Was ist ein Bailout? – einfach erklärt

INHALTSÜBERSICHT

Gründe dafür, dass ein Unternehmen nicht mehr liquide ist, gibt es viele. Eine falsche Finanzpolitik und -planung ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Möglich ist es natürlich der zukünftige Kapital- und Liquiditätsbedarf falsch ermittelt wurde, darauf falsch geplant wurde und der tatsächliche Liquiditätsbedarf nicht sicher gestellt wurde. Die Folge ist dann eine Insolvenz. Unter Umständen erfolgt auch eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen.

Was ist aber, wenn die Insolvenz des Unternehmens gesamtwirtschaftliche Folgen nach sich ziehen würde? Und kann es auch trotz guter Finanzpolitik zu einer möglichen Insolvenz kommen? Die Geschichte hat gezeigt, dass Wirtschafts- und Finanzkrisen möglich sind. Durch ein Eingreifen des Staates versuchte man, ein Einbrechen der Gesamtwirtschaft zu begrenzen. Das nennt man Bailout. Im weiteren Verlauf soll der Begriff erklärt, definiert und abgegrenzt werden. 

Finanzbuchhalter und Vorstand bei der Berechnung des Finanzbedarfs

Bailout – Begriffserklärung & Definition

Der Begriff ‘Bailout’ ist sehr eng definiert. Darum ist es sinnvoll,um ihn ganz zu erfassen, alle Bestandteile der Definition einzeln zu betrachten.

Zunächst eine Herleitung des Wortes. Das englische Wort ‘bail’ bedeutet Kaution oder Sicherheitsleistung. Dementsprechend bedeutet ‘bail out’ die Kaution stellen oder aus der Patsche helfen. In der Wirtschaft hilft vornehmlich der Staat einem Unternehmen aus der Patsche. Warum sollte er das tun?

Weil die Schuldenübernahme dieses einen Unternehmens weniger Schaden anrichtet als die Insolvenz desselben. Möglicherweise erfolgt dann eine Kettenreaktion. Noch wahrscheinlicher ist die Systemrelevanz für die Gesamtwirtschaft. Aber dann kann ja jeder kommen… Allerdings bezeichnet Bailout eine Schuldenübernahme durch Dritte wie dem Staat in einer Wirtschafts- und Finanzkrise.

Zusammengefasst bedeutet Bailout also Folgendes:

In einer Krise nationaler Tragweite unterstützt ein Dritter (der Staat) Unternehmen, die die Gesamtwirtschaft aufrecht erhalten durch Schuldenübernahme und Tilgung oder Haftungsübernahme. Obwohl diese Definition wenig Spielraum offen gelassen scheint, gibt ihn dennoch. Dieser soll nun diskutiert werden.

Wertenwicklung eines Unternehmens an der Börse – Beispielbild

Wer ist relevant? Akteure eines Bailouts

  • Gesetzlich festgelegt ist das recht auf Bildung. Darauf basiert das gesamte Schulwesen. Um das Recht gewährleisten zu können, ist das Schulsystem verstaatlicht. Finanzierung und Erhaltung obliegen dem Staat. Aufgrund der überschaubaren Datenlage dürfte hier eine Umsetzung, zumal des bestehenden Beamtentums, nicht schwer sein. Krisen im Sinne der Definition sind nicht zu erwarten.
  • Gesundheitsversorgung ist ein Ziel der Gesellschaft und gesetzlich geregelt. Interessant ist hier die flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern. Hier könnte man von Relevanz sprechen. Doch tritt hier nicht der Staat bei drohender Insolvenz ein. Im Gegenteil, hier findet sich eine umgekehrte Situation. Krankenhäuser werden privat übernommen. Man spricht bei diesen Prozessen von einer Gesundheitswirtschaft. Das heißt, Krankenhäuser müssen wirtschaftlich arbeiten, Finanzpläne erstellen, für ausreichend liquides Kapital sorgen und Patienten behandeln. Gelingt dieses nicht, erfolgt eine Übernahme. Und zwar nicht durch den Staat, sondern durch meist private Krankenhausunternehmen. Diese übernehmen in einer meist feindlichen Übernahme die Mehrheit der Anteile des Krankenhauses.

