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Banken traden grundsätzlich anders als die meisten Privatanleger. Während institutionelle Investoren ihre Entscheidungen überwiegend auf Grundlage fundamentaler Analysen, makroökonomischer Daten und eigener Bewertungsmodelle treffen, dient die Chartanalyse meist nur als ergänzendes Werkzeug. Zum Einsatz bei Banken kommen professionelle Systeme wie Bloomberg-Terminals sowie algorithmische Ausführungsmodelle für große Ordervolumina. Die meisten Positionen werden über Tage, Wochen oder Monate gehalten, während kurzfristige Handelsstrategien überwiegend spezialisierten HFT- und Market-Making-Abteilungen vorbehalten sind.

Wichtigste Informationen zum Banken-Trading

  • Banken halten Positionen typischerweise Tage bis Wochen
  • Sie sind für rund 80 % des Handelsvolumens verantwortlich, machen Branchenschätzungen zufolge aber nur etwa 5 % der Marktteilnehmer aus
  • Konzentrieren sich auf große Time Frames wie Tages-, Wochen- und Monatscharts
  • Banken nutzen Algorithmen für die Orderausführung
  • Trading-Setups der Banken basieren hauptsächlich auf fundamentaler Analyse, nicht auf Chartmustern

4 Wege, wie Banken traden:

  • Nutzung großer Time Frames
  • Orderausführung durch Algorithmen
  • Keine Chartmuster
  • Banken Strategien: Fundamentale Analyse / Standard Deviation / Portfolio Management für Kunden

Die großen Geldhäuser halten ihr Handelsgewohnheiten in der Regel geheim. Zudem ist im Prinzip jeder Händler an den Märkten der Konkurrent des anderen, was insbesondere für die großen Akteure gilt. Es existieren mehrere Unterschiede zwischen den Handelsgewohnheiten der privaten Trader und der Banken. Wie die Banken können private Trader schon deshalb nicht handeln, weil es ihnen dafür an Kapital fehlt. Institutionelle Trader bewegen je nach Markt und Asset-Klasse oft Volumina im Millionen- bis teilweise dreistelligen Millionenbereich pro Order.

Ein Unterschied besteht zum Beispiel darin, dass private Teilnehmer am Markt faktisch gezwungen sind, einem aktuellen Trend zu folgen, um dadurch Gewinne zu generieren. Bei Banken ist das nicht so, da sie auf Basis großer Kapitalvolumina, Portfolio- und Risikoentscheidungen handeln und nicht primär kurzfristigen Trends hinterherlaufen.

Durch ihre sehr großen Handelsvolumina im Millionen- bis Milliardenbereich können institutionelle Akteure kurzfristige Preisbewegungen jedoch mit beeinflussen. Als Market Maker stellen sie zudem kontinuierlich Kauf- und Verkaufspreise (Quotes), ohne jedoch den Markttrend aktiv „zu steuern“.

Wir möchten Ihnen jetzt vier verschiedene Wege aufzeigen, wie die Banken traden.

Möchten Sie mehr zum Thema erfahren? In unserem YouTube-Video erklären wir Ihnen alles rund ums Banken-Trading in Videoform:

1. Große Time Frames

Nicht wenige private Trader haben die Vorstellung, dass auch Banken bereits kleinste Kursveränderungen ausnutzen und in sehr kurzen Zeiteinheiten, den sogenannten Time Frames, handeln. Wir haben dazu allerdings innerhalb eines Gespräch mit einem Portfolio Manager und damit größerem Akteur am Markt eine komplett andere Auskunft erhalten. 

Die diskretionären Eigenhandelsdesks und Portfolio-Manager der Banken halten Positionen typischerweise über Tage bis Monate. Der Grund dafür ist, dass sie häufig deutlich größere Positionen bewegen und ihre Entscheidungen stärker auf fundamentalen Analysen, makroökonomischen Entwicklungen oder langfristigen Markttrends basieren. Insbesondere im Aktien-, Anleihen- und Währungsbereich stehen daher meist größere Marktbewegungen im Fokus und nicht kurzfristige Schwankungen von wenigen Punkten.

