Anleihen: Geldanlage zwischen Sparkonto und Aktie

Mit Anleihen verschaffen sich Staaten, Unternehmen, Institutionen und Banken Geld. Die Anleger erhalten dafür fest zugesagte Zinsen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau hat zwar bei den Renten, wie Anleihen auch genannt werden, die Renditen schmelzen lassen. Dennoch gelten sie nach wie vor als Sicherheitsbaustein im Depot. Im Vergleich zu den klassischen Sparkonten, die teilweise gar nicht mehr angeboten werden, lassen sich mit einigen Anleihen immer noch Erträge einfahren. Dennoch gilt auch bei Anleihen: je höher die vermeintliche Rendite, desto größer ist das Risiko. Daher gibt es bei Anleihen einiges zu beachten.

Anleihen einfach erklärt

Bei Anleihen handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere. Sie werden auch als Renten, Obligationen oder Schuldverschreibungen bezeichnet. Es wird das Recht verbrieft, das investierte Kapital nach einer festgelegten Laufzeit zurückzuerhalten und in der Zwischenzeit ebenso festgelegte Zinszahlungen (Kupons) zu erhalten. Die wesentlichen Merkmale von Anleihen ähneln denen von Krediten: feste Zinsen und feste Laufzeiten. 

Emittenten können Staaten, Unternehmen, Institutionen sowie Banken sein. Anleger sind sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren. Anleihen sind als Wertpapier an der Börse handelbar.

Wesentliche Arten von Anleihen

Die verschiedenen Arten von Anleihen unterscheiden sich vorwiegend durch die Emittenten. Damit verbunden sind unterschiedliche Risiken sowie Renditen. Vereinzelt gibt es spezifische Merkmale bei Anleihen.

Staatsanleihen

Die Emittenten sind hier Staaten. Zinsen und Risiken können sich je nach Land sehr unterscheiden. Für Anleger hilfreich sind die Einstufungen der Ratingagenturen. Bei wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland sind die Renditen aktuell negativ (Stand 10/2021). Deutsche Staatsanleihen werden auch als Bundesanleihen bezeichnet.

Unternehmensanleihen

Sie zählen zu den Finanzierungsinstrumenten von Unternehmen. Im Unterschied zur Aktie ist damit keine Beteiligung verbunden. Es handelt sich praktisch um einen Kredit, für den das Unternehmen Zinsen bezahlt. Bei Anleihen, die von mittelständischen Unternehmen emittiert werden, wird von Mittelstandsanleihen gesprochen. Je nach dem aktuellen Rating und der Größe des Unternehmens ist im Vergleich zu Staatsanleihen mit höheren Renditen zu rechnen. 

Pfandbriefe

Das besondere Merkmal eines Pfandbriefs ist, dass die Anleihe durch Sachwerte besichert ist. Sie werden daher von Pfandbriefbanken und Hypothekenbanken herausgegeben. Es gelten strenge Regularien. Aufgrund der Rahmenbedingungen gelten sie als extrem sicher. Der erste Pfandbrief wurde vor über 250 Jahren herausgegeben und bis heute (Stand 10/2021) ist es zu keinem Ausfall gekommen.

Wandelanleihen

Der Begriff Wandel bei diesem Wertpapier drückt aus, dass Investoren ihre Anteile bis zu einer festgelegten Frist in Aktien des gleichen Unternehmens umtauschen können. Die Tauschaktion ist nur einmalig möglich.

Begriffe rund um die Anleihe

Zum Verständnis von Anleihen ist die Kenntnis der wesentlichen Begriffe wichtig:

  • Nennwert: Der Geldbetrag, welcher der Herausgeber dem Anleger schuldet
  • Emission: Ausgabe einer Anleihe
  • Emittent: Herausgeber einer Anleihe
  • Neuemission: Anleihe, die noch nie zuvor im Handel war (neu herausgegeben)
  • Kupon: die jährlich ausgeschüttete Zinszahlung. Die Zinsen sind während der Laufzeit immer gleich. Somit gibt es keinen Zinseszins.
  • Rendite: der Ertrag des Anlegers innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Effektivverzinsung)
  • Kurswert: Wichtig für Investoren, die Anleihen vor Laufzeitende verkaufen möchten. Es handelt sich um den tagesaktuellen Kurs, welcher in Prozent des Nennwertes angegeben wird (Nennwert entspricht 100 Prozent)
  • Anleihevolumen: Der Gesamtwert aller Anleihen, die der Emittent herausgegeben hat
  • Bonität: Kreditwürdigkeit von Staaten, Unternehmen oder Personen

Die Versteuerung von Anleihen

Die Gewinne aus Anleihen sind, wie andere Zinseinkünfte, mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent belegt. Dazu kommen gegebenenfalls der Solidaritätszuschlag sowie die Kirchensteuer. Alternativ entfällt die Abgeltungssteuer, sofern ein Freistellungsauftrag erteilt wurde. In diesem Fall bleiben Gewinne bis zu 801 Euro je Person (1.602 Euro bei Ehepaaren) im Jahr steuerfrei.

