Vorbörslicher Handel bzw. im englischen Pre Market Trading genannt, beschreibt die Handelsaktivitäten, die vor den regulären Öffnungszeiten der Börsen stattfinden. Dieser Handel erfolgt meist in den frühen Morgenstunden und ermöglicht es Tradern, sich vor der offiziellen Marktöffnung auf wichtige Nachrichten und Ereignisse einzustellen. Dadurch können Anleger und Investoren die Richtung der folgenden Handelssitzung einschätzen.

Key Facts – Vorbörslicher Handel
- Pre Market Trading bezeichnet den vorbörslichen Handel.
- Die Handelszeiten vom Pre-Market in den USA gehen von 4:00 bis 9:30 Uhr ET.
- Limit Orders sind im vorbörslichen Handel wichtig, da sie den maximalen Kaufpreis beziehungsweise minimalen Verkaufspreis festlegen.
- Tipp: Im Pre-Market ist die Liquidität geringer im Vergleich zur regulären Handelszeit. Dadurch fallen Spreads tendenziell größer aus und einzelne Orders bewegen den Kurs stärker.
Welche Bedeutung hat der vorbörsliche Handel für Trader?
Der vorbörsliche Handel ermöglicht Tradern, vor der regulären Marktöffnung auf neue Informationen zu reagieren. Dazu gehören Quartalszahlen und Prognosen von Unternehmen sowie Konjunkturdaten wie CPI oder Nonfarm Payrolls.
Im Pre-Market sind weniger Marktteilnehmer und Orders aktiv als während der regulären Handelszeit. Dadurch sinkt die Liquidität, die Spreads werden größer und einzelne Orders bewegen den Kurs stärker. Beträgt der Spread einer Aktie während der Haupthandelszeit beispielsweise 0,05 US-Dollar und vorbörslich 0,20 US-Dollar, steigt die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs bei 100 Aktien von 5 auf 20 US-Dollar.
Trading.de Tipp: Prüfe vor dem Einstieg Spread, Handelsvolumen und Orderbuch. Je weniger Orders im Markt liegen, desto wichtiger ist eine Limit Order mit einem vorab festgelegten Einstiegspreis.
Was sind die Handelszeiten im vorbörslichen Handel? Börsenvergleich
Die Handelszeiten im vorbörslichen Handel unterscheiden sich je nach Land und Handelsplatz. Das sind Beispiele:
| Markt | Vorbörsliche Handelsphase | Ortszeit | Deutsche Zeit* |
|---|---|---|---|
| USA / Nasdaq | Pre-Market | 4:00 bis 9:30 Uhr ET | 10:00 bis 15:30 Uhr |
| Deutschland / Xetra | Early Retail Trading | 8:00 bis 9:00 Uhr | 8:00 bis 9:00 Uhr |
| Deutschland / Tradegate | Früher Handelsbeginn | Ab 7:30 Uhr | Ab 7:30 Uhr |
| Shanghai Stock Exchange | Opening Call Auction | 9:15 bis 9:25 Uhr | Ca. 3:15 bis 3:25 Uhr |
| Hong Kong Stock Exchange | Pre-opening Session | 9:00 bis 9:30 Uhr | Ca. 3:00 bis 3:30 Uhr |
*Die Umrechnung ausländischer Handelszeiten verändert sich während der unterschiedlichen Zeitumstellungsphasen.
Was sind die Handelszeiten im vorbörslichen Handel in Deutschland?
Auf Xetra beginnt das Early Retail Trading um 8:00 Uhr und endet mit dem Start der regulären Handelssitzung um 9:00 Uhr. Andere deutsche Handelsplätze öffnen früher und haben keine separate Pre-Market-Session. An der Tradegate Exchange können Aktien beispielsweise bereits ab 7:30 Uhr gehandelt werden

Was sind die Handelszeiten im vorbörslichen Handel in den USA?
An der Nasdaq beginnt der Pre Market um 4:00 Uhr ET und endet mit der regulären Börseneröffnung um 9:30 Uhr ET. Das entspricht in Deutschland in der Regel 10:00 bis 15:30 Uhr.
Beispiele für vorbörslicher Handel
Pre-Market-Kurse steigen oder fallen bereits vor der regulären Börsenöffnung, wenn Trader neue Quartalszahlen, Prognosen oder Unternehmensmeldungen einpreisen. Zwei Beispiele aus 2026 zeigen die Kursreaktionen:
- Cloudflare am 7. August 2026: Nach starken Quartalszahlen und einer angehobenen Jahresprognose stieg die Cloudflare-Aktie im Pre-Market um rund 16 %. Die neuen Zahlen lösten damit bereits vor dem regulären US-Handelsstart eine deutliche Kursbewegung aus.
- Cisco am 13. August 2026: Cisco übertraf bei seinen Quartalszahlen die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn. Die Entwicklung der Bruttomarge belastete die Aktie jedoch. Im Pre-Market verlor Cisco rund 6 %. Nach der Börseneröffnung setzte sich der Kursrückgang fort und erreichte zeitweise mehr als 7 %.
