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Das CRV (Chance Risiko Verhältnis) im Trading ist das Verhältnis des potenziellen Gewinns und des potenziellen Verlusts eines Trade. Ein Verhältnis von 2:1 bedeutet beispielsweise, dass der potenzielle Gewinn im Vergleich zum potenziellen Risiko doppelt so hoch ist.

Das CRV ist gleichzeitig klassischer Risiko-Indikator und ein gern genutztes Planungswerkzeug für jeden Trade. Es hilft Ihnen zu entscheiden, ob ein Trade auf Basis des potenziellen Gewinns und Verlusts sein Risiko wert ist. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, wie Sie das CRV anwenden, welchen Einfluss es auf Ihr Trading hat und wie wir es in der Trading.de-Ausbildung einsetzen.

Wichtige Fakten zum Chance-Risiko-Verhältnis:

  • Das CRV beschreibt den möglichen Ertrag im Verhältnis zum eingegangenen Risiko eines Trades, dadurch wichtige Kennzahl im Risikomanagement
  • Ein hohes CRV bringt viele Vorteile im Trading, dadurch benötigen Sie vor allem eine geringere Trefferquote
  • Es gibt kein „gutes“ CRV, bei trading.de streben wir 5:1 an, hängt aber immer von verschiedenen Faktoren ab
  • Pflicht für alle Trader, das CRV ihrer Trades im Blick zu behalten
  • Berechnen Sie das CRV Ihrer Trades manuell oder mit dem CRV Trading Rechner

Zur praktischen Erklärung, schauen Sie auch unser Video vom Trading Coach JT an:

Was bedeutet das CRV im Trading?

Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) zeigt, wie viel potenziellen Gewinn Sie im Verhältnis zum eingegangenen Risiko eines Trades erwarten. Ein CRV von 3:1 bedeutet etwa: Sie riskieren 100 €, um einen möglichen Gewinn von 300 € zu erzielen. Sehr wichtig, das vermitteln wir in unserer Trading.de-Ausbildung immer ganz am Anfang: Ob ein CRV wirklich gut ist, lässt sich nie allein an der Zahl ablesen, sondern immer nur in Kombination mit Ihrer Trefferquote.

Entscheidend ist also der Erwartungswert (EW) Ihrer Strategie. Dieser berechnet sich wie folgt:

EW = (Trefferquote × Ø Gewinn) − ((1 − Trefferquote) × Ø Verlust)

Machen wir ein praktisches Beispiel: Unser Trader Mischa handelt gerne mit einem minimalen CRV von 2:1. Er gewinnt also durchschnittlich 200 € und verliert 100 €. Bei seiner fiktiven Trefferquote von 40 % ergibt sich:

EW = (0,40 × 200 €) − (0,60 × 100 €) = +20 € pro Trade

Seine Strategie wäre damit trotz 60 Prozent Verlusttrades statistisch profitabel. Bei nur 30 Prozent Trefferquote läge der Erwartungswert übrigens dagegen bei −10 € pro Trade – daher ist es so wichtig, CRV und Trefferquote zusammen zu betrachten. Wie stark CRV und notwendige Trefferquote zusammenhängen, zeigt die folgende Tabelle. Zur einfachen Vergleichbarkeit gehen wir bei jedem Trade von einem Risiko von 100 € aus:

CRVRisiko pro TradeMöglicher GewinnBreak-even-Trefferquote
1:1100 €100 €50,0 %
2:1100 €200 €33,3 %
3:1100 €300 €25,0 %
5:1100 €500 €16,7 %
10:1100 €1.000 €9,1 %

Je höher das CRV, desto niedriger kann Ihre Trefferquote ausfallen, um theoretisch den Break-even zu erreichen. Bei einem CRV von 5:1 benötigen Sie beispielsweise nur rund 16,7 % erfolgreiche Trades, damit sich Gewinne und Verluste ausgleichen.

Gebühren nicht vergessen

Andre Witzel - Trader und Experte bei Trading.de
Andre Witzel
Trader & Experte

In der Praxis habe ich oft genug gesehen, dass ein geplantes CRV von 5:1 am Ende deutlich schlechter ausfällt. Daran denkt man am Anfang oft nicht. Hintergrund: Vor allem bei schnellen Märkten reicht schon etwas Slippage beim Einstieg oder Stop, dazu kommen Gebühren und zack – aus 5:1 auf dem Blatt wird in der Realität 4,5:1 oder weniger. Genau deshalb plane ich meine Setups nicht auf Kante, sondern immer mit etwas Puffer.

Beispiel: Wie wird das CRV berechnet?

Das CRV berechnen Sie, indem Sie den potenziellen Gewinn durch das potenzielle Risiko teilen: Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) = potenzieller Gewinn / potenzielles Risiko. Wenn Sie also einen möglichen Gewinn von 200 Euro erwarten und bereit sind, ein Risiko von 100 Euro einzugehen, liegt Ihr CRV bei 2:1. Ihr potenzieller Gewinn ist also doppelt so hoch wie das potenzielle Risiko.

