Beim Wash Trading kauft und verkauft ein Trader das gleiche Finanzinstrument gleichzeitig an sich selbst (ohne Eigentümerwechsel). Beim Wash Trading entstehen dadurch künstliche Umsätze, die beispielsweise ein höheres Handelsvolumen oder eine stärkere Marktaktivität vortäuschen können.
Entsprechend gilt Wash Trading als Form der Marktmanipulation und ist in der EU verboten. Bis Juli 2016 wurde Marktmanipulation in Deutschland über § 20a WpHG geregelt. Seit dem 3. Juli 2016 gilt die EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Artikel 12 definiert die Formen der Marktmanipulation, Artikel 15 untersagt diese.
Lerne in diesem Artikel, was Wash Trading ist, wie es funktioniert und welche Strafen drohen. Wir von Trading.de geben Tipps und zeigen konkrete Beispiele des Wash Tradings.

Wichtige Fakten zum Wash Trading:
- Wash Trading ist in unregulierten Anlagefeldern wie Kryptowährungen und NFTs weit verbreitet.
- In der EU ist Wash Trading als Form der Marktmanipulation verboten.
- Regulierte Börsen für den Aktien-, Derivate- oder Rohstoffhandel nutzen Self-Trade-Prevention-Systeme, um Wash Trades zu verhindern.
- Im Krypto-Handel zeigen Studien das Ausmaß deutlich: Eine Forbes-Analyse von 2022 stufte 51 % des gemeldeten Bitcoin-Handelsvolumens als wahrscheinlich fake oder wirtschaftlich nicht relevant ein.
Wie funktioniert Wash Trading?
Beim Wash Trading platziert ein Marktteilnehmer auf beiden Seiten eines Trades passende Kauf- und Verkaufsorders. Werden diese gegeneinander ausgeführt, erscheint die Transaktion im Handelsvolumen, obwohl sich seine wirtschaftliche Position dadurch nicht verändert.
Der Ablauf eines Wash Trades lässt sich in 4 Schritten darstellen:
- Orders platzieren: Für dasselbe Finanzinstrument werden eine Kauf- und eine passende Verkaufsorder aufgegeben.
- Orders ausführen: Treffen beide Orders aufeinander, wird der Trade an der Börse oder Handelsplattform ausgeführt und erfasst.
- Position bleibt bestehen: Wirtschaftlich wechselt das Finanzinstrument nicht den Eigentümer. Der Marktteilnehmer hält nach dem Trade im Wesentlichen dieselbe Position wie zuvor.
- Volumen steigt: Die Transaktion fließt trotzdem in das gemeldete Handelsvolumen ein und lässt die Aktivität im Markt höher erscheinen.
Formen von Wash Trading
Wash Trading ist in 3 Formen zu unterteilen:
- Same-Account Wash: Kauf- und Verkaufsorders stammen vom selben Konto und werden gegeneinander ausgeführt.
- Coordinated Wash: Die gegenläufigen Orders laufen über zwei verschiedene Konten, die demselben wirtschaftlichen Eigentümer zuzurechnen sind.
- Pre-arranged Trades: Zwei Beteiligte stimmen Kauf und Verkauf vorab aufeinander ab, sodass die gegenläufigen Orders gezielt zusammenpassen.
Bei algorithmisch ausgeführten Wash Trades können Kauf- und Verkaufsorders innerhalb von weniger als einer Sekunde aufeinandertreffen. Handelsplätze setzen deshalb technische Schutzmechanismen gegen Self-Trades ein. Die Intercontinental Exchange (ICE) nutzt beispielsweise die Self-Trade Prevention Functionality (STPF), die passende Orders desselben Marktteilnehmers vor der gegenseitigen Ausführung abfangen soll.
Was ist ein Beispiel für Wash Trades?
