Börsen abgewickelt wird. Somit gelten nicht die Regeln, die für Handelsgeschäfte über Börsen gelten. 

Was machen OTC-Broker?

Privatanleger benötigen einen OTC-Broker, um am OTC-Handel teilnehmen zu können. Er ist der Vermittler für den privaten Anleger im OTC-Handel. Durch ihn erhält er die Möglichkeit, direkte Geschäfte mit Maklern oder Emittenten abzuschließen. Der gesamte Prozess ist heute in der Regel digitalisiert. Der Ablauf ist dabei wie folgt:

  1. Der Anleger stellt eine Anfrage über seinen OTC-Broker ein.
  2. Der Preis des Emittenten wird über den OTC-Broker an den Anleger übermittelt.
  3. Akzeptiert der Anleger den Preis, erteilt er eine entsprechende Order über seinen Broker.
  4. Die Order wird vom Broker an den Handelspartner weitergeleitet.
  5. Durch die Annahme der Order, meistens sofort automatisiert, kommt der Kauf zustande.

Der OTC-Handel wird nicht von allen Brokern angeboten. Bei Interesse sollten Anleger also rechtzeitig bei der Wahl ihres Brokers die Möglichkeiten klären. Zu den Anbietern zählen vor allem die sogenannten Neobroker.

Off-Book-Handel von Aktienpaketen – Beispiel aus der Praxis

Die Aktiengesellschaft A hat im letzten Jahr erfolgreich ein neues Produkt auf den Markt gebracht und möchte nun ihr Unternehmen in ein größeres Unternehmen einbringen. Die Aktiengesellschaft B ist ein etabliertes Unternehmen mit großem Kundenstamm und solidem Umsatz. Firma A bietet jetzt der Firma B an, ihr Unternehmen im Rahmen eines Off-Book-Handels zu übernehmen. Die Firma B ist an diesem Angebot interessiert und die beiden Unternehmen einigen sich auf den Preis von 100 Millionen Euro. Jetzt muss nur noch der Handel offiziell gemacht werden. 

Der Vorteil dieses Handelsmodells liegt auf der Hand: Die Firma A kann sich mit einem Schlag in die größere Aktiengesellschaft B einbringen und diese hat die Möglichkeit, sich von einem Konkurrenten zu trennen. Beide Unternehmen können somit ihre Ziele erreichen. Der Preis dafür wird von den Parteien selbst bestimmt und unabhängig vom aktuellen Aktienkurs vereinbart. Die Transaktion selbst erfolgt nicht über die Börse, sodass keine weiteren Kosten anfallen.

Vorteile und Nachteile beim Off-Book-Handel

Die Vorteile beim Off-Book-Handel sind insbesondere:

  • Unabhängigkeit von den Regeln der Börse.
  • Freiheit der Handelspartner, eigene Preise sowie Rahmenbedingungen für den Handel zu vereinbaren.
  • Anleger profitieren im Vergleich zum traditionellen Handel von fehlenden Gebühren, was den Handel günstiger macht.
  • Auch kleinere, innovative Unternehmen erhalten die Möglichkeit der Kapitalbeschaffung über die Emission von Aktien.
  • Unabhängigkeit von Börsenzeiten.

Diese Nachteile sollten nicht außer Acht gelassen werden:

  • Das Ausfallrisiko ist deutlich höher, da es relativ wenige Regeln gibt und insbesondere keine Börsenaufsicht.
  • Festgelegte Kurse unterliegen keiner Kontrolle.
  • Fehlende Transparenz, da Aufträge nicht in einem Orderbuch nachverfolgt werden können.
  • Beim Off-Book-Handel gibt es teilweise keine Aufzeichnungen. Somit können gegebenenfalls Absprachen schwer nachvollzogen werden.
  • Es existiert keine zwingende Verpflichtung, den Handel einer Börse anzuzeigen oder diesen zu veröffentlichen. Selbst die Meldung eines Off-Book-Handels (Ausführung als On Exchange) ist ein aufwendiger Prozess und erscheint somit nur mit Verzögerung.

Fazit

Der Off-Book-Handel ist eine vielversprechende Möglichkeit für diejenigen, die flexibel sein wollen und die Bedingungen selbst verhandeln möchten. Er ist somit eine gute Option für alle, die nicht an die Regulierungen der Börse gebunden sein wollen. Die fehlenden Regulierungen können jedoch ebenso ein höheres Ausfallrisiko darstellen. Dies kann nur durch entsprechende eigene Kompetenz der Anleger ausgeglichen werden. Es ist somit ein Handel für Profis.

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