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Ja, beim Trading kann man Schulden machen, wenn man Finanzprodukte mit Nachschusspflicht (Derivate) handelt und überhebelt in eine riskante Marktsituation kommt. Es ist dem Broker dabei nicht möglich, Ihre Orders automatisch zu schließen, und die Ausführung geschieht erst zum nächstmöglichen Preis.

Die beiden wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit Schulden beim Trading sind Margin Call und Handel mit Fremdkapital. Welche Risiken sich hinter diesen Begriffen verbergen, möchten wir in den folgenden Kapiteln aufzeigen und somit das Privatvermögen vieler Trader schützen.

Wichtigste Informationen zum Verschulden beim Trading

  • Trading birgt Risiko für Schulden, besonders bei Hebelprodukten
  • Nachschusspflicht (Margin Call) beschreibt den Ausgleich eines defizitären Handelskontos beim Broker
  • Margin Call kann bei Hebelprodukten, Optionen und Futures auftreten, wenn Verluste das Depot übersteigen
  • CFD-Handel kann zu Nachschusspflicht führen, in der EU durch ESMA-Regeln beschränkt
  • Handel mit Fremdkapital beschreibt den Handel mit geliehenem Geld und kann direkt zu Schulden führen, falls Verluste eintreten
  • Schulden können durch Risikomanagement vermieden werden

Sehen Sie zum Thema Trading und Schulden auch unser Youtube-Video:

Welche Möglichkeiten gibt es, Schulden im Trading zu machen?

Wie bereits angedeutet, müssen Sie beide Risiken – Nachschusspflicht und Handel mit Fremdkapital – beachten, wenn Sie sich nicht ständig den Gefahren einer erweiterten Haftung aussetzen wollen. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen verschiedene Finanzprodukte und die Möglichkeit, in Schulden zu kommen:

Finanzprodukt:Sind Schulden möglich?
FuturesJa (ausgenommen Broker ohne Nachschusspflicht, davon gibt es aber nur sehr wenige)
OptionenJa
ZertifikateNein
CFDsJa (nur bei Brokern mit Nachschusspflicht, davon gibt es aber nur noch wenige)
ForexJa (nur bei Brokern mit Nachschusspflicht, davon gibt es aber nur noch wenige)
AktienNein (nur wenn gehandelt als Derivat)
ETFsNein (nur wenn gehandelt als Derivat)
KryptowährungenNein (nur wenn gehandelt als Derivat, jedoch schützen Krypto Börsen die meisten Trader davor)
DerivateGenerell ist es möglich Schulden bei Derivaten zu machen (Nachschusspflicht). Einige Regulierungen verhindern dies aber, somit ist es abhängig vom gewählten Broker.

Beispiel: So entstehen Schulden im Trading

Um das extreme Szenario Schulden im Trading zu verdeutlichen, erklären wir Ihnen ein kurzes Beispiel.

Ein Trader handelt 10 Future Kontrakte und hat diese Order bei einem Marktpreis von 100€ getätigt. Futures werden mit Hebel getradet und es wird eine Margin von 10.000€ für 10 Kontrakte verlangt. Der Tickwert (Punktwert) liegt bei 25€. Eine Preisänderung um 1€ ergibt eine Wertänderung von 100€ pro Kontrakt (4 Ticks).

Der Trader hat nur 20.000€ auf seinem Konto, kann aber durch den Hebel über 10 Kontrakte auf Margin handeln. Die Position wird über das Wochenende gehalten. Am nächsten Montag eröffnet die Börse plötzlich durch unvorhergesehene Nachrichten bei einem Preis von nur 10€. Insgesamt ergibt sich nun ein Minus von 90.000€ (90*100*10). Die Position wird jetzt erst liquidiert und der Trader hat einen Kontostand von Minus 70.000€! Diese muss er nun an den Broker nachzahlen!

Nachschusspflicht bei verschiedenen Finanzprodukten

Die Nachschusspflicht holt Sie immer dann ein, wenn Ihre Positionen stärker in die Verlustzone laufen, als Ihr Geld im Depot diese abdecken könnte. Rutscht Ihr Depot ins Minus, verlangt der Broker einen Ausgleich der bei ihm eingegangenen Verbindlichkeiten. Dieser Ausgleich des Depots wird als Nachschusspflicht bezeichnet, wobei der Höhe nach kaum Grenzen gesetzt sind.

