Was ist ein Hebel im Trading? – Definition & Beispiele

Ein Hebel ist ein Faktor, der das Verhältnis zwischen zwei Werten herstellt. Das resultierende Ergebnis ist dann die Hebelwirkung.

Wissenswert:

  • Im Trading wird die Hebelwirkung auch Leverage-Effekt genannt. Der Hebel stellt hier das Verhältnis zwischen Investitionsvolumen und Handelsvolumen bzw. Eigenkapital zu Fremdkapital dar. 
  • Das notwendige Eigenkapital bei gehebelten Finanzprodukten nennt man Margin. Deshalb werden Trades mit Hebel oft auch als Margin-Handel bezeichnet. 
  • Hebel-Trading bzw. der Margin-Handel ist eine Technik. Trader „leihen“ sich Kapital, um selbst mit einer kleinen Einlage am Markt ein größeres Volumen handeln zu können.

Wie funktioniert der Trading-Hebel genau?

Beginnen wir zur Veranschaulichung der Funktionsweise eines Trading-Hebels direkt mit einem vereinfachten Beispiel (Nebenkosten wie Gebühren und Provisionen werden in diesem Beispiel nicht berücksichtigt):

Es sollen 2.000 Aktien eines börsennotierten Unternehmens zu einem Stückpreis von 1 Euro gekauft werden. Bei einem konventionellen Handel werden hier 2.000 x 1 Euro = 2.000 Euro fällig. Steigt nun der Wert der Aktie des Unternehmens um 30 Cent, liegt der Wert pro Aktie bei 1,30 Euro. Wird die Position nun geschlossen, wurde ein Gewinn von 600 Euro bei einem Kapitalaufwand von 2.000 Euro erzielt.
  • Um beim selben Beispiel zu bleiben, wäre es auch möglich gewesen, den Trade mit einem Hebel zu eröffnen. Nehmen wir dabei an, der Anbieter hätte eine Margin von 10 Prozent auf die gleiche Aktie verlangt, wären zur Eröffnung der Position 200 Euro fällig gewesen. Bei der Kurssteigerung um 30 Cent läge der Gewinn dennoch bei 600 Euro.
  • Die Hebelwirkung bewirkt also, bei geringerem Kapitaleinsatz den gleichen Gewinn zu erzielen.
  • Bei dieser Art des Handels kann man potenzierte Gewinne erzielen, sofern sich der Markt zugunsten des Traders ändert. Bewegt er sich zu dessen Ungunsten, kann er jedoch sein gesamtes investiertes Kapital verlieren. Grund hierfür ist, dass Gewinne und Verluste auf den Wert des gesamten Trades basieren, nicht nur auf der Margin.

Arten von Hebelprodukten und deren Märkte

Der Hauptteil des Hebel Trading basiert auf dem Handel mit Derivaten. Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert sich vom Preis eines Basiswertes, beispielsweise einer Aktie, ableitet. Beim Derivatehandel wird der Basiswert als solches nicht erworben.

Beispiele für Derivate sind:

Barriers und Vanilla Options

Diese Optionen sind Kontrakte und ermöglichen es dem Investor, von steigenden und / oder fallenden Kursen zu profitieren.

Turbozertifikate

Bei sogenannten Turbos handelt es sich um Wertpapiere, die mittels „long“ oder „short“ positioniert, einen flexiblen Handel mit begrenztem Risiko bieten.

Differenzkontrakte oder kurz CFDs

CFD steht für „Contract for Difference“ Es handelt sich hierbei um eine vertragliche Vereinbarung zwischen einem Nachfrager und einem Anbieter, die Preisdifferenz zwischen Eröffnung und Schließung einer Position bei einem festgelegten Finanzprodukt auszutauschen.

Derivate werden stets außerbörslich (OTC – Over the Counter) gehandelt.

Für den Handel mit Hebelprodukten kommen die verschiedensten Märkte in Betracht. Neben Aktien und Devisen spielen hier auch der Rohstoffmarkt, Indizes und der Markt für Kryptowährungen eine große Rolle.  