Ein konkretes Beispiel für Wash Trading stammt aus dem Futures-Handel. 2024 verhängte die US-Aufsichtsbehörde CFTC eine Geldstrafe von 200.000 US-Dollar gegen das taiwanische Finanzunternehmen Taishin Securities. Trader des Unternehmens hatten Wash Sales und weitere fiktive Geschäfte mit insgesamt 175 Futures-Kontrakten an der Chicago Mercantile Exchange (CME) durchgeführt. Betroffen waren sechs verschiedene Produkte.
Wash Trading im Krypto-Markt stark verbreitet
Wash Trading ist im Krypto-Markt ein Problem. Dabei sind es nicht die Kryptowährungen oder der Markt selbst, die das künstliche Volumen erzeugen. Wash Trades werden von Marktteilnehmern durchgeführt und können auch von Kryptobörsen selbst ausgehen oder begünstigt werden.
Eine wissenschaftliche Untersuchung von 29 zentralisierten Kryptobörsen zeigt, wie groß dieser Effekt sein kann:
- Mehr als 70 % Wash Trading: Bei den untersuchten unregulierten Börsen entfielen im Durchschnitt mehr als 70 % des gemeldeten Handelsvolumens auf Wash Trades.
- Bis zu 46 Plätze im Ranking: Bestand 70 % des gemeldeten Volumens aus Wash Trading, verbesserte sich die Position einer Börse in der untersuchten Rangliste um 46 Plätze.
- Billionen US-Dollar: Für das erste Quartal 2020 schätzten die Forschenden das Wash-Trading-Volumen auf mehr als 4,5 Billionen US-Dollar im Spot-Markt und weitere 1,5 Billionen US-Dollar im Derivatehandel.
Was sind die Auswirkungen von Wash Trading auf den Markt?
Wash Trading verzerrt Handelsvolumen, Preise und Marktdaten. Trader erhalten dadurch ein falsches Bild von der tatsächlichen Aktivität sowie von Angebot und Nachfrage.
- Irreführung von Investoren: Künstliches Handelsvolumen täuscht eine höhere Nachfrage oder Liquidität vor. Anleger schätzen ein Asset dadurch stärker gehandelt oder leichter handelbar ein.
- Preismanipulation: Wash Trades zu bestimmten Kursen beeinflussen die Preisbildung. Andere Trader reagieren auf Kursbewegungen, hinter denen keine entsprechende Veränderung von Angebot und Nachfrage steht.
- Vertrauensverlust: Werden manipulierte Umsätze bekannt, sinkt das Vertrauen in die Kurse und Handelsdaten eines Marktes oder Handelsplatzes.
- Falsche Marktdaten: Wash Trades fließen in Handelsstatistiken ein und verfälschen Kennzahlen wie Handelsvolumen und Liquidität.
- Marktinstabilität: Künstliche Volumen- und Preissignale lösen weitere Kauf- oder Verkaufsentscheidungen aus und verstärken dadurch Kursbewegungen.
Was sind die Strafen für Wash Trading?
Wash Trading wird in Deutschland als Marktmanipulation eingestuft, wodurch Strafen in Form von hohen Geldbußen oder sogar einer Freiheitsstrafe möglich sind.
| Verstoß | Mögliche Strafe | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Ordnungswidrige Marktmanipulation durch natürliche Personen | Bis zu 5 Mio. Euro | § 120 Abs. 18 WpHG |
| Marktmanipulation durch Unternehmen | Bis zu 15 Mio. Euro bzw. bis zu 15 % des Jahresumsatzes | § 120 Abs. 18a–18b WpHG |
| Wirtschaftlicher Vorteil durch den Verstoß | Bis zum Dreifachen des erzielten Gewinns oder vermiedenen Verlusts | § 120 Abs. 18d WpHG |
| Strafbare vorsätzliche Marktmanipulation mit Preiseinwirkung | Geldstrafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe | § 119 Abs. 1 WpHG |
| Besonders schwerer Fall | 1 bis 10 Jahre Freiheitsstrafe | § 119 Abs. 5 WpHG |
Wie erkennen Trader Wash Trading?