Die Nachschusspflicht kann immer dann zum Thema werden, wenn Sie sich Geld von Ihrem Broker leihen. Dies ist bei Hebelprodukten der Fall, bei denen Sie Ihr Kapital künstlich erhöhen und der Broker die Differenz überlässt. Erst bei Verlusten werden Sie mit der fehlenden Deckung Ihrer Schuld konfrontiert.

Futures und Optionen
Zwei weitere Finanzprodukte mit Nachschussrisiken sind Futures und Optionen. Wie diese Nachschusspflicht im Detail funktioniert, hängt jedoch vom jeweiligen Produkt und der konkreten Handelsstrategie ab.

CFDs und Schulden

CFDs sind Derivate, bei denen Sie mit Ihrem Broker auf steigende oder fallende Kurse wetten. Da die Positionen in fast allen Fällen gehebelt sind, bewegen Sie mehr Kapital, als Ihnen eigentlich auf Ihrem Handelskonto zur Verfügung stehen würde. Mit den höheren Gewinnchancen steigt natürlich auch das Risiko. Das im Depot befindliche Eigenkapital wird als Margin bezeichnet.

Entwickelt sich der Kurs des Basiswertes für Sie in die falsche Richtung, reicht im schlimmsten Fall das Eigenkapital, also die Margin, für Aufrechterhaltung der Position des CFDs nicht mehr aus. In diesem Fall wird der Broker das fehlende Eigenkapital einfordern, wodurch für Sie eine Nachschusspflicht entsteht. Insbesondere Ereignisse wie Kriege, Pandemien oder Entscheidungen der Währungsbehörden können die Kurse bewegen und schnell zu Verlusten führen.

Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte „Frankenschock“ im Januar 2015. Nachdem die Schweizerische Nationalbank völlig überraschend den Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro aufgehoben hatte, kam es innerhalb kürzester Zeit zu extremen Kursausschlägen. Zahlreiche Trader erlitten hohe Verluste, die ihre hinterlegte Margin überstiegen.

Einige CFD-Broker blieben auf offenen Forderungen sitzen oder gerieten selbst in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie ihren Kunden einen Schutz vor Nachschusspflichten zugesichert hatten oder die ausstehenden Beträge nicht vollständig eintreiben konnten. Der Vorfall gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele dafür, wie schnell gehebelte Produkte zu Schulden führen können.

Die ESMA hatte 2018 zeitweise Produktinterventionsmaßnahmen eingeführt, diese waren jedoch zunächst befristet. Eine dauerhafte Regelung wurde anschließend national umgesetzt, unter anderem in Deutschland durch die BaFin-Allgemeinverfügung vom 23.07.2019.

Seitdem gilt für CFD-Anbieter in Deutschland: Der Handel mit CFDs für Kleinanleger ist nur erlaubt, wenn ein sogenannter Negativsaldoschutz (Schutz vor Nachschusspflicht) vertraglich zugesichert wird. Zusätzlich gelten weitere Schutzmechanismen wie Hebelbegrenzungen und ein Margin-Glattstellungsschutz, der Positionen automatisch schließt, bevor das Guthaben ins Negative rutscht. Dadurch ist sichergestellt, dass Kleinanleger bei regulierten EU-Brokern grundsätzlich keine Schulden aus CFD-Positionen aufbauen können.

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Futures und Schulden

Futures sind ebenfalls Derivate, gehören aber zu den Termingeschäften. Geht ein Händler ein Termingeschäft ein, so verpflichtet er sich, den Basiswert zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Da auch Futures gehebelt werden können, kann auch bei dieser Anlageklasse das Eigenkapital am Erfüllungstag zu gering sein und eine Nachschusspflicht entstehen.

Ein bekanntes Praxisbeispiel ereignete sich im April 2020 am Ölmarkt. Der WTI-Öl-Future fiel aufgrund eines massiven Nachfrageeinbruchs und fehlender Lagerkapazitäten erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich und notierte zeitweise bei rund -37 US-Dollar pro Barrel. Einige Marktteilnehmer hatten nicht damit gerechnet, dass Futures überhaupt negative Preise annehmen können. Wer seine Positionen nicht rechtzeitig geschlossen und keine ausreichenden Sicherheiten hinterlegt hatte, musste erhebliche Verluste hinnehmen.