Gleichzeitig verfügen einige Großbanken über separate algorithmische Market-Making- oder Hochfrequenzhandels-Desks, die im Milli- oder sogar Mikrosekundenbereich operieren. Dabei handelt es sich jedoch um eigenständige Geschäftsbereiche mit anderen Strategien, Technologien und Zielen. Während klassische Portfolio-Manager Positionen über längere Zeiträume halten, sorgen diese Systeme vor allem für Liquidität und die effiziente Ausführung von Handelsaufträgen.

Das bedeutet zunächst einmal, dass Banken im klassischen Eigenhandel oder Asset Management nur äußerst selten, wenn überhaupt, in den folgenden zwei Handelsbereichen aktiv sind: 

  • Scalping
  • Daytrading 

EsBanken halten Eigenhandelspositionen typischerweise über Tage bis Wochen. Sie sind also eher langfristig orientiert und orientieren sich hauptsächlich an den folgenden Zeiteinheiten: 

  • Tageschart
  • Wochenchart
  • Monatschart

Zusammenfassend können wir also festhalten, dass die institutionellen Marktakteure, insbesondere die Banken, in erster Linie große Time Frames wie Tages-, Wochen- und Monatscharts handeln – kein Daytrading.

2. Orderausführung durch Algorithmen

Ein zweiter Weg, wie die meisten Banken und andere, institutionelle Händler traden, ist die Orderausführung durch Algorithmen. Es ist in der Regel nicht so, dass ein Händler jeden einzelnen Trade manuell ausführen lässt. Stattdessen übernehmen diese Arbeit automatische Systeme, die auf Grundlage von Algorithmen arbeiten.

Solche Algorithmen entscheiden beispielsweise darüber, wann eine Order ausgeführt wird, wie groß die einzelnen Teilaufträge sind und über welchen Zeitraum die Ausführung erfolgt. Ziel ist es häufig, große Handelsvolumina möglichst effizient und mit geringer Marktbeeinflussung umzusetzen.

Zum Einsatz kommen dabei unter anderem sogenannte VWAP- oder TWAP-Algorithmen, die große Aufträge über einen längeren Zeitraum verteilen und sich am durchschnittlichen Handelsvolumen orientieren. Dadurch vermeiden institutionelle Marktteilnehmer unnötige Kursschwankungen durch ihre eigenen Orders.

Eisberg-Orders als Werkzeug institutioneller Händler

Unseren Erfahrungen nach, die sich auch aus Gesprächen mit institutionellen Marktteilnehmern ergeben haben, nutzen zahlreiche Banken sogenannte Eisberg-Orders. Damit ist gemeint, dass das geplante Handelsvolumen nicht auf einen Schlag durch eine Order platziert wird, sondern nur kleine Teile der Gesamtorder sichtbar sind. 

Soll beispielsweise ein Volumen von acht Millionen Euro investiert werden, würde eine Bank diese Position in viele kleinere Einzelorders aufteilen. Sobald ein Teil ausgeführt wurde, erscheint automatisch der nächste Teilauftrag im Orderbuch. Für andere Marktteilnehmer bleibt das tatsächliche Gesamtvolumen dadurch verborgen.

Der Hintergrund ist einfach: Würde die Bank die gesamte Order auf einmal platzieren, könnte dies den Marktpreis deutlich beeinflussen und die Ausführung verteuern.

So erkennen Sie mögliche Eisberg-Orders
Ein möglicher Hinweis auf Eisberg-Orders ist, wenn auf einem bestimmten Kursniveau immer wieder größere Umsätze stattfinden, die sichtbare Ordergröße im Orderbuch jedoch kaum kleiner wird. Viele professionelle Order-Flow-Trader nutzen solche Hinweise, um die Aktivitäten institutioneller Marktteilnehmer besser einschätzen zu können.

Wenn also beispielsweise ein Betrag von insgesamt acht Millionen Euro investiert werden soll, dann würde das Gesamtvolumen auf mehrere, „kleinere“ Orders verteilt. Dahinter steckt auch die Philosophie der Banken, dass diese selbst die Märkte bewegen möchten.

