Margin Trading ist der Handel mit einer Sicherheitsleistung (Margin), bei dem Trader größere Positionen bewegen als das eingesetzte Kapital. Der deutsche Begriff für Margin Trading lautet Hebelhandel. Ein Broker stellt beim Margin Trading Fremdkapital für die Position bereit. Der Trader hinterlegt nur einen Teil des Positionswerts als Sicherheit.

Verbreitete Strategien beim Margin Trading sind die Trendfolge, die Breakout-Strategie und das kurzfristige Scalp Trading. Die Kapitaleffizienz zählt zu den größten Vorteilen von Margin Trading. Die Verlustgefahr steigt bei gehebelten Positionen bereits bei kleinen Kursbewegungen gegen die eigene Position. Für Anfänger eignet sich Margin Trading kaum, weil die Hebelwirkung Gewinne und Verluste verstärkt.
Laut ESMA verlieren zwischen 74 und 89 % der Konten von Privatanlegern im gehebelten CFD-Handel mit dem Margin Trading Geld. Der folgende Abschnitt erklärt das Margin Trading und das Ziel des gehebelten Handels.
Was ist Margin Trading?
Margin Trading ist der Handel mit Finanzprodukten unter Einsatz einer Sicherheitsleistung, die einen größeren Positionswert als das eigene Kapital ermöglicht. Die Margin dient dem Broker als Sicherheit für die offene Position.
Das Ziel von Margin Trading ist es, mit wenig Eigenkapital eine größere Position zu kontrollieren. Trader nutzen Margin Trading, um Kapital effizient einzusetzen, ohne den vollständigen Positionswert als Eigenkapital bereitzustellen. Private Trader nutzen das Margin Trading bei CFDs, Forex und Futures. Institutionelle Investoren verwenden gehebelte Positionen unter anderem zur Absicherung großer Portfolios.
Margin Trading unterscheidet sich von einem klassischen Kredit. Die Margin dient als Sicherheit für eine offene Position und ist kein Darlehen mit fester Rückzahlung. Eine Studie von Paul J. Seguin beschäftigt sich damit, ob Margin Trading zur Volatilität an den Märkten beiträgt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Volatilität mit der Einführung des Margin Tradings abnimmt, obwohl das Handelsvolumen um 30 % steigt.
In unserem folgenden Video „Was ist Margin Trading?“ zeigen wir dir anhand einer Ordermaske, wie Margin, Hebel und Kontraktwert zusammenhängen und wie du mit weniger Kapital größere Positionen handeln kannst:
Wie funktioniert Margin Trading?
Margin Trading funktioniert auf Basis des Ablaufs, der die Auswahl des Finanzprodukts sowie des Hebels, die Eröffnung und Überwachung der Position sowie das Risikomanagement umfasst.
Die folgenden sieben Schritte zeigen den Ablauf des Margin Tradings.
- Handelskonto eröffnen: Du eröffnest beim Margin Trading im ersten Schritt ein Handelskonto bei einem Broker mit Margin-Angebot. Der Broker führt vor der Freischaltung deines Kontos eine Identitätsprüfung nach den Vorgaben zur Geldwäscheprävention durch. Der Margin-Broker erfragt deine bisherige Handelserfahrung, bevor er den Margin-Handel freischaltet.
- Eigenkapital einzahlen: Um am Margin Trading teilzunehmen, zahlst du im zweiten Schritt Eigenkapital auf dein Handelskonto ein. Das Eigenkapital bildet die Grundlage für die Margin-Anforderung und beeinflusst die mögliche Positionsgröße.
- Finanzprodukt und Hebel wählen: Du wählst im dritten Schritt ein Finanzprodukt und einen Hebel für die Position beim Margin Trading. Der Hebel beschreibt das Verhältnis zwischen eingesetzter Margin und Positionswert. Ein Hebel von 1:10 ermöglicht bei 1.000 Euro Margin eine Position mit einem Wert von 10.000 Euro.