Die Darstellung, dass Futures für Kleinanleger generell verboten seien, ist nicht korrekt. Die BaFin hat im Rahmen einer Produktintervention zum 01.01.2023 vielmehr den Vertrieb, Verkauf und die Vermarktung von Futures mit Nachschusspflicht an Kleinanleger eingeschränkt. Ziel dieser Maßnahme ist der Schutz privater Anleger vor unbegrenzten Verlusten.

Futures ohne Nachschusspflicht sowie der Handel zu reinen Absicherungszwecken (Hedging) bleiben weiterhin möglich. Voraussetzung ist dabei, dass der Broker die Nachschusspflicht vertraglich ausgeschlossen hat oder die Struktur des Produkts dies nicht vorsieht. Entsprechend ist der Zugang zu Futures für Kleinanleger nicht vollständig gesperrt, sondern an bestimmte Schutzmechanismen geknüpft.

Optionen und Schulden

Bei den Optionen verhält es sich ähnlich wie bei den Futures. Hier tragen die Stillhalter, also die Verkäufer der Optionen, das Risiko einer Nachschusspflicht. Sie erhalten zwar eine Optionsprämie für die Übernahme der Verpflichtung, müssen jedoch eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen. Entwickelt sich der Markt gegen die Position, kann der Broker zusätzliche Mittel verlangen, um die erforderliche Margin aufrechtzuerhalten.

Ein Trader verkauft einen Short Put mit einem Ausübungspreis von 30 Euro. Der Aktienkurs liegt aktuell bei 33 Euro. Er hat einen Multiplikator von 1.000 gewählt, sodass er bei einem Delta von 0,5 eine Prämie von 500 Euro erhält. Die Position ist also immer im Gewinn, sobald der Kurs über 29,50 EUR liegt.

Fällt der Kurs weiter, steigt der rechnerische Verlust linear an. Bei einem Kursverfall auf 0 Euro entsteht ein maximaler Verlust von 29.500 Euro (30.000 Euro Verpflichtung abzüglich 500 Euro Prämie). Wenn die hinterlegte Margin nicht ausreicht, muss der Trader zusätzlich Kapital nachschießen und es entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber dem Broker.

Wichtig ist: Die tatsächlich erforderliche Margin wird vom Broker laufend angepasst und ist abhängig von Volatilität, Laufzeit und Overnight-Risiken. Dadurch kann sich der notwendige Kapitalbedarf jederzeit erhöhen.

Ein einfaches Beispiel

  • Ein Trader verkauft einen Short Put mit einem Ausübungspreis von 30 Euro
  • Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 33 Euro
  • Der Multiplikator beträgt 1.000 Kontrakte
  • Der Trader erhält dafür eine Optionsprämie von 500 Euro
  • Die Position befindet sich im Gewinn, solange der Kurs über 29,50 Euro bleibt
  • Fällt der Kurs deutlich, steigt die erforderliche Margin zusätzlich an
  • Im Extremfall kommt es zur Insolvenz des Unternehmens und der Kurs fällt auf 0 Euro
  • Der maximale rechnerische Verlust beträgt 29.500 Euro
  • Wenn der Trader diesen Verlust nicht durch vorhandene Mittel decken kann, entsteht eine Nachschusspflicht gegenüber dem Broker

Grundsätzlich zeigen Optionen unterschiedliche Risikoprofile je nach Strategie. Bei gedeckten Positionen (z. B. Covered Calls oder Cash-Secured Puts) ist das Risiko durch vorhandene Aktien oder hinterlegte Liquidität teilweise begrenzt. Bei ungedeckten Stillhalterpositionen („Naked“ Strategien) kann das Risiko dagegen deutlich höher ausfallen, da sich Verluste bei starken Kursbewegungen erheblich ausweiten können und zusätzliche Margin-Anforderungen entstehen.

Im Gegensatz zu Futures hat die BaFin den Handel mit Optionen nicht grundsätzlich verboten. Dennoch sollten Trader sich bewusst sein, dass insbesondere der Verkauf ungedeckter Optionen zu erheblichen Verlusten führen kann, die im Extremfall über die ursprünglich eingesetzte Margin hinausgehen und Nachschusspflichten auslösen können.