Beispiel für die Anwendung des CRV im Trading: Apple-Aktie

Um zu veranschaulichen, wie das CRV im Handel angewendet wird, schauen wir uns einmal diesen 5M-Chart von Apple an. Wir haben hier mitten im US-Handel (deutsche Zeit nach 20 Uhr) eine mögliche Fortsetzung des Aufwärtstrends gesehen. Unser Einstieg liegt bei rund 323,69 USD ein. Den Stop-Loss setzen wir bei 323,02 USD, das Kursziel bei 325,04 USD. Damit riskieren wir 0,67 USD je Aktie, um einen möglichen Gewinn von 1,35 USD je Aktie zu erzielen. Das CRV beträgt also 2:1.

CRV Beispiel Apple
CRV Beispiel Apple

Was ist ein gutes CRV?

Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) ist ein zentrales Konzept beim Trading, es gibt aber kein perfektes CRV. Das Verhältnis zwischen dem potenziellen Gewinn (Chance) und dem potenziellen Verlust (Risiko) eines Trades ist schließlich immer von Ihrer Risikobereitschaft abhängig. Wir peilen bei trading.de meist ein CRV von 5:1 an. So erwarten Sie für jeden potenziellen Verlust von einer Einheit (zum Beispiel 100 Euro) einen potenziellen Gewinn von mindestens fünf Einheiten (zum Beispiel 500 Euro).

5:1 und nichts darunter

Andre Witzel - Trader und Experte bei Trading.de
Andre Witzel
Trader & Experte

Ich suche Trades schon seit 10+ Jahren, die ein CRV von 5:1 bringen. Darunter muss schon viel passieren, damit ich das Setup annehme. Ich setze dann enge Stops, damit mir die Trades nicht aus der Hand gleiten. So „reicht“ mir dann eben auch eine Trefferquote von rund 17 Prozent, um profitabel zu sein.

Unserer Erfahrung nach sollten Sie das CRV allerdings wie unser Trading-Ausbilder Andre immer im Verhältnis mit der Trefferquote sehen. Ein CRV von 2:1 etwa braucht mindestens 33 Prozent Trefferquote, um break-even zu funktionieren.

Unser Video beschreibt hier auch, wie man mit einem hohen CRV profitabel trotz niedriger Trefferquote sein kann:

Welche Tools gibt es, um das CRV im Chart zu messen?

Das CRV müssen Sie nicht jedes Mal selbst ausrechnen. Wir arbeiten bei Trading.de viel mit TradingView, hier können Sie mit „Long-Position“ bzw. „Short-Position“ das CRV ausrechnen. Damit markieren Sie direkt im Chart Ihren geplanten Einstieg sowie Stop-Loss und Take-Profit. TradingView berechnet daraus automatisch das Chance-Risiko-Verhältnis und zeigt gleichzeitig, wie weit Ziel und Stop vom Einstieg entfernt sind.

CRV Tool TradingView
CRV-Tool bei TradingView

Im Beispiel im Chart liegt das Chance-Risiko-Verhältnis bei rund 2,63:1: Für das eingegangene Risiko von rund 0,41 USD wird ein Kursziel von etwa 1,08 USD angesetzt. So können Sie bereits vor dem Einstieg prüfen, ob ein Setup zu Ihren CRV-Vorgaben passt.

Was sind die Vorteile eines hohen Chance-Risiko-Verhältnisses?

Bei einem hohen CRV haben Sie einen zentralen Vorteil: Die Notwendigkeit einer hohen Trefferquote sinkt. Indem Sie sich auf Setups mit einem höheren potenziellen Gewinn im Vergleich zum möglichen Verlust konzentrieren, können Sie als Trader langfristig erfolgreich werden. Zu den weiteren Vorteilen eines hohen CRVs gehören:

  • Risikomanagement: Ein höheres CRV bedeutet, dass das Risiko eines Verlusts im Vergleich zum potenziellen Gewinn geringer ist. Das hilft bei der Minimierung möglicher finanzieller Verluste und unterstützt das Risikomanagement.
  • Steigerung der Rentabilität: Mit einem hohen CRV steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Gewinne die Verluste übersteigen, was langfristig zu einer höheren Trading-Rendite führt.
  • Disziplin in der Handelsstrategie: Mit klaren CRV-Regeln werden Sie disziplinierter im Trading. Sie können dann nur in die Trades investieren, die ein günstiges CRV aufweisen.

Durch die niedrigere notwendige Trefferquote können Sie selbst bei einer geringeren Anzahl erfolgreicher Trades insgesamt einen Gewinn erzielen.

Positive Performance mit wenig erfolgreichen Trades
Dieses Beispiel zeigt, wie ein höheres CRV es ermöglicht, mit einer geringeren Anzahl erfolgreicher Trades dennoch eine positive Performance zu erzielen. Klar: CRVs von 10:1 sind extrem selten, das Beispiel zeigt aber, warum hohe CRVs so wichtig sind.