- Position eröffnen: Du eröffnest im vierten Schritt die Position beim Margin Trading über die Handelsplattform. Der Broker reserviert die erforderliche Margin auf dem Handelskonto. Die Margin steht dann während der offenen Position nicht für neue Trades zur Verfügung.
- Position überwachen: Im fünften Schritt überwachst du beim Margin Handel die offene Position und die verfügbare Margin. Erreicht die Margin einen kritischen Wert, sendet der Broker einen Margin Call. Ein Margin Call ist eine Aufforderung, zusätzliches Kapital bereitzustellen oder die Position zu reduzieren.
- Risikomanagement anwenden: Du legst im sechsten Schritt vor der Eröffnung einer Position beim Margin Trading Regeln für den maximalen Verlust fest. Stop-Loss-Marken begrenzen den Verlust bei einem vorher festgelegten Kursniveau. Take-Profit-Marken schließen eine Position bei einem vorher festgelegten Gewinnziel.
- Position schließen und auswerten: Du schließt im siebten Schritt die Position manuell oder lässt sie durch eine Stop-Loss- oder Take-Profit-Order beenden. Der Broker verrechnet den Gewinn oder Verlust nach der Schließung einer Position mit dem Handelskonto. Ein Handelsjournal dokumentiert den Einstieg, den Ausstieg und die Begründung des Trades.
Passend dazu zeigen wir im Video „Wie funktioniert Trading mit Hebel & Margin?“, wie Hebel und Margin in der Praxis funktionieren und worauf du beim Risiko achten musst:
Welche Finanzprodukte kann man mit Margin traden?
Vor allem sechs Finanzprodukte ermöglichen den Handel mit Hebel, wie zum Beispiel CFDs und Futures.
Die folgende Liste ordnet wichtige Produkte nach ihrer typischen Nutzung im Margin Trading.
- CFDs: CFDs bilden die Kursentwicklung von Aktien, Indizes, Rohstoffen oder Kryptowährungen beim Margin Trading ab. Trader besitzen den zugrunde liegenden Basiswert bei einem CFD nicht. Europäische Retail-Broker bieten Privatanlegern je nach Basiswert begrenzte Hebel an.
- Forex: Forex bezeichnet den Handel mit Währungspaaren wie EUR/USD. Retail-Broker innerhalb der EU bieten Privatanlegern je nach Währungspaar einen Hebel von bis zu 1:30 für das Margin Trading an.
- Futures: Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die an Terminbörsen gehandelt werden. Futures nutzen Margin-Anforderungen zur Absicherung der offenen Position beim Margin Trading. Die Höhe der erforderlichen Margin hängt bei Futures unter anderem von der Volatilität des Basiswerts ab.
- Optionen: Optionen geben dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Margin-Anforderungen spielen vor allem bei Stillhalterpositionen eine wichtige Rolle.
- Turbo-Zertifikate: Turbo-Zertifikate enthalten einen Hebel und eine Knock-out-Schwelle. Erreicht der Basiswert die Knock-out-Schwelle, endet das Produkt beim Margin Trading nach den jeweiligen Bedingungen des Zertifikats.
- Gehebelte ETFs: Gehebelte ETFs vervielfachen die tägliche Wertentwicklung eines Index beim Margin Trading. Der Hebel entsteht durch Derivate im Fondsvermögen. Anleger handeln gehebelte ETFs über reguläre Börsenplätze und Wertpapierdepots.
Welche Vorteile und Risiken hat Margin Trading?
Margin Trading bietet den großen Vorteil der Kapitaleffizienz, weil Trader mit einem Teil des Positionswerts größere Positionen kontrollieren. Margin Trading ermöglicht als bedeutenden Vorteil bei geeigneten Finanzprodukten Long- und Short-Positionen. Das größte Risiko von Margin Trading ist der überproportionale Verlust bei einer ungünstigen Kursbewegung.
Ein Margin Call kann als großes Risiko zu einer Reduzierung oder Schließung einer Position führen, wenn die verfügbaren Sicherheiten nicht mehr ausreichen. Die konkreten Folgen eines Margin-Calls hängen vom Finanzprodukt, vom Broker und von den geltenden Vertragsbedingungen ab.