Aktien und Schulden

Mit dem normalen Aktienhandel können Sie keine Schulden machen, denn der Wert der Aktie kann nicht unter 0 sinken. Sie können allerdings einen Totalverlust erleiden, wenn beispielsweise der Wert der Aktie von mehreren hundert Euros auf wenige Cents sinkt. Handeln Sie aber Derivate (Futures, CFDs, Optionen) auf Aktien, sind Schulden durchaus möglich.

Schulden durch Kreditaufnahme fürs Trading

Eine zweite Möglichkeit, die zur Verschuldung führen kann, ist der Handel mit Fremdkapital, also geliehenem Geld. Dabei kann es sich um einen Kredit einer Bank, ein Darlehen von einem guten Freund oder einen Lohnvorschuss handeln. Entscheidend ist, dass das Geld vorher fremdbeschafft wurde und nun an der Börse im Risiko steht.

Verlieren Sie das vorab geliehene Geld, können Sie es nicht an die Schuldner zurückzahlen und haben somit Schulden. Natürlich kann das Geld aus anderen Quellen beschafft oder durch einen neuen Kredit ausgeglichen werden. Doch in diesem Fall verlagern sich die Schulden nur auf andere Geldgeber, wodurch der Börsenteilnehmer selbst verschuldet bleibt.

Achtung beim Handel mit Fremdkapital!
Das Traden mit Fremdkapital ist nie eine gute Idee, da die Risiken für das Privatleben viel zu hoch sind. Kein Börsenteilnehmer ist vor Verlusten gefeit und muss im schlimmsten Fall privat für Kredite haften. An der Börse sollte immer nur so viel Geld eingesetzt werden, wie vorhanden ist und im Falle eines Totalverlustes nicht benötigt wird. Zudem ist ein gesundes Risikomanagement wichtig.

Achtung: Suchtgefahr beim Traden mit Fremdkapital

Gerade das Trading mit Fremdkapital birgt nicht nur finanzielle, sondern auch psychologische Risiken wie Sucht. Die Aussicht auf schnelle Gewinne kann dazu verleiten, immer größere Risiken einzugehen oder Verluste durch noch riskantere Trades „zurückholen“ zu wollen. Dadurch besteht die Gefahr, in einen Kreislauf aus impulsiven Entscheidungen und problematischem Trading-Verhalten zu geraten. Wir von Trading.de raten daher davon ab, Kredite oder geliehenes Geld für das Trading einzusetzen. Wer traden möchte, sollte ausschließlich Kapital verwenden, dessen Verlust die eigene finanzielle Situation nicht gefährdet.

Schulden durch Hebel Trading: So schnell passiert es – weiteres Beispiel

Schulden sind an der Börse schnell gemacht. Vor allem beim CFD-Handel können sie entstehen, wenn Sie mit Hebeln arbeiten, die nicht zu Ihrem Eigenkapital passen. Sind Sie dann noch an einen unregulierten ausländischen Broker geraten, kommt jeder gut gemeinte Rat zu spät. Dazu ein Beispiel:

  • Ein Trader hat 1.000 EUR in sein Depot bei einem nicht regulierten Broker eingezahlt.
  • Er geht eine Long-Position auf den Basiswert einer Aktie ein und wählt einen zehnfachen Hebel.
  • Doch statt Kursgewinnen hat der Basiswert an der Börse innerhalb weniger Tage bereits 15 Prozent verloren.
  • Bei einem zehnfachen Hebel sind das 150 %, was zu einem neuen Depotstand von -500 Euro Eigenkapital führt.
  • Der Trader hat also Schulden beim Broker, die dieser über die Nachschusspflicht einfordert.

Viele Anleger suchen nach dem Thema „Trade Republic Hebel Schulden“, weil Unsicherheit darüber besteht, ob durch Hebelprodukte Schulden entstehen können. Aber Entwarnung: Bei Hebelprodukten über Trade Republic ist das Verlustrisiko grundsätzlich auf den eingesetzten Betrag begrenzt, sodass für Privatanleger in der Regel keine Nachschusspflicht und damit auch keine zusätzlichen Schulden entstehen.