Experten-Tipp zum Pre Market Trading von Profi Trader Andre Witzel:

Beobachte den Pre-Market 2 bis 4 Wochen, bevor du einsteigst. Notiere dabei im Trading Journal, wo der tägliche Eröffnungskurs liegt. Erfahrungsgemäß gibt es selten eine valide Tagesrichtung.
Vor einem Pre Market Trade prüfe ich deshalb zuerst den Auslöser der Kursbewegung. Anschließend beobachte ich vorbörsliche Unterstützungen und Widerstände und lege Einstieg, Stop-Loss und Kursziel fest.
Welche Märkte lassen sich im Pre Market handeln?
Im Pre-Market werden Aktien und ETFs direkt gehandelt. Indizes sind im Pre Market nicht direkt verfügbar, lassen sich jedoch über Derivate wie Futures und CFDs vor der regulären Aktienmarkteröffnung handeln. Auch im Optionshandel gibt es Extended-Hours-Handel für ausgewählte Produkte.
| Markt | Wie erfolgt der Handel? |
|---|---|
| Aktien | Direkt über den Handelsplatz |
| ETFs | Direkt über den Handelsplatz |
| Optionen | Über Optionskontrakte mit Extended Hours |
| Indizes | Über Futures oder CFDs |
Wie und wo können Trader am Pre Market Trading teilnehmen?
Für Pre-Market Trading benötigst du einen Broker mit Zugang zu erweiterten Handelszeiten oder entsprechenden Handelsplätzen. Im Trading.de Brokervergleichs-Tool kannst du Anbieter und deren Handelsmöglichkeiten direkt vergleichen.
In Deutschland stehen für das Pre Market Trading unter anderem Tradegate, Lang & Schwarz und Baader Trading zur Verfügung.
| Handelsplatz / Anbieter | Handelszeiten | Orderarten |
|---|---|---|
| Tradegate Exchange | 7:30 bis 22:00 Uhr | Market, Limit, Stop Market, Stop Limit sowie je nach Broker weitere Orderzusätze |
| Lang & Schwarz TradeCenter | 7:30 bis 23:00 Uhr | Limit-Handel verfügbar. Weitere Ordermöglichkeiten hängen vom Broker ab |
| Baader Trading | Je nach angebundenem Broker ab 7:30 bzw. 8:00 Uhr | Limit Orders sowie je nach Broker weitere Ordertypen wie OCO und Trailing Stop |
Wann lohnt sich Pre Market Trading?
Pre Market Trading lohnt sich aus unserer Sicht an Handelstagen, an denen bereits vor der regulären Börsenöffnung neue Informationen für deutliche Kursbewegungen sorgen. Konkret sind das Auslöser, die das Pre Market Trading interessant machen:
- Earnings: Quartalszahlen, neue Prognosen oder überraschende Geschäftszahlen bewegen einzelne Aktien bereits vor der Börsenöffnung.
- US-Konjunkturdaten: CPI und Nonfarm Payrolls werden um 8:30 Uhr ET veröffentlicht, eine Stunde vor der Öffnung von NYSE und Nasdaq.
- Übernacht-Nachrichten: Unternehmensmeldungen, geopolitische Ereignisse oder starke Bewegungen an den asiatischen und europäischen Märkten sind zum Start der US-Vorbörse bereits bekannt. Trader sehen im Pre-Market, wie US-Aktien diese Informationen einpreisen.
- Reaktionen auf Fed-Entscheidungen: Die Fed veröffentlicht ihre Zinsentscheidungen üblicherweise um 14:00 Uhr ET innerhalb der regulären US-Handelszeit. Starke Bewegungen können sich über den Handelsschluss hinaus fortsetzen und am folgenden Morgen erneut den Pre-Market bestimmen.
Was sind die Chancen und Risiken des vorbörslichen Handels?
Die Chancen des vorbörslichen Handels liegen im frühen Zugang zu Kursbewegungen vor der regulären Börsenöffnung. Dem stehen eine geringere Liquidität, größere Spreads und stärkere Kursschwankungen gegenüber.
Chancen vorbörslicher Handel
- Früher Zugang: Trader und Investoren können Aktien vor der offiziellen Markteröffnung handeln und von Kursbewegungen profitieren, die sich aus wichtigen Nachrichten oder Ereignissen ergeben können.
- Preisvolatilität: Die geringere Liquidität kann zu größeren Preisschwankungen führen, die Trader für schnelle Gewinne nutzen können.
- Informationsvorsprung: In manchen Fällen haben Trader im Pre Market Trading Zugang zu wichtigen Unternehmensnachrichten oder Wirtschaftsindikatoren, die vor der offiziellen Veröffentlichung bekannt werden. Dies kann ihnen einen Informationsvorteil verschaffen.
Risiken vorbörslicher Handel
- Geringe Liquidität: Weniger Händler bedeuten geringere Liquidität. Dies bedeutet, dass es schwieriger sein kann, größere Positionen zu kaufen oder zu verkaufen, und dass die Spreads größer werden.
- Höhere Volatilität: Diese kann Chancen bieten, birgt jedoch auch Risiken. Preisbewegungen können zu unvorhersehbaren Verlusten führen.