Beispiel für eine Orderausführung

Um zu verstehen, wie der Algorithmus im Rahmen der Orderausführung der Banken arbeitet, möchten wir Ihnen dazu ein kurzes Beispiel geben. Nehmen wir an, dass sich die Bank dazu entschieden hat, eine Long-Position aufzubauen, also durch Käufe des Basiswertes in den Markt einzusteigen. Die Orderausführung im Rahmen der angesprochenen Eisberg Orders könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • 1. Kauforder zum Kurs von 10,10 Euro
  • 2. Kauforder zum Kurs von 10,30 Euro
  • 3. Kauforder zum Kurs von 10,45 Euro
  • → Rückgang des Kurses auf 10,35 Euro
  • 4. Kauforder zum Kurs von 10,40 Euro

Der Algorithmus sorgt also dafür, dass durch den Kauf der Kurs immer weiter nach oben getrieben wird. Zudem handeln die Banken auch weiter automatisch nach einem leichten Kursrückgang, wie im Beispiel zu sehen. Jeder Folgekauf erfolgt zu einem höheren Kurs, weil das Volumen den Preis treibt.

Im nächsten Schritt findet dann beispielsweise der zweite Kauf bereits zu einem höheren Kurs statt. Das wiederum treibt den Kurs weiter nach oben. 

Wenn die Banken auf Grundlage automatisierter Systeme und Algorithmen handeln, dann nutzen sie den gleichen Algorithmus sowohl für den Einstieg als auch den Ausstieg am Markt. Als Trader können Sie aus dieser Vorgehensweise die durchaus wichtige Erkenntnis gelangen, dass nahezu immer Banken mit im Spiel sind, sollte sich der Markt deutlicher in eine Richtung bewegen. 

3. Banken nutzen keine Chartmuster

Wenn private Trader darüber nachdenken, wie Traden bei Banken aussieht, dann wird meistens davon ausgegangen, dass auch die großen Marktakteure sich der Chartmuster bedienen. Tatsächlich hat sich allerdings auch nach unseren Erfahrungen herausgestellt, dass Banken für gewöhnlich auf der einen Seite nicht nach den Charts bzw. den Chartmustern handeln.

Stattdessen greifen institutionelle Händler häufig auf fundamentale Analysen, volkswirtschaftliche Daten, Bewertungsmodelle und professionelle Informationssysteme wie Bloomberg-Terminals zurück. Hinzu kommen proprietäre Pricing-Modelle, Cross-Asset-Korrelationen sowie Informationen aus dem laufenden Kundenhandel. Insbesondere im Anleihe-, Devisen- und Derivategeschäft spielen zudem RFQ-Plattformen (Request for Quote) und die Analyse von Orderströmen eine wichtige Rolle. Banken betrachten daher häufig ein deutlich breiteres Informationsspektrum als reine Chartsignale.

Auf der anderen Seite traden sie allerdings auch nicht bewusst gegen die Chartmuster. Wenn es zum Beispiel sehr bekannte und signifikante Chart Pattern gibt, die sich eindeutig im Chart darstellen, dann handeln Banken nicht gegen diese Muster und auch nicht danach. Das trifft zum Beispiel auf die sehr bekannten Muster Schulter-Kopf-Schulter und Doppel-Bottom zu.

Der Grund dafür ist, dass solche Chartformationen von vielen Marktteilnehmern beobachtet werden und dadurch durchaus Einfluss auf das Marktverhalten haben können. Banken berücksichtigen diese Effekte indirekt, treffen ihre Handelsentscheidungen jedoch meist auf Basis anderer Faktoren.

In der Trading.de Ausbildung legen wir daher besonderen Wert darauf, Privatanlegern neben der Chartanalyse auch ein Verständnis für Marktstruktur, Liquidität und das Verhalten institutioneller Marktteilnehmer zu vermitteln. Dieses Hintergrundwissen hilft häufig dabei, Marktbewegungen besser einzuordnen und Fehlinterpretationen zu vermeiden.

4. Banken Strategien: Fundamentale Analyse / Standard Deviation / Portfolio Management für Kunden

Wenn es um die Handelsstrategie geht, die Banken in der Praxis nutzen, muss stets zwischen dem Eigenhandel und dem Kundenhandel differenziert werden. Beim Eigenhandel gehen die großen Marktakteure insbesondere nach den bereits beschriebenen Methoden vor. Sie handeln also selten oder gar nicht auf Grundlage von Chartmustern. Bank-Desks halten Positionen über Tage bis Wochen.