Die ESMA- bzw. BaFin-Hebelgrenzen bei CFDs sind nach Anlageklasse gestaffelt, um das Risiko für Kleinanleger zu begrenzen. Für große Währungspaare (Major-Forex) liegt der maximale Hebel bei bis zu 1:30, während er bei kleineren Währungspaaren, Gold und großen Indizes auf 1:20 reduziert ist. Bei Rohstoffen gilt in der Regel ein Hebel von bis zu 1:10, bei Aktien CFDs bis zu 1:5 und bei Kryptowährungen sogar nur noch bis zu 1:2. Dadurch soll verhindert werden, dass bereits kleine Kursbewegungen zu überproportional hohen Verlusten führen.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, können Sie mit unserem Hebel-Rechner ganz einfach Hebel, Gewinn und Verlust berechnen.

Vorsicht vor Schulden bei ausländischen Brokern

Am häufigsten entstehen Schulden, wenn Sie sich beim CFD-Handel verspekulieren und zusätzlich bewusst oder unbewusst bei einem ausländischen Broker angemeldet sind, der nicht in der EU ansässig ist. Diese Unternehmen unterliegen nicht den strengen Regeln der ESMA und bieten daher keinen Schutz vor einer Nachschusspflicht für Privatkunden.

Ein in der EU regulierter Broker ruft den Margin Call als Sicherheitsmechanismus auf, wenn sich eine Position schlecht entwickelt, und unterliegt dem von der ESMA vorgeschriebenen Schutz vor negativen Kontosalden. Nicht-EU-Broker sind dazu nicht verpflichtet. Die Nachschussbeträge können dadurch erheblich ansteigen und im Extremfall zu hohen Schulden führen.

In unserer Coachingpraxis bei Trading.de sehen wir regelmäßig, dass viele problematische Fälle genau in diesem Bereich entstehen, insbesondere wenn die regulatorische Situation vor der Kontoeröffnung nicht ausreichend geprüft wurde.

Sie sollten daher vor der Kontoeröffnung genau prüfen, welcher Aufsichtsbehörde der Broker unterliegt. Seriöse Anbieter weisen ihre Lizenznummer transparent aus und werden beispielsweise von Behörden wie der BaFin, CySEC oder der FCA reguliert. Vorsicht ist hingegen bei Brokern mit Sitz in Offshore-Staaten wie den Seychellen oder St. Vincent and the Grenadines geboten, da dort häufig andere und weniger strenge Anlegerschutzvorschriften gelten. Bei der Auswahl des Brokers sollten Sie daher unbedingt auf die Regulierung achten bzw. sich andernfalls der zusätzlichen Risiken bewusst sein.

Was passiert, wenn man Schulden beim Broker hat?

Broker sind Wirtschaftsunternehmen und werden daher offene Forderungen in der Regel zeitnah geltend machen. In der Praxis erfolgt zunächst eine Zahlungsaufforderung per E-Mail oder über das Kundenportal. Darin werden die Höhe der offenen Forderung sowie eine Frist zur Begleichung genannt. Diese Fristen liegen häufig zwischen 7 und 14 Tagen. Erfolgt keine Zahlung, folgen meist weitere Mahnungen, bevor der Broker gerichtliche Schritte einleitet.

Bei Brokern mit Sitz in Deutschland oder der EU kann anschließend ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet und im nächsten Schritt Klage erhoben werden. Offene Forderungen unterliegen grundsätzlich der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB), wobei die Frist jeweils zum Jahresende beginnt.

Bei Brokern außerhalb der EU gestaltet sich die Durchsetzung häufig komplizierter, da ein deutscher Mahnbescheid dort nicht ohne Weiteres greift. Dennoch sollten Sie offene Forderungen keinesfalls ignorieren, da auch internationale Broker rechtliche Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Ansprüche nutzen können.

Eine häufige Frage lautet in diesem Zusammenhang: „Kann man bei Trade Republic ins Minus gehen?“ Bei klassischen Aktien- und ETF-Investments sowie den meisten Hebelprodukten für Privatanleger über Trade Republic ist das Verlustrisiko grundsätzlich auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Eine Nachschusspflicht und damit zusätzliche Schulden gegenüber dem Broker bestehen für Privatanleger in der Regel nicht.

Was tun, wenn man bereits Schulden hat?