Trader erkennen mögliches Wash Trading vor allem an ungewöhnlichen Mustern bei Handelsvolumen, Kursbewegungen und ausgeführten Orders. Aus unserer Erfahrung erkennst du Wash Trades an folgenden Auffälligkeiten im Markt.
- Hohes Volumen ohne entsprechende Kursbewegung: Steigt das Handelsvolumen plötzlich stark, während sich der Kurs kaum bewegt, kann das auf künstlich erzeugte Aktivität hindeuten.
- Wiederkehrende Trades in gleicher Größe: Werden innerhalb kurzer Zeit immer wieder identische oder sehr ähnliche Stückzahlen gehandelt, ist eine genauere Prüfung sinnvoll.
- Ungewöhnliche Volumenspitzen: Auffällige Ausschläge zu Zeiten mit normalerweise geringer Handelsaktivität können auf manipulierte Umsätze hinweisen.
- Auffällige Kauf- und Verkaufsmuster: Nahezu zeitgleiche Trades zu ähnlichen Preisen und Größen können auf miteinander verbundene Orders hindeuten.
- Abweichungen zwischen Handelsplätzen: Wird ein Coin auf einer Börse mit deutlich höherem Volumen gehandelt als auf vergleichbaren Plattformen, lohnt sich ein Vergleich der Daten.
Wash Trading nachzuweisen, liegt im Aufgabenbereich von Finanzbehören wie der BaFin.
Unterschied von Wash Trading zu Market Making und Spoofing
Wash Trading unterscheidet sich von Market Making und Spoofing darin, wer tatsächlich handelt und ob die platzierten Orders ausgeführt werden sollen. Market Making ist grundsätzlich eine legitime Handelsaktivität, Wash Trading und Spoofing zählen dagegen zu den Formen der Marktmanipulation.
| Merkmal | Wash Trading | Market Making | Spoofing |
|---|---|---|---|
| Vorgehen | Kauf und Verkauf ohne tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümerwechsel | Gleichzeitiges Stellen von Kauf- und Verkaufskursen für andere Marktteilnehmer | Platzieren großer Orders mit der Absicht, sie vor der Ausführung wieder zu löschen |
| Ziel | Handelsaktivität oder Volumen künstlich erzeugen | Liquidität bereitstellen und Handel ermöglichen | Andere Trader über Angebot oder Nachfrage täuschen |
| Wer handelt? | Derselbe wirtschaftliche Eigentümer oder abgestimmte Parteien | Market Maker mit anderen Marktteilnehmern | Andere Marktteilnehmer sollen auf die Scheinorders reagieren |
| Werden Orders ausgeführt? | Ja, die gegenläufigen Orders werden ausgeführt | Ja, wenn ein anderer Marktteilnehmer die Order annimmt | Die manipulative Order soll gerade nicht ausgeführt werden |
| Rechtliche Einordnung | Marktmanipulation und verboten | Grundsätzlich legal | Marktmanipulation und verboten |
Fazit: Wash Trading ist nicht erlaubt und eine Art Marktmanipulation
Für Trader ist Wash Trading ein Grund, angezeigte Marktdaten kritisch zu hinterfragen. Ein hohes Handelsvolumen allein sagt noch wenig darüber aus, wie groß das tatsächliche Interesse an einem Asset ist.
Unser Tipp von Trading.de: Beziehe neben dem Volumen immer die Kursentwicklung und Liquidität in deine Analyse ein. Bei Kryptowährungen lohnt sich zusätzlich der Vergleich mehrerer Handelsplätze. Auffällige Abweichungen oder ungewöhnliche Handelsmuster solltest du prüfen, bevor du eine Position eröffnest.
FAQ: Meistgestellte Fragen zum Thema:
Ist Wash Trading illegal?
Ja. Wash Trading ist illegal. In Deutschland und der EU regeln Artikel 12 und 15 der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) die Rechtlage rund um Wash Sales.