Beim Kundenhandel kann das durchaus etwas anders aussehen, weil es in dem Fall darum geht, die individuell optimale Strategie für Kunden zu nutzen. Dabei kann es sich sowohl um allgemeine als auch speziellere Strategien handeln. So steht für manche Kunden zum Beispiel im Vordergrund, dass sie mit dem Trading und dem Investment auch Steuern sparen möchten. Dann ist es auch bei den Banken Teil einer Kundenstrategie, durch das Traden bestimmter Assets diesem Ziel nachzukommen.

Zusammenfassung der Erfahrungen unseres Trading.de Experten:

Andre Witzel - Trader und Experte bei Trading.de
Andre Witzel
Trader & Experte

In über 10 Jahren als Trading-Coach sehe ich immer wieder, dass Anfänger versuchen, Banken-Strategien zu kopieren, ohne deren strukturellen Vorteil (Marktzugang, kein Spread, Flow-Information) zu kennen.

Mein Tipp: Konzentrieren Sie sich zuerst darauf, Marktstruktur und Liquidität zu verstehen, bevor Sie versuchen, institutionelle Ansätze nachzubilden.

Fundamentale Analyse als Basis von Banken-Trades 

Grundsätzlich lässt sich zu den Strategien der Banken festhalten, dass diese nahezu ausschließlich auf Basis der fundamentalen Analyse funktionieren. Diese wird von den Portfolio-Managern durchgeführt, indem Daten und Zahlen betrachtet werden, auf denen sich die Fundamentalanalyse stützt. So interpretieren Banken im Rahmen der Fundamentalanalyse zum Beispiel die folgenden Werte: 

  • Allgemeine Entwicklungen an der Börse
  • Politische Ereignisse
  • Wirtschaftsdaten
  • Unternehmensnachrichten
  • Kennzahlen

Die Strategie der Banken wird also beim Handel maßgeblich durch die fundamentale Analyse untermauert. Chartanalyse spielt eine untergeordnete Rolle.

Besonders im Devisenhandel achten institutionelle Händler auf wichtige Wirtschaftstermine mit hohem Marktpotenzial. Dazu zählen beispielsweise die US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls, meist am ersten Freitag des Monats um 14:30 Uhr deutscher Zeit), Zinsentscheidungen der US-Notenbank (FOMC), der Einkaufsmanagerindex ISM oder die Pressekonferenzen der Europäischen Zentralbank (EZB). Solche Ereignisse können innerhalb weniger Minuten Bewegungen von 50 bis 100 Pips oder mehr im EUR/USD auslösen.

Nach unseren Erfahrungen richten viele professionelle Marktteilnehmer ihre Handelsentscheidungen stärker an solchen fundamentalen Ereignissen aus als an klassischen Chartformationen. Für Banken ist daher häufig die Frage nach der zukünftigen Geldpolitik, dem Wirtschaftswachstum oder der Inflation wichtiger als einzelne Unterstützungs- und Widerstandszonen im Chart.

Standard Deviation als chart-basierter Ausnahme-Trigger

Sollten die großen Marktakteure doch einmal nach dem Chart traden, dann allerdings ausschließlich nach der sogenannten Standard Deviation. Damit ist die Abweichung des Kurses im Chart gemeint, die von einer Art Mittelwert stattfindet. Das möchten wir kurz erläutern, weil sicherlich nicht alle Trader wissen, worum es sich im Detail bei der Standard Deviation handelt. 

Dazu nehmen wir an, dass sich der Kurs eines Basiswertes in einem Trend bewegt und dabei um einen bestimmten Durchschnittswert (Mittelwert) schwankt. Die Standard Deviation beschreibt dabei nicht den Mittelwert selbst, sondern die durchschnittliche Streuung bzw. Abweichung des Kurses um diesen Wert.

Kommt es zu einer starken Abweichung vom Mittelwert – beispielsweise im Bereich von zwei Standardabweichungen oder mehr – kann dies im institutionellen Handel als überdehnte Marktbewegung interpretiert werden. In solchen Fällen nutzen Marktteilnehmer häufig sogenannte Mean-Reversion-Ansätze, bei denen antizyklisch gekauft oder verkauft wird.