Eine BaFin-Studie zu Turbo-Zertifikaten ergab für den untersuchten Zeitraum von 2019 bis 2023, dass 74,2 % der deutschen Kleinanleger beim Handel mit Turbo-Zertifikaten Verluste erlitten. Der durchschnittliche Verlust lag laut Studie bei 6.358 Euro pro Person.
Die wichtigsten Vorteile und Nachteile beim Margin Trading werden in der folgenden Tabelle dargestellt.
Vorteile von Margin Trading
- Kapitaleffizienz durch geringen Kapitaleinsatz
- Handel in beide Marktrichtungen möglich
- Schnelle Anpassung der Positionsgröße
- Zugang zu vielen Anlageklassen
- Hohe Liquidität bei CFDs und Forex
- Nutzung kurzfristiger Strategien wie Scalp Trading
Nachteile von Margin Trading
- Verlustrisiko übersteigt oft den Kapitaleinsatz
- Margin Call bei sinkendem Kontostand
- Emotionaler Druck durch schnelle Kursbewegungen
- Nachschusspflicht bei bestimmten Produkten
- Kosten durch Übernachtfinanzierung
- Hohe Anforderungen an Disziplin und Wissen
Vorteile von Margin Trading
Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Vorteile von Margin Trading.
- Kapitaleffizienz: Trader hinterlegen nur einen Teil des Positionswerts als Margin.
- Flexibilität: Long-Positionen ermöglichen Gewinne bei steigenden Kursen. Short-Positionen machen Gewinne bei fallenden Kursen möglich, wenn der Markt sich entsprechend entwickelt.
- Diversifikation: Ein Margin-Konto kann je nach Broker den Zugang zu sechs bis acht unterschiedlichen gehebelten Finanzprodukten ermöglichen.
- Schnelle Umsetzung: Trader können Positionen über elektronische Handelsplattformen innerhalb kurzer Zeit eröffnen und schließen.
- Geringe Kapitalbindung: Ein Teil des Eigenkapitals bleibt außerhalb der als Margin gebundenen Position verfügbar, sofern die Kontobedingungen dies zulassen.
- Handel außerhalb klassischer Börsenzeiten: Einige Forex- und Krypto-CFDs sind an mehreren Wochentagen handelbar. Die konkreten Handelszeiten hängen vom Broker und vom Finanzprodukt ab.
- Übungsmöglichkeit über Demokonten: Broker stellen teilweise Demokonten mit virtuellem Kapital bereit. Trader können damit Handelsabläufe ohne den Einsatz eigenen Geldes testen.
Risiken von Margin Trading
Im Folgenden werden die wichtigsten Risiken des Margin Tradings aufgelistet.
- Verlustrisiko: Eine ungünstige Kursbewegung führt bei einem hohen Hebel zu einem überproportionalen Verlustrisiko.
- Margin Call: Sinkt die verfügbare Margin unter die Vorgaben des Brokers, darf der Broker durch den Margin Call zusätzliches Kapital verlangen oder Positionen schließen.
- Emotionaler Druck: Schnelle Kursschwankungen erhöhen die Entscheidungsbelastung bei offenen gehebelten Positionen.
- Übernachtfinanzierung: Über Nacht gehaltene gehebelte Positionen verursachen Kosten für die Übernachtfinanzierung.
- Komplexität: Der Handel mit Hebel hat eine hohe Komplexität und erfordert Kenntnisse über Margin, Hebelwirkung, Kosten sowie Risikomanagement.
- Regulatorische Einschränkungen: Die ESMA begrenzt den Hebel für Privatanleger bei CFDs durch regulatorische Einschränkungen abhängig von der Anlageklasse.
Wie kann man Margin Trading lernen?
Margin Trading lässt sich durch Coachings und Kurse lernen. Der Margin Handel eignet sich kaum für Einsteiger ohne Vorerfahrung im Trading. Die Kombination aus Hebelwirkung und Marktvolatilität erfordert für das Margin Trading Kenntnisse über Gewinne, Verluste, Margin und Risikomanagement. Ein strukturierter Lernweg reduziert beim Margin Handel das Risiko, reale Positionen ohne ausreichende Vorbereitung zu handeln.
