Dreifacher Hexensabbat

Begriff und Definition

Dreifacher Hexensabbat oder Großer Verfallstermin beschreibt kein mythisches Ereignis, an dem eine alte Zauberin auf einem Reisigbesen über das Börsenparkett reitet. Vielmehr fallen an vier Monaten (März, Juni, September, Dezember) des Börsenjahres am dritten Freitag des dritten Quartalmonats die Verfallstermine von Terminkontrakten zusammen und führen häufig zu hektischen Kursbewegungen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sich die Preise nahe der als Wette vereinbarten Kurse bewegen. Das Zusammenfallen mehrerer Verfallstage findet weltweit an den Terminbörsen am gleichen Tag statt. Weil die Kursbewegungen bis zur Feststellung des endgültigen Preises andauern, wird für die letzte Stunde des Handels eine weitere Analogie aus der Welt der Märchen benutzt – die „Geisterstunde“.

Diese Geschäfte auf Futures und Optionen werden für Deutschland und die Schweiz an der Terminbörse EUREX gehandelt. Bei den Basiswerten handelt es sich um die STOXX-Indizes, DAX und TecDAX, MDAX und ausgewählte Aktien. Am Verfallstag werden von der Börse die Preise festgestellt, zu denen die gehandelten Terminkontrakte abgerechnet werden. 

Optionen und Futures werden genutzt, um Wertpapierdepots vor großen Verlusten zu schützen. Allerdings spielt dieser Sicherungsgedanke keine Rolle, wenn auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtete Akteure am Markt spekulieren. Dabei handelt es sich vor allem um institutioneller Anleger, die versuchen mit niedrigen Einsätzen große Kursgewinne zu erzielen. Kleinanleger können hier auch auf fallende oder steigende Kurse setzen, wenn ihre Depot haltende Bank einen EUREX Zugang hat und der Anleger ausreichend über die Risiken informiert wurde.

Der Kauf einer Verkaufsoption sichert ein Depot gegen fallende Kurse, eine Kaufoption beschert überproportional hohe Gewinne bei steigenden Kursen. Anders als bei Optionen, bei denen eine Wahlmöglichkeit besteht, sind die Bedingungen bei Abschluss eines Future Kontraktes festgelegt. Bei Optionen geht nur der Verkäufer eine Verpflichtung ein, nämlich den Basiswert zu liefern oder abzunehmen. Bei Futures gehen beide Beteiligte eine Verpflichtung ein. Entweder den Basiswert zu liefern oder abzunehmen. Basiswerte dieser beiden Spekulationsformen können Aktien, Indizes, Zinsen, Währungen oder auch Metalle, Rohstoffe oder landwirtschaftliche Güter wie Weizen sein.

Es wird möglich, mit geringem Kapitaleinsatz den zukünftigen Kauf oder Verkauf eines Wertpapieres zu sichern. Insbesondere bei Futures wird nur eine Anzahlung als Sicherheitsleistung geleistet. Der volle Kaufpreis wird erst nach Auslaufen des Kontraktes am Verfallstag fällig. Da sich der Verkäufer eines solchen Rechtes nicht auf unbestimmte Zeit binden möchte, wird die Laufzeit in der Regel auf ein oder drei Monate begrenzt. Es werden auch Kontrakte mit längeren Laufzeiten ausgegeben. Deren Verfallstag wird üblicherweise auch auf den quartalsmäßigen Abrechnungstag gelegt. Die Kontrakte werden täglich gehandelt, müssen aber am Verfallstag zwischen dem Emittenten und dem Eigentümer verrechnet werden. Somit werden am Großen Verfallstermin drei unterschiedliche Laufzeiten abgerechnet. Diese Handelstage sind häufig die umsatzstärksten eines Jahres.

Sowohl für den Emittenten wie für den Halter eines Kontraktes kann es sinnvoll sein, den Basiskurs am Verfallstag zu beeinflussen. Durch die mathematische Hebelwirkung können bereits kleine Schwankungen beim Basiskurs hohe Gewinne oder Verluste generieren. Deshalb steigen an Verfallstagen die Umsätze an den Börsen, da alle beteiligte Parteien versuchen, den Basiskurs durch Handelsaktivitäten in eine bestimmte Richtung zu manipulieren. Beim Optionshandel auf Aktien werden zudem Kauforders in den Markt gegeben, wenn der Optionsscheininhaber sein Recht auf Lieferung ausüben möchte und der Emittent die Aktie noch gar nicht hat. Diese Handelsaktivitäten werden in Sekundenbruchteilen durch Computerprogramme unterstützt und finden ihren zweiten Niederschlag an anderen Börsen, an denen die Einlösung der gegenseitigen Verpflichtungen durch den Kauf oder Verkauf von Basisprodukten wie Aktien oder Anleihen möglich gemacht werden muss.

Für Kleinanleger ist der Handel mit Terminkontrakten mit großen Risiken verbunden. Durch die Hebelwirkung können schon bei geringem Einsatz am Verfallstag hohe Summen abgerechnet werden. Weitere Risiken bestehen in der Unübersichtlichkeit der Märkte und dem technischen Ablauf, mit dem die Kontrakte abgerechnet werden. Da die Kleinanleger aufgrund ihres geringen Handelsvolumens nahezu keine Macht zur Steuerung der Kurse in eine bestimmte Richtung haben, sind sie dem Marktgeschehen an der EUREX völlig ausgeliefert. 

Wie in diesem kurzen Einblick in einen Handelstag an der Börse ersichtlich, braucht das Geschäft mit diesen komplizierten Wetten auf den zukünftigen Kursverlauf zugrunde liegender Basiswerte nicht nur gute Nerven und viel Kapital. Vor Allem braucht es extrem gut ausgebildetes Personal, unterstützt durch exzellent funktionierende Computerprogramme und eine Börsenaufsicht, die jederzeit den Überblick über die hunderte von Milliarden gehandelter Euro behält. 

Vielleicht lässt sich die Metapher der Hexe, die auf einem Besen durch das Parkett reitet um Sternenstaub zu verstreuen, doch gut auf die Situation am Verfallstag anwenden.

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