Funktionsweise von Anleihen

Die Anleihe funktioniert ähnlich wie ein Kredit:

  1. Der Emittent gibt die Anleihe an den Investor und erhält von diesem den Nennwert.
  1. Das Verhältnis von Emittent zu Anleger ist vergleichbar mit dem von Schuldner zu Gläubiger. Der Emittent verspricht dem Anleger regelmäßige Zinszahlungen (Kupons) für die gesamte Laufzeit.
  1. Am Ende der Laufzeit zahlt der Emittent den Nennwert an den Anleger zurück.
  1. Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, welche an Börsen gehandelt werden. Dazu werden tagesaktuelle Kurse festgestellt, die sich in Prozent vom Nennwert darstellen. Dadurch können mit Anleihen, wie bei Aktien, Kursgewinne erzielt werden.

Anleihen werden grundsätzlich nach ihrer Bonität bewertet und sind in verschiedene Kategorien eingeordnet. Die Bonität wird von Ratingagenturen festgestellt. Die Bewertung geht von AAA für die beste Bewertung bis zu D (Zahlungsausfall).

Beispiel Rendite:

Ein Anleger erwirbt 20 Anleihen zum Nennwert von 150 Euro und einem Zins von 2 Prozent jährlich. Die Laufzeit beträgt 10 Jahre. Das bedeutet 10 Zinszahlungen von jeweils 60 Euro, insgesamt somit 600 Euro. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger den Nennwert von insgesamt 3.000 Euro zurück.

Wo und wie kann mit Anleihen gehandelt werden?

Der Erwerb von Anleihen ist entweder einzeln oder alternativ in der Form von Fonds möglich. 

Einzelne Anleihen kaufen

Anleihen werden an der Börse gehandelt, weswegen der Kauf über ein Wertpapierdepot abgewickelt wird. Dabei werden die üblichen Transaktionskosten fällig. Die günstigsten Konditionen bieten in der Regel Onlinebroker. Für ein etwas breiteres Gesamtangebot an Produkten und Service stehen die Direktbanken. Wer den persönlichen Kontakt bevorzugt und bereit ist, diesen Service zu bezahlen, eröffnet ein Wertpapierdepot bei einer Filialbank.

Anleger, die Anleihen einzeln kaufen, behalten diese meistens während der gesamten Laufzeit, was hinsichtlich der Strategie als „Buy-and-Hold“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass sich die Gefahr möglicher Kursschwankungen zum Ende der Laufzeit deutlich reduziert. 

Folgende Punkte sollten Anleger beim Erwerb von einzelnen Anleihen beachten:

  • Bei den Kennzahlen gibt insbesondere das Rating eine Vorstellung vom Ausfallrisiko der Anleihe.
  • Das Anleihevolumen ist entscheidend für die Handelbarkeit von Anleihen. Wird lediglich ein geringes Gesamtvolumen ausgegeben, so wird später entsprechend wenig gehandelt werden können. Das bedeutet, es könnte im Bedarfsfall schwierig werden, einen Käufer zu finden.
  • Die Rendite informiert als wichtige Kennzahl über den Ertrag bis zum Ende der Laufzeit.
  • Währungsrisiken werden vermieden, wenn es sich um Euro-Anleihen handelt.

Anleihen als Fonds kaufen (Rentenfonds)

Bei aktiv gemanagten Fonds beginnen die Kosten bei den Ausgabeaufschlägen. Hier lohnt sich ein Vergleich der Anbieter (Onlinebroker, Direktbanken, Banken). Oft gibt es Angebote mit reduziertem Ausgabeaufschlag. Bei den Kosten kommen die jährlichen Verwaltungskosten hinzu. Wegen der günstigen Kosten hat auch bei Anleihen die Bedeutung von ETFs enorm zugenommen. Da diese nur einen Index nachbilden, fallen die Verwaltungskosten mit etwa 0,2 Prozent jährlich entsprechend niedrig aus. Bei aktiv gemanagten Fonds muss von rund 0,5 bis 1 Prozent ausgegangen werden.