Wie wir das CRV in der Trading.de-Ausbildung anwenden

Das CRV ist zwar nur eine von vielen Metriken, die Sie als Trader verwenden können – aber eine sehr wichtige. Aus unserer Sicht ist sie mit dem Sharpe-Verhältnis, der Trefferquote und der durchschnittlichen Rendite eine der zentralsten Werkzeuge und Zahlen. Daher sollten Trader immer eine umfassende Analyse durchführen und mehrere Metriken berücksichtigen, bevor sie eine Handelsentscheidung treffen.

Das und mehr lernen Sie in unserer Trading-Ausbildung bei trading.de! Hier bringen wir Ihnen bei, wie Sie das CRV berechnen und anwenden. Zudem werden Sie Teil der Community, die sich tagtäglich zu verschiedenen Trading-Setups und Strategien austauscht.

CRV ist zwar eine Schätzung, aber cheaten Sie nicht

Andre Witzel - Trader und Experte bei Trading.de
Andre Witzel
Trader & Experte

Klar: Das CRV ist nie in Stein gemeißelt, auch in unserer Ausbildung nagele ich Sie nicht darauf fest. Für mich ist aber wichtig, dass wir ehrlich bleiben. Wenn ein Trade mit einem festen Stop-Loss und Take-Profit geplant ist, sollte genau dieses CRV später auch bewertet werden. Wer seinen Stop ständig manuell verschiebt und hinterher behauptet, das CRV sei trotzdem super gewesen, lügt sich selbst in die Tasche.

Fazit: CRV nur mit Trefferquote

Das CRV ist für uns vor allem ein Planungswerkzeug vor dem Trade. Chance, Risiko und Trefferquote müssen aus unserer Sicht immer einen „positiven Erwartungswert“ ergeben. Konkret empfehlen wir Ihnen, bei der CRV-Ermittlung im Rahmen Ihres Setups in fünf Schritten vorzugehen:

  1. Stop-Loss festlegen: Bestimmen Sie zuerst, wo Ihr Setup nicht mehr gültig ist und wie viel Sie maximal riskieren.
  2. Take-Profit bestimmen: Legen Sie ein realistisches Kursziel auf Basis Ihres Setups fest.
  3. CRV berechnen: Teilen Sie die mögliche Gewinnspanne durch die mögliche Verlustspanne.
  4. Trefferquote abgleichen: Prüfen Sie, welche Trefferquote Sie mit diesem CRV mindestens für den Break-even benötigen.
  5. Erwartungswert prüfen: Handeln Sie das Setup langfristig nur, wenn Ihre tatsächliche Trefferquote einen positiven Erwartungswert erwarten lässt.

Genau dieser letzte Schritt ist entscheidend: Ein CRV von 5:1 allein ist nicht automatisch ein guter Trade, auch wenn das verlockend klingt. Erst wenn das Verhältnis zu Ihrer realistischen Trefferquote passt, hat die Strategie statistisch einen Vorteil. In unserer Trading.de-Ausbildung zeigen wir Ihnen deshalb nicht nur, wie Sie CRV, Stop-Loss und Take-Profit berechnen, sondern wie Sie diese Werte in konkrete Trading-Setups und ein konsequentes Risikomanagement integrieren.

FAQ: Meistgestellte Fragen rund um das CRV (Chance-Risiko-Verhältnis)

Welche Assets werden mit dem CRV bewertet?

Im Prinzip können alle Assets von Aktien über CFDs bis hin zu ETFs mit dem CRV bewertet werden. Die Genauigkeit und Relevanz des Chance-Risiko-Verhältnisses kann je nach Anlageklasse allerdings variieren. Bei komplexeren oder weniger liquiden Anlageklassen kann es weniger aussagekräftig sein.

Warum ist das CRV wichtig?

Es ist wichtig, da es Anlegern hilft, besser zu verstehen, welche Risiken sie eingehen, und ob die möglichen Erträge diese Risiken bei einem bestimmten Trade rechtfertigen. Es fördert dadurch das Risikomanagement.

Gibt es ein gutes CRV?

Es gibt keine allgemeine Antwort auf diese Frage. Mindestens 2:1 ist allerdings ein vernünftiger Startwert für die meisten Daytrading-Setups. Bei trading.de peilen wir sogar ein CRV von 5:1 an. Wichtiger als die Zahl ist allerdings, dass das CRV zur Trefferquote Ihrer Strategie passt.

Was ist der Unterschied zwischen CRV und R-Multiple?

Das CRV ist das Verhältnis von möglichem Gewinn zu Risiko vor dem Trade, das R-Multiple gibt das tatsächlich erzielte Ergebnis nach dem Trade an. 1R entspricht dabei dem ursprünglich eingegangenen Risiko. Riskieren Sie also 100 € bei einem 5:1-CRV und machen 300 € Profit, beträgt das tatsächliche Ergebnis +3R. Verlieren Sie die eingesetzten 100 €, liegt es bei −1R..

Andre Witzel
Andre Witzel hat über 10 Jahre Erfahrungen im Trading und ist der Gründer von Trading.de. Als Experte, Coach in der Trading.de Ausbildung und Trader teilt seine Strategien und Methoden mit seinen Lesern. Er weiß genau welche Fehler Anfänger machen und kann ihnen die besten Tipps zum erfolgreichen Handel geben.
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