- Eingeschränkter Handel: Nicht alle Aktien sind im vorbörslichen Handel verfügbar. Einige Aktien haben möglicherweise ein zu geringes Handelsvolumen oder sind vom vorbörslichen Handel ausgeschlossen.
- Unsicherheit: Vorbörslicher Handel findet außerhalb regulärer Handelszeiten statt, was die Bestimmung von Markttrends erschwert. Unvorhergesehene Ereignisse können den Markt beeinflussen.
Was sind Fehler im vorbörslichen Handel? Unsere Erfahrungen
Aus über zehn Jahren Trading-Erfahrung sieht Profi Trader Andre Witzel zwei Fehler im Pre-Market häufig:
- Market Orders bei großen Spreads platzieren: Im Pre-Market stehen weniger Kauf- und Verkaufsorders zur Verfügung. Ein breiter Spread führt dadurch schnell zu einem schlechteren Einstiegskurs.
Unser Trading.de Tipp: Nutze im Pre-Market Limit Orders und lege den maximalen Kauf- beziehungsweise minimalen Verkaufspreis vor der Order fest. - Pre-Market-Gaps als bestätigten Tagestrend handeln: Ein Gap vor der Börseneröffnung bestätigt noch keine Kursrichtung für den gesamten Handelstag. Mit dem Start der regulären Session um 9:30 Uhr ET kommen deutlich mehr Orders in den Markt. Trading.de Tipp: Warte nach einem starken Gap auf eine Konsolidierung im Pre Market. Ein Ausbruch aus dieser Handelsspanne kann als Entry dienen. Den Stop-Loss platzierst du auf der gegenüberliegenden Seite der Konsolidierung.
Vorbörslicher Handel und regulärer Handel: Vergleich
Der vorbörsliche Handel unterscheidet sich vom regulären Börsenhandel vor allem bei Handelsvolumen, Liquidität und Orderausführung. Im US-Pre-Market werden Aktien bereits vor der Börsenöffnung um 9:30 Uhr ET gehandelt. Zu diesem Zeitpunkt sind weniger Marktteilnehmer aktiv und es liegen weniger Orders im Orderbuch. Die Spreads fallen deshalb häufig größer aus und Orders werden häufiger nur teilweise ausgeführt.

Mit Beginn der regulären Session steigt die Zahl der Orders deutlich. Die Liquidität nimmt zu und die Spreads werden in der Regel enger. Auch der letzte Pre-Market-Kurs entspricht nicht automatisch dem Eröffnungskurs: Zur Börsenöffnung kommen neue Kauf- und Verkaufsorders hinzu und der Kurs wird neu gebildet.
Das sind Unterschiede:
| Merkmal | Pre-Market | Regulärer Handel |
|---|---|---|
| Handelszeit USA | Vor 9:30 Uhr ET | 9:30 bis 16:00 Uhr ET |
| Handelsvolumen | Deutlich geringer | Hoch |
| Liquidität | Geringer, weniger Gegenorders verfügbar | Höher, mehr Kauf- und Verkaufsorders verfügbar |
| Spreads | Breiter | Enger |
| Orderausführung | Teil- oder Nichtausführungen treten aufgrund geringerer Liquidität häufiger auf | Höhere Liquidität erleichtert die Ausführung |
| Orderarten | Vom Broker und Handelsplatz abhängig, teilweise ausschließlich Limit Orders | Market, Limit und sämtliche weitere Ordertypen verfügbar |
| Kurstreiber | Earnings, Unternehmensmeldungen und vorbörslich veröffentlichte Wirtschaftsdaten wirken stärker auf einzelne Kurse | Laufende Nachrichten treffen auf deutlich mehr Marktteilnehmer und Handelsvolumen |
Fazit: Vorbörslicher Handel für geübte Trader
Vorbörslicher Handel ermöglicht es Tradern, bereits vor der regulären Börsenöffnung auf Earnings, Unternehmensmeldungen und Konjunkturdaten zu reagieren.
Aus unserer Erfahrung bei Trading.de eignet sich Pre Market Trading für Trader, die Spreads, Liquidität und vorbörsliche Kursbewegungen sicher einschätzen und mit klar definierten Entries, Stop-Loss und Positionsgrößen arbeiten. Für den Einstieg empfehlen wir, Pre-Market-Bewegungen zunächst zu beobachten und im Trading Journal festzuhalten.
FAQ: Meistgestellte Fragen zum Thema:
Kann jeder Händler vorbörslichen Handel betreiben?
Ja. Entscheidend dafür ist allerdings ein passender Broker, mit dem Trader vorbörslich handeln können. In Deutschland bieten auch einige Retail-Broker den vorbörslichen Handel an. Im Vergleich zum regulären Handel sind dabei oft die Orderarten eingeschränkt. Meistens werden ausschließlich Limit Order und keine Market Order ausgeführt.
Wie kann man Pre Market handeln?
Pre Markets handeln Trader über Broker, die einem Zugang zu Direkthandelsplätzen bieten. Über die Direkthandelsplätze lassen sich Orders frühzeitig, noch vor regulärer Börseneröffnung tätigen.