Im Fonds werden wegen der angestrebten Risikostreuung viele unterschiedliche Titel gehalten. Wenn die Anleihen den Kriterien des Fonds nicht mehr entsprechen, werden sie ausgetauscht. Die sogenannte Duration, die Bindungsdauer des Kapitals, bleibt daher relativ konstant. Ein Fonds reagiert daher auf Änderungen des Zinsniveaus immer gleichartig: Fallen die Zinsen über einen längeren Zeitraum, können Anleger von Kurssteigerungen profitieren. Die Logik dabei ist verständlich: Fallen die Zinsen, werden Papiere mit verbrieften höheren Zinsen wertvoller.

Beispiel eines Anleihenfonds:

Fondsvolumen beachten:

Ähnlich wie bei einem Kauf einzelner Anleihen sollte bei Fonds das Anlagevermögen bei der Wahl eines Fonds berücksichtigt werden. Bei Fonds mit einem geringen Anlagevermögen besteht ebenfalls die Gefahr, zumindest an der Börse, der eingeschränkten Handlungsfähigkeit.

Der Mechanismus der Kursschwankungen bei Anleihen

Zwei Parameter haben Auswirkungen auf den Kurs einer Anleihe:

  • Längerfristige Veränderung des Zinsniveaus
  • Veränderung der Bonität des Emittenten

Wie sich allein gestiegene oder gesunkene Zinsen auf den Kurs auswirken können, zeigt die „modifizierte Duration“. Sie zeigt den prozentualen Anstieg oder das Fallen des Wertes einer Anleihe. Chancen und Risiken von Zinsänderungen werden auf diese Weise vorstellbar. 

Beispiel sinkende Zinsen: 

Eine Unternehmensanleihe hat einen Kupon von 5 Prozent und wird zu einem Nennwert von 100 Prozent ausgegeben. Kurze Zeit danach sinkt der Marktzins um einen Prozentpunkt. Neu ausgegebene Anleihen würden, dem Marktzins folgend, nur noch zu 4 Prozent verzinst.

Die Auswirkungen auf den Kurs wären:

  • Bei einer Restlaufzeit von 10 Jahren: 108 Prozent
  • Bei einer Restlaufzeit von 5 Jahren: 104 Prozent
  • Bei einer Restlaufzeit von einem Jahr: 101 Prozent

Beispiel steigende Zinsen:

Bei diesem Beispiel fällt der Zins nicht, sondern er steigt um einen Prozentpunkt. Das bedeutet, im Gegensatz zum ersten Beispiel, neu ausgegebene Anleihen würden um einen Prozentpunkt besser verzinst. Die laufenden Anleihen werden damit für Interessenten uninteressanter, da sie niedriger verzinst werden. Der Unterschied in der Rendite ist umso größer, je länger die Restlaufzeit ist.

Die Auswirkungen auf den Kurs wären:

  • Bei einer Restlaufzeit von 10 Jahren: 93 Prozent
  • Bei einer Restlaufzeit von 5 Jahren: 96 Prozent
  • Bei einer Restlaufzeit von einem Jahr: 99 Prozent

Für die Veränderung des Kurses der Anleihe spielt es keine Rolle, ob sich der aktuelle Marktzins ändert oder ob es Veränderungen beim Bonitätsaufschlag gibt. Das bedeutet, bei einer Verschlechterung der Bonität des Emittenten ergeben sich ähnliche Kurseinbrüche, wie bei einem Anstieg des Marktzinses.

Fazit

In der Anlageklasse liegen Anleihen zwischen den klassischen Sparkonten auf der einen und Aktien auf der anderen Seite. Anleihen der Bundesrepublik Deutschland weisen aufgrund der hohen Sicherheit aktuell noch niedrigere Verzinsungen aus als Sparkonten. Ab einer bestimmten Höhe (Freigrenzen bei Sparkonten) kommt es in beiden Fällen zu negativen Renditen. Bei Unternehmensanleihen soweit Anleihen von Schwellenländern sind hingegen aktuell noch Gewinne zu erwarten.

Bei aktiv gemanagten Rentenfonds sorgt das Fondsmanagement mit dem richtigen Timing bei Ankauf und Verkauf dafür, die Rendite zu maximieren. Anleihe-ETFs bieten durch ihre Diversifizierung einen ausgewogenen Mix aus Risiko und Rendite.

Im Zuge einer ausgewogenen Vermögensanlage spielen Anleihen weiterhin eine große Rolle. Bei guter Bonität der Emittenten sind Anleihen der Stabilitätsbaustein des Wertpapierdepots. Die Schwankungen im Depot lassen sich mit gemanagten Fonds oder breit diversifizierten Anleihen-ETFs, je nach Anteil, deutlich reduzieren. Demzufolge gehören sie beispielsweise ebenso bei den Robo-Advisors als Beimischung in nahezu allen Anlagestrategien.

Schreibe einen Kommentar