Wenn also Banken tatsächlich auch einmal nach dem Chart handeln, dann geschieht das nach unseren Erfahrungen meist nicht im klassischen Sinne von Chartmustern, sondern in Form solcher statistisch basierten Modelle rund um Standardabweichungen und Preisextreme.

Portfolio Management für Kunden bei Banken

Neben dem Eigenhandel spielt bei Banken vor allem das Portfolio Management für institutionelle und private Kunden eine wichtige Rolle. In diesem Bereich steht nicht die kurzfristige Gewinnerzielung durch einzelne Trades im Vordergrund, sondern der langfristige Vermögensaufbau sowie die Steuerung von Risiken.

Portfolio-Manager entwickeln dabei individuelle Strategien, die sich an Anlagezielen, Risikobereitschaft und Anlagehorizont der Kunden orientieren. Zum Einsatz kommen häufig breit diversifizierte Portfolios aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen und weiteren Anlageklassen. Entscheidungen basieren überwiegend auf fundamentalen Analysen, makroökonomischen Entwicklungen und strategischen Asset-Allokationen.

Im Gegensatz zu vielen Privatanlegern liegt der Fokus daher weniger auf einzelnen Einstiegs- und Ausstiegspunkten, sondern vielmehr auf einer langfristig stabilen Rendite bei kontrolliertem Risiko.

Wir von Trading.de sehen in unserer Ausbildung immer wieder, dass viele Einsteiger dem perfekten Einstiegspunkt zu viel Bedeutung beimessen. In der Praxis entscheidet jedoch häufig die richtige Portfolio-Struktur und das Risikomanagement über den langfristigen Anlageerfolg – und nicht der einzelne Trade.

Warum Banken einen strukturellen Edge haben

Banken und andere institutionelle Marktteilnehmer verfügen über mehrere strukturelle Vorteile gegenüber Privatanlegern. Dazu zählen der direkte Zugang zu den Börsen und Liquiditätsanbietern, professionelle Informationssysteme sowie Einblicke in laufende Kundenaufträge und Orderströme. Zudem handeln viele Bank-Desks zu deutlich geringeren Transaktionskosten und teilweise ohne die für Privatanleger üblichen Spreads. Hinzu kommen umfangreiche Research-Abteilungen, proprietäre Bewertungsmodelle und leistungsfähige Handelssysteme.

Wir von Trading.de empfehlen daher nicht, Banken-Strategien blind zu kopieren, sondern die institutionellen Marktmechanismen zu verstehen und für den eigenen Handel sinnvoll zu nutzen.

Kann man Banken Trades im Chart erkennen?

Wie eingangs erwähnt, handeln die Banken ihre (hohen) Volumen selten innerhalb einer Order, sondern verteilen den gewünschten Betrag auf mehrere Orders. In dem Zusammenhang stellt sich somit die interessante Frage, ob man eigentlich aus dem Chart heraus als privater Trader erkennen kann: Wann traden Banken? Das ist möglich, und zwar auf Grundlage der sogenannten Order Flow Analyse.

Der Order Flow hat die Aufgabe, das Verhalten sämtlicher Marktteilnehmer anzuzeigen, die an den Märkten sowohl Kauf- als auch Verkaufsaufträge platzieren. Dabei kann es sich entweder um limitierte Orders oder Market Orders handeln. In dem Zusammenhang gibt der Order Flow an, welche Volumen an Kauf- und Verkaufsaufträgen zu einem definierten Kursniveau vorhanden ist.

Ebenfalls zeigt der Order Flow, wie sich das Kursniveau auf Grundlage der entsprechenden Ausführungen im Laufe der Zeit verändert. Deshalb bedient sich der Order Flow dem Orderbuch, denn dort sind sämtliche, aktuell vorliegende Aufträge ausgeführt. Ein Hauptzweck des Order Flow besteht darin, den Tradern anzuzeigen, wie es um die Liquidität und eventuelle Kursbewegungen bestellt ist. 

Die Analyse des Order Flow 

Auf Grundlage des Order Flows gibt es das Order Trading. Damit ist gemeint, dass Sie das Volumen sowohl aktueller als auch ausgeführter Orders interpretieren. Sie versuchen als Trader dann, auf Grundlage der an der Börse gehandelten Volumina Rückschlüsse auf die aktuelle Marktstimmung und die mögliche Kursrichtung zu ziehen.