Wer bereits Schulden durch das Trading aufgebaut hat, sollte die Situation nicht ignorieren, sondern möglichst früh handeln. Prüfen Sie zunächst, ob die Forderung des Brokers berechtigt ist und legen Sie gegebenenfalls fristgerecht Widerspruch gegen einen gerichtlichen Mahnbescheid ein. Bestehen die Schulden tatsächlich, kann eine Schuldnerberatung dabei helfen, die finanzielle Situation zu ordnen und gemeinsam Lösungen wie Ratenzahlungen oder Vergleiche zu erarbeiten.

Handelt es sich um einen ausländischen Broker, ist die rechtliche Durchsetzung der Forderungen teilweise komplexer. Dennoch sollten offene Forderungen keinesfalls einfach ausgesessen werden, da auch internationale Anbieter ihre Ansprüche geltend machen können. Je früher Betroffene professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen, desto größer sind die Chancen, die Folgen der Trading-Schulden zu begrenzen und die eigene finanzielle Stabilität wiederherzustellen.

Wie kann man sich vor Schulden durch Hebelgeschäfte schützen?

Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, nur mit einem durchdachten Risikomanagement an die Börse zu gehen. Das schützt nicht nur vor Verschuldung, sondern wirkt sich langfristig auch positiv auf das Depot aus. Es ist ratsam, nie mehr als 2 % des Gesamtdepots in einem einzigen Trade zu riskieren. Die Positionsgröße sollte also so klein gewählt werden, dass sie bei einem Totalverlust nur eine Lücke von 2 % hinterlässt.

Auch wir empfehlen im Coaching diese Größenordnung, da einzelne Fehlentscheidungen oder unerwartete Marktbewegungen zum Trading-Alltag gehören und niemals das gesamte Depot gefährden sollten.

Stop Loss

Ein weiterer Tipp ist das Setzen eines Stop-Loss in jeder Position des Depots. Jeder Trade sollte unmittelbar nach seinem Abschluss mit einem maximalen Verlustwert limitiert werden, bei dem er automatisch geschlossen wird. Dadurch werden Verluste realisiert, was schmerzhaft ist, aber das Depot vor deutlich höheren Risiken schützt. Die maximale Positionsgröße in Kombination mit einem Stop-Loss sind bereits gute Maßnahmen.

Tipp: Richtigen Broker wählen
Ein weiterer Schutz besteht darin, das Konto nur bei einem Broker zu eröffnen, der ohne Nachschusspflicht arbeitet. Unternehmen mit Sitz in der EU sind dies nach den Vorgaben der ESMA alle. Sollte es Gründe geben, die dagegen sprechen, muss sich der Trader darüber im Klaren sein, dass er nicht vor Schulden geschützt ist, denn auch ein Stop-Loss schützt nicht vor einem Depot im Minus.

Abschließend ein Blick auf das zweite Risiko beim Trading: der Verlust durch Verschuldung über Fremdkapital. Hier ist der Rat ganz einfach. Niemals darf das eigene Börsengeschäft fremdfinanziert werden, wenn das aufgenommene Kapital nicht problemlos anderweitig gedeckt ist. An der Börse wird nur Kapital eingesetzt, auf das der Trader im schlimmsten Fall ganz verzichten kann.

Ist mein EU-Broker reguliert und kann ich keine Schulden machen?

Ob Ihr Broker in der EU reguliert ist, lässt sich in wenigen Minuten überprüfen. Achten Sie zunächst darauf, ob auf der Website des Anbieters eine Lizenznummer sowie die zuständige Aufsichtsbehörde angegeben sind. Seriöse Broker werden beispielsweise von der BaFin (Deutschland), CySEC (Zypern), der FCA (Großbritannien) oder anderen europäischen Aufsichtsbehörden reguliert. Die Angaben können Sie anschließend direkt in den öffentlichen Registern der jeweiligen Behörde überprüfen.

Bei der Wahl eines Trading Brokers sollten Sie jedoch nicht nur auf die Regulierung achten. Besonders wichtig sind ein vertraglich garantierter Negativsaldoschutz, ein Margin-Glattstellungsschutz sowie transparente Informationen zu Hebeln, Gebühren und Risiken. Vorsicht ist bei Anbietern mit Sitz in Offshore-Staaten geboten, die keine EU-Lizenz besitzen oder ihre Regulierung nur unzureichend offenlegen. Gerade bei gehebelten Produkten können diese Unterschiede darüber entscheiden, ob Verluste auf den Kapitaleinsatz begrenzt bleiben oder im Extremfall zu Schulden führen.

