Briefkurs (Ask): die Preisbereitschaft der Verkäufer beim Börsenhandel

Der Begriff „Briefkurs“, auch unter der englischen Abkürzung „Ask“ bekannt, gehört zum klassischen Börsenjargon. Im Gegensatz dazu steht der Geldkurs. Mit zwei Eselsbrücken lassen sich die Begriffe leicht merken:

Zuerst kommt das Geld, mit dem der Käufer das Angebot kauft. Später kommt er als Verkäufer mit einem Brief, um den Inhalt –  die Wertpapiere –  zu einem höheren Briefkurs wieder zu verkaufen. Als es an den Präsenzbörsen noch lautstark zuging, mussten die Makler mit kurzen Begriffen unmissverständlich kommunizieren. Verkaufsangebote wurden daher mit dem Ruf des Aktiennamens, der Stückzahl sowie dem Begriff „Brief“ angeboten.

Briefkurs: Definition und Erklärung

Der Briefkurs definiert den Kurs eines Finanzprodukts, zu dem es an der Börse zum Kauf angeboten wird. Es ist der tiefste Preis, zu dem ein Anbieter die von ihm angebotenen, Wertpapiere, Devisen, Edelmetalle oder andere Finanzprodukte verkaufen würde. Für Devisen, Sorten und Gold werden börsentäglich amtliche Briefkurse festgestellt.

Das Gegenstück ist der Geldkurs; er ist auch unter der Abkürzung Bid bekannt. Es ist der Preis, zu dem ein potenzieller Käufer höchstens bereit ist, ein Finanzprodukt zu kaufen. Der Briefkurs liegt grundsätzlich über dem Geldkurs. Für diese sogenannte Geld-Brief-Spanne wird ebenso der Begriff Spread verwandt. Diese Spanne zwischen Geldkurs und Briefkurs ist die Gewinnmarge des Verkäufers.

Warum ist der Briefkurs immer über dem Geldkurs?

Am Markt ist es in der Regel ausgeschlossen, dass die Briefkurse nicht über den Geldkursen liegen. Schließlich möchte ein Verkäufer seine Papiere nicht billiger abgeben, als ein Käufer bereit wäre, dafür zu zahlen. Meisten wird darüber hinaus ein Mittelkurs ermittelt, dem arithmetischen Mittel aus „Geld“ und „Brief“. Die Spread-Höhe gilt als Hinweis auf die Liquidität des Wertpapiers und ist ebenso abhängig von der Kurs-Volatilität.

Beispiele

Zur Verdeutlichung des Briefkurses folgendes Beispiel bei einer Aktie:

  • Aktie: xy
  • Briefkurs: 248 Euro
  • Geldkurs: 247 Euro

In dem Beispiel beträgt der Spread 1 Euro (248 Euro – 247 Euro). Daraus errechnet sich ein Mittelkurs von 247,50 Euro ([248 Euro + 247 Euro] / 2). 

Bei öffentlichen Kursanzeigen ist mitunter der Zusatz „B“ für „Brief“ zu finden. Das bedeutet, dass zum angezeigten Kurs ein Angebot bestand, doch mangels Nachfrage kein Umsatz stattgefunden hat.

Ein weiteres praktisches Beispiel bei Devisen:

Wechselkurs zwischen Euro und dem südafrikanischen Rand:

  • Geld: 1,20 Euro
  • Brief: 1,40 Euro

In diesem Beispiel bedeutet das etwa für einen Urlauber, der für seine Afrikareise südafrikanische Rand erwerben möchte, dass er für 1.000 Rand einen Gesamtpreis von 1.400 Euro zahlen muss (1.000 Rand * 1,40 Euro). 

Bringt der Urlauber von seiner Reise wieder 400 Rand mit, erhält er dafür 480 Euro zurück (400 Rand * 1,20 Euro). Er muss also in diesem Fall eine Marge von 80 Euro ([1,40 Euro – 1,20 Euro] * 400 Rand) zahlen. Mit dieser Marge wird der Wechsel von Devisen finanziert.

Briefkurs neben Aktien auch bei anderen Finanzprodukten zu finden

Briefkurse (und Geldkurse) gibt es ebenso bei weiteren Finanzinstrumenten wie etwa Edelmetallen, Devisen oder Rohstoffen. Sie kommen überall vor, wo an Börsen gehandelt wird, also beispielsweise auch im Terminhandel. Bei Orderbuchhandelssystemen mit fortlaufenden Auktionen zeigt der Briefkurs den Preis an, den Verkäufer mindestens erwarten. Der Gleichgewichtspreis wird in diesen Fällen elektronisch (etwa Xetra-Orderbuch) oder von den sogenannten Skontroführern (vormals Börsenmakler) ermittelt.

Die Bedeutung des Briefkurses im Börsenhandel

Bei Wertpapieren mit kontinuierlich hohem Handelsvolumen ist immer genügend Angebot und Nachfrage zum handelsfähigen Preis vorhanden. Der Spread zwischen Geld- und Briefkurs ist aus diesem Grund meistens gering. Bei Standardwerten ist dies beispielsweise gegeben. Größere Spannen kommen zustande, wenn es nur ein geringes Ordervolumen gibt. Hohe Spreads sind bei Nebenwerten sowie Spezialwerten zu finden.

Die Kursvolatilität hat ebenso Einfluss auf Spreads. Sie sind bei volatileren Kursen tendenziell höher als bei stabiler Kursentwicklung.

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