Um diese Aussage treffen zu können, sind einige Punkte zu beachten, die Sie beim Interpretieren des Order Flow helfen. Das sind im Wesentlichen:

Das Volumen ist ohnehin die grundlegende Größe im Bereich Order Flow. Sie erkennen daran, wie viele Kontrakte oder Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt gehandelt werden. Treten an einzelnen Kursniveaus plötzlich außergewöhnlich hohe Umsätze auf oder werden große Kauf- bzw. Verkaufsaufträge aggressiv ausgeführt, kann dies auf die Beteiligung institutioneller Marktteilnehmer hindeuten.

Besonders hilfreich sind dabei sogenannte Footprint-Charts. Diese zeigen, wie viele Kontrakte auf der Geld- und Briefseite tatsächlich gehandelt wurden. Kommt es beispielsweise an einem wichtigen Kursniveau zu einer deutlich höheren Kaufaktivität als üblich, kann dies auf das Interesse größerer Marktteilnehmer hindeuten.

Aus unserer Trading.de Erfahrung mit Tausenden Coachings wissen wir: Die wichtigste Lektion aus dem Banken-Trading für Privatanleger ist Volumen-Analyse

Auftragsarten im Orderbuch

Ebenfalls bei der Interpretation des Order Flows und zur Beantwortung der Frage, ob Sie Banken-Trades erkennen können, helfen die Auftragsarten im Orderbuch. Diese geben Aufschluss darüber, wie sich die Marktteilnehmer momentan positionieren und mit welcher Dringlichkeit sie handeln möchten.

Gibt es zum Beispiel einen hohen Anteil aggressiver Market Orders, deutet dies häufig auf ein erhöhtes Interesse am Handel und eine steigende Dynamik hin. Große Limit Orders können hingegen auf wichtige Unterstützungs- oder Widerstandszonen institutioneller Marktteilnehmer hindeuten.

Fortgeschrittene Trader achten zudem auf sogenannte Iceberg-Orders. Dabei handelt es sich um große Aufträge, von denen im Orderbuch jeweils nur ein kleiner Teil sichtbar ist. Ein möglicher Hinweis darauf ist, dass auf einem Kursniveau immer wieder Volumen gehandelt wird, die angezeigte Ordergröße jedoch kaum abnimmt. Solche Muster werden häufig mit institutionellen Marktteilnehmern in Verbindung gebracht.

Unser Tipp aus der Praxis
Nicht jede große Order stammt automatisch von einer Bank oder einem Hedgefonds. Gerade in sehr liquiden Märkten können auch mehrere kleinere Marktteilnehmer gemeinsam hohe Umsätze verursachen. Wir empfehlen daher, Orderbuchdaten immer zusammen mit Volumenprofilen, Footprint-Charts und dem allgemeinen Marktumfeld zu analysieren.Handel und eine steigende Dynamik hin.

Große Volumen und viele Market Orders sprechen für aktive Banken

Stellen Sie hingegen im Rahmen der Auftragsarten einen größeren Anteil an Limit Orders fest, dann bedeutet das, dass die Marktteilnehmer eher darauf warten, dass ein bestimmtes Kursniveau erreicht wird. Man spricht in dem Zusammenhang bei einer Limit Order auch von einer sogenannten Passiv Order und dementsprechend etwas passiveren Marktteilnehmern. 

Ein weiteres Konzept zur Interpretation und Analyse des Order Flow sind die sogenannten Level II-Daten. Diese zeigen Tradern mehr Informationen im Detail im Hinblick auf das Orderbuch. Dazu gehört unter anderem die Größe der entsprechenden Aufträge, die es sowohl auf der Kauf- als auch auf der Verkäuferseite gibt. Anhand dieser Daten ist es besser möglich, zu identifizieren, wie sich die kurzfristige Dynamik am Markt darstellt. 

Fazit: Banken nutzen differenzierte System zum traden

Als Fazit zum Traden der Banken können wir festhalten, dass die großen, institutionellen Marktakteure durchaus strukturierter und systematischer handeln als private Trader. Banken agieren dabei in der Regel nicht kurzfristig, sondern verfolgen überwiegend mittel- bis langfristige Handelsansätze. 