Zu den bekanntesten EU-regulierten Brokern mit Negativsaldoschutz für Kleinanleger zählen unter anderem:

  • XTB (BaFin-/KNF-reguliert)
  • IG (BaFin-/FCA-reguliert)
  • Plus500 (CySEC-reguliert)
  • CMC Markets (BaFin-/FCA-reguliert)
  • eToro (CySEC-reguliert)
  • CapTrader bzw. Interactive Brokers Europe (für europäische Kunden mit entsprechender EU-Regulierung)

Trotz dieser Schutzmechanismen gilt: Auch bei regulierten Brokern können hohe Verluste entstehen. Die Regulierung schützt in erster Linie vor einer Nachschusspflicht bei CFDs für Kleinanleger – sie ersetzt jedoch kein konsequentes Risikomanagement.

Fazit: Schulden im Trading sind vermeidbar

Wie wir gesehen haben, ist es durchaus realistisch, sich an der Börse zu verschulden. Insbesondere die Finanzprodukte CFDs, Futures und Optionen bergen Risiken, die zu einer Verschuldung beim Broker und damit zu einer Nachschusspflicht führen können. Darüber hinaus gehen Sie ein Verschuldungsrisiko ein, wenn Sie an der Börse Fremdkapital einsetzen. Dies sollte nur in absoluten Ausnahmefällen eine praktikable Lösung sein.

Glücklicherweise gibt es einige Schutzmechanismen, die eine Verschuldung verhindern und den Börsenhandel sicherer machen. Wer das Risiko einer Nachschusspflicht beim CFD-Handel nicht eingehen möchte, sollte einen von der ESMA-regulierten Broker wählen. Ansonsten sind in Trades eingebaute Stop-Losses eine sehr gute Methode. Bei Optionsgeschäften sind Nachschusspflichten weiterhin gegeben, weshalb Sie hier selbst sehr vorsichtig sein sollten.

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Meist gestellte Fragen zum Thema:

Kann man beim Trading ins Minus gehen?

Ja, das ist bei Finanzprodukten wie CFDs, Futures oder Optionen möglich. Obwohl freiwillige und gesetzliche Mechanismen die Trader schützen, lässt sich ein Minus im Depot in manchen Fällen nicht vermeiden.

Werde ich verklagt, wenn ich Schulden beim Broker habe?

Eine Klage ist möglich. Zunächst wird der Broker die Höhe der Nachschusspflicht mitteilen und bei Nichtzahlung erinnern. Danach ist eine Klage mit gerichtlichem Mahnbescheid möglich.

Wie kann ich mich vor Schulden schützen?

Um sich vor Schulden zu schützen, sollten folgende Ratschläge befolgt werden: Niemals Fremdkapital einsetzen, Risikomanagement betreiben, maximal 2 % Depotwert pro Position, immer einen Stop-Loss setzen und einen Broker wählen, der nach ESMA-Standard reguliert ist.

Kann man mit Aktien Schulden machen?

Mit klassischen Aktien kannst du in der Regel keine Schulden machen. Du kannst maximal dein eingesetztes Kapital verlieren, aber nicht ins Minus rutschen. Schulden entstehen nur, wenn du mit Hebelprodukten oder geliehenem Geld handelst (z. B. CFDs oder Wertpapierkredit). Dann kann dein Verlust größer sein als dein Einsatz, und du musst im Extremfall zusätzlich Geld nachschießen.

Andre Witzel
Andre Witzel hat über 10 Jahre Erfahrungen im Trading und ist der Gründer von Trading.de. Als Experte, Coach in der Trading.de Ausbildung und Trader teilt seine Strategien und Methoden mit seinen Lesern. Er weiß genau welche Fehler Anfänger machen und kann ihnen die besten Tipps zum erfolgreichen Handel geben.
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  1. Wäre es möglich eine Liste an ESMA regulierten Brokern bereitzustellen? Ich finde nur Links zu Listen mit Broken die außerhalb der EU sitzen.

    Antworten
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