Die folgende Liste zeigt, wie du das Margin Trading lernst.
1. Grundlagen der Hebelwirkung verstehen
Du lernst im ersten Schritt beim Margin Trading, die Grundlagen der Hebelwirkung zu verstehen. Ein Hebel von 1:20 bewirkt bei einer gleichen prozentualen Kursbewegung eine etwa 20-mal so große prozentuale Veränderung des eingesetzten Margins, sofern Gebühren und andere Effekte unberücksichtigt bleiben.
2. Demokonto nutzen
Im zweiten Schritt simulierst du zum Lernen des Margin Tradings den Handel mit virtuellem Kapital und nutzt dazu ein Demokonto. Ein Testkonto ermöglicht es, Ordertypen und Handelsabläufe ohne den Einsatz eigenen Geldes zu testen. Die Bedingungen eines Demokontos können von einem echten Handelskonto abweichen.
3. Trading-Strategien analysieren
Du analysierst im dritten Schritt beim Lernen des Marginhandels Trading-Strategien wie Trendfolge und Breakout-Handel. Die Trendfolge-Strategie orientiert sich an bestehenden Kursbewegungen. Die Breakout-Strategie setzt auf den Handel nach dem Ausbruch aus einer definierten Handelsspanne.
4. Risikomanagement-Regeln festlegen
Du legst im vierten Schritt vor jedem Trade durch Risikomanagement-Regeln einen maximal akzeptierten Verlust fest. Ein häufig genannter Orientierungswert für den Maximalverlust liegt bei 1 bis 2 % des Kontostands pro Trade. Stop-Loss-Marken können das Risiko einer Position begrenzen, schützen bei schnellen Kursbewegungen aber nicht zwingend vor Verlusten zum exakt festgelegten Kurs.
5. Handelsjournal führen
Du führst ein Handelsjournal und dokumentierst dadurch im fünften Schritt Einstieg, Ausstieg, Positionsgröße und Begründung jedes Trades. Die Auswertung des Handelsjournals über mehrere Wochen zeigt wiederkehrende Fehler und erfolgreiche Muster.
6. Strukturierte Ausbildung absolvieren
Du absolvierst im sechsten Schritt eine strukturierte Ausbildung zum Thema Margin Trading. Trading.de bietet eine Ausbildung mit theoretischen Inhalten und praktischen Übungen an. Trading.de überzeugt durch eine persönliche Betreuung und praxisnahe Übungen mit Begleitung der Mentoren.
Margin Trading Coaching bei Trading.de
Das Coaching bei Trading.de begleitet Teilnehmende beim Aufbau von Kenntnissen im Margin Trading. Die Coaches von Trading.de analysieren mit Teilnehmenden reale Trades und besprechen mögliche Verbesserungen bei Einstieg, Ausstieg und Positionsgröße. Das Coaching umfasst Übungen zu Risikomanagement sowie Strategieauswahl und macht es besonders praxisorientiert.
Welche Kosten entstehen beim Margin Trading?
Die Kosten beim Margin Trading bestehen je nach Finanzprodukt und Broker aus Spread, Kommissionen und Finanzierungskosten. Die konkreten Kosten des gehebelten Handels hängen vom Broker, Finanzprodukt, Handelsvolumen und der Haltedauer ab.
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei liquiden CFDs oder Forex-Paaren kann der Spread beim Margin Trading vergleichsweise niedrig sein. Die konkrete Höhe des Spreads muss der Broker für das jeweilige Finanzprodukt ausweisen.
Finanzierungskosten entstehen im Margin Trading bei gehebelten Positionen, wenn Trader diese über den Abrechnungstag hinaus halten. Der Broker berechnet die Finanzierungskosten nach den Bedingungen des jeweiligen Produkts. Bei Forex und CFDs können die Kosten als Swap oder vergleichbare Finanzierungskosten ausgewiesen werden.