Sie traden nur selten auf Basis klassischer Chartmuster, sondern stützen ihre Entscheidungen in erster Linie auf fundamentale Analysen, makroökonomische Daten und quantitative Modelle. Für die Orderausführung kommen dabei häufig Algorithmen zum Einsatz, die Trades automatisiert und regelbasiert umsetzen.

Für Privatanleger bedeutet das, dass chartbasierte Entscheidungen eher als ergänzendes Werkzeug verstanden werden sollten und nicht als alleinige Grundlage für Handelsentscheidungen. Stattdessen ist es sinnvoll, Chartanalyse immer im Zusammenhang mit dem übergeordneten Marktumfeld zu betrachten.

Wenn Banken oder institutionelle Akteure doch charttechnische Aspekte berücksichtigen, geschieht dies meist nicht im klassischen Sinne von Retail-Setups, sondern eher im Kontext statistischer Modelle, etwa im Bereich der Standardabweichung oder quantitativer Preiszonen. Insgesamt gilt: Während private Trader häufig einzelne Setups oder Muster handeln, arbeiten Banken stärker daten- und modellgetrieben und richten ihren Fokus auf größere Marktbewegungen und strukturelle Zusammenhänge.

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Meistgestellte Fragen:

Handeln Banken wie private Trader?

Nein, Banken handeln anders als private Trader. Sie sind für einen Großteil des Handelsvolumens verantwortlich, setzen größere Kapitalmengen ein und folgen nicht den kurzfristigen Trends, sondern beeinflussen den Markt oft selbst. Ein Vergleich mit privaten Händlern ist daher schwierig.

Welche Zeiteinheiten nutzen Banken beim Trading?

Banken fokussieren sich auf große Time Frames, wie Tages-, Wochen- und Monatscharts. Sie betreiben in der Regel kein Scalping oder Daytrading, sondern orientieren sich an langfristigen Marktbewegungen.

Setzen Banken beim Trading Algorithmen ein?

Ja, Banken nutzen häufig Algorithmen zur Orderausführung. Diese Algorithmen können komplexe Handelsstrategien automatisieren, einschließlich der Verteilung großer Handelsvolumina über sogenannte Eisberg-Orders.

Kann man Banken-Trades im Charts erkennen?

Ja, durch die Analyse des Order Flows und der Level II-Daten im Orderbuch können erfahrene Trader Anzeichen für Handelsaktivitäten der Banken erkennen. Das schließt die Beobachtung großer Volumina und Market Orders mit ein. Für Laien ist es allerdings schwer zu erkennen.

Warum handeln Banken nicht kurzfristig?

Banken sind in der Lage, Trends zu setzen und den Markt zu beeinflussen, weshalb sie sich nicht an kurzfristigen Trends orientieren müssen. Ihre Handelsstrategien sind auf langfristige Ziele und Stabilität ausgerichtet.

Nutzen Banken die gleichen Trading-Plattformen wie private Trader?

Nein, Banken nutzen in der Regel deutlich professionellere und spezialisierte Handels- und Informationssysteme. Dazu gehören beispielsweise das Bloomberg Terminal (mit Kosten von rund 20.000–25.000 USD pro Jahr), LSEG Refinitiv Eikon sowie Handels- und Ausführungsplattformen wie FXall oder Tradeweb. Für das Asset Management großer Institutionen wird zudem häufig BlackRock Aladdin eingesetzt. Diese Systeme sind auf große Handelsvolumina, institutionelle Orderausführung und komplexe Risikoanalysen ausgelegt. Im Vergleich zu Retail-Plattformen bieten sie deutlich tiefere Marktdaten, schnellere Ausführung und Zugang zu institutionellen Liquiditätsnetzwerken.

Andre Witzel
Andre Witzel hat über 10 Jahre Erfahrungen im Trading und ist der Gründer von Trading.de. Als Experte, Coach in der Trading.de Ausbildung und Trader teilt seine Strategien und Methoden mit seinen Lesern. Er weiß genau welche Fehler Anfänger machen und kann ihnen die besten Tipps zum erfolgreichen Handel geben.
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