Hebel Trading & Risikomanagement

Hebel als eine Möglichkeit zur Gewinnsteigerung oder Einsatzminimierung zu nutzen, gehört zu den Strategien vieler Trader. Hierbei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass Hebel das Risiko einer Investition dabei auch vervielfachen. Über eine gute Strategie im Risikomanagement zu verfügen ist hier besonders wichtig. Um mit dem Risiko effizienter umgehen zu können, bedienen sich Trader an diversen Auftragsbegrenzungen. Die wichtigsten werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Bei Stop-Loss-Aufträgen ist es das Ziel, eventuelle Verluste bei ungünstigen Marktbedingungen in Grenzen zu halten. Hierbei wird ein Kurs festgelegt, bei dem eine Position geschlossen werden soll. Diese Option legt fest, welcher Betrag riskiert werden darf.

Take-Profit Aufträge schließen eine Position bei positiver Entwicklung bei einem festgelegten Wert, auch wenn der Kurs weiter steigt. Die Strategie dahinter ist es, soviel Gewinn wie möglich aus der Position zu ziehen, bevor der Kurs wieder fällt.

Eine Mischform aus Stop-Loss und Take-Profit-Aufträgen ist der Trailing-Stop-Loss Auftrag. Diese Version zielt darauf ab, Verluste bei ungünstigen Marktbewegungen zu begrenzen. Bei günstigen Entwicklungen bewegt sich der Stop-Loss proportional mit der positiven Kursentwicklung.

Wichtig ist auch die richtige Wahl des Faktors. Während bei kurzfristigen Anlagen oft ein großer Hebel verwendet wird, werden bei langfristigen Positionen eher kleine Hebel verwendet. Der Hintergrund hierbei ist es, bei kurzfristigen bzw. äußerst kurzfristigen Anlagen, die oft nur Sekunden oder Minuten dauern, sollen mit großen Hebelfaktoren selbst kleinste Kursschwankungen den möglichen Profit maximieren.

Hebelfaktoren liegen in der Regel zwischen 1:5 und 1:30. Gerade für private Investoren und Kleinanleger sind Hebel von den Finanzaufsichtsbehörden begrenzt. So ist bei Derivaten für Kleinanleger ein maximaler Hebel von 1:30 erlaubt. Professionelle Trader bedienen sich gerade bei kurzfristigen Anlagen, oft an Hebeln von 1:50 bis hin zu 1:500.

Beispiele für Hebel

Der Devisenhandel, auch Forex genannt, wird auf Margin gehandelt. Die Margin-Sätze beginnen hier bei 3,3 Prozent. Da Hebel in der Regel in Verhältniszahlen ausgedrückt werden, bedeutet das eine Hebelwirkung von 1:30. In der Praxis heißt das, es kann eine Position eröffnet werden, die dem 30-fachen der geforderten Einlage entspricht.

Hebel im Vergleich zu Krediten

Hebel werden von Tradern oft als Kreditlinie angesehen, die ein Broker gewährt, da der Hebel, wie bereits beschrieben das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital darstellt. Ein Hebel hat jedoch mit einem klassischen Kredit wenig gemein. Beim Trading mit Hebeln muss der Investor die geforderte Margin hinterlegen. Eher zu vergleichen mit einer Sicherheitsleistung oder Kaution. Die Verpflichtung besteht auch nicht darin, einen Kredit zurückzuzahlen, sondern die offene Position zu schließen oder so lange zu halten, bis ein Margin-Call erfolgt. Spätestens dann besteht die Möglichkeit, die Margin zu erhöhen oder die Position selbstständig bzw. automatisch zu schließen.

Fazit

Hebel-Trading bzw. Margin-Trading ist ein beliebtes Instrument zum Handel und den Märkten. Das Traden mit Hebeln kann durchaus die Chancen auf Rendite steigern. Ebenso jedoch auch das Risiko. Hier ist Fachkenntnis und Erfahrung seitens des Traders gefragt sowie eine strategisches Risikomanagement.

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