Fällt dieser Vorgang unter den Begriff Bailout? Das ist zweischneidig zu sehen. Denn Krankenhäuser sind in der Tat wichtig und sollten in der Krise “aus der Patsche” gehauen werden. Geschieht das allerdings durch Dritte und nicht durch den Staat, werden auch die Ziele des Unternehmens übernommen. Und die sind bei einem Unternehmen der Wachstum und nicht die Wiederherstellung der Gesundheit der Patienten.

In diesem Sinne könnte man in der Gesundheitswirtschaft von Bailout im Sinne der obigen Definition sprechen, es bleibt jedoch nicht unkritisch, der Diskussion jedenfalls wert.

  • Das Wirtschafts- und Finanzsystem wie Banken, Börsen und Ähnlichem. Beispiele aus der Geschichte erzählen von Bailouts. Im Gegensatz zum vorigen Beispiel greift hier der Staat ein. Das hat folgenden Grund. Ein Großteil der Unternehmen ist über Banken finanziert. Aktienunternehmen und Banken unterhalten Wechselwirkungen. Die bleiben auch bei einem Börsengang involviert. Das bedeutet, dass bei einer Krise der Börse oder der Banken oder weiter Wirtschaftssektoren nur der Staat eingreifen, “heraushauen” kann. Wer sollte sonst die Haftung übernehmen? Dazu einige Beispiele aus den letzten rund hundert Jahren.

Wirtschafts- und Finanzkrisen

Unter Wirtschaftskrisen versteht man Phasen von drastischen negativen Entwicklungen des Wirtschaftswachstums.

Finanzkrisen zeichnen sich dadurch aus, dass sie plötzlich, in kurzer Zeit entstehen. Durch stark sinkende Vermögenswerte oder Zahlungsunfähigkeit mehrerer Unternehmen vornehmlich des Finanzbereichs aber auch anderer Branchen kommt es zu ökonomischen Handlungsschwierigkeiten eines oder mehrere Staaten.

Beispiele aus der Geschichte

  • Die erste Weltwirtschaftskrise gab es 1857.
  • Die zweite Weltwirtschaftskrise ist mit den Mythen um den Black Friday 1929 noch gut in Erinnerung.
  • Eine echte Wirtschaftskrise war die Ölkrise in den Siebzigern.
  • Während die US-Sparkassenkrise in den Achtzigern auf die USA beschränkt blieb,
  • betreffen die Folgen der Wirtschaftskrise von 2008, gefolgt von der Finanzkrise 2009 nicht nur Europa, sondern sehr viele Länder.

Beispiel Griechenland

2010 geriet Griechenland in eine Finanzkrise. Die Staatsschulden waren so hoch, dass er seine Schulden nicht mehr zurückzahlen konnte. Neue Staatsanleihen waren nur noch schwer möglich. Ein Bailout durch den Staat war also nicht mehr möglich. Was war also zu tun?

Nun ist Griechenland Mitglied der EU. Es unterliegt damit dem EU-Parlament. Da dieses die erste Krise innerhalb der EU seit deren Existenz war, gab es keine historische Vergleichsmöglichkeit, wie so eine Situation zu handhaben sei. Sollte die EU eingreifen oder nicht? Mit dem Eingreifen der EU in die griechische Staatsschuldenkrise kann man von einem Bailout sprechen, denn die EU unterstütze Griechenland mit Gewährung von Krediten unter bestimmten Auflagen und erließ einige Tilgungen. Dieser Bailout wurde von verschiedenen Seiten unterschiedlich bewertet.

Einerseits verstanden die Griechen ihn als Einmischung in das eigene Land. Andererseits sollten so die Auswirkungen auf andere Mitglieder der EU eingeschränkt werden. Bedenkt man, dass die griechische Krise noch immer nicht vorüber ist, darf die Frage gestellt werden, was ein Bailout nutzen kann.

Fazit

 Die Geschichte hat gezeigt, dass es immer wieder zu Wirtschaftskrisen kommen kann. Diese können regional beschränkt sein. Aber mit Zunahme der Verflechtung von Märkten wird das Ausmaß von Krisen immer größer. Die zeigt auch die Entwicklung der Wirtschaftskrise von 2008, die in den USA vom Immobilienmarkt ausging, schließlich in eine Finanzkrise 2009 mündete, deren Auswirkungen nahezu weltweit bis heute reichen.

Bei einer Wirtschaftskrise kann der Staat intervenieren. Das nennt man Bailout. In Kapitel drei wurde einige Beispiele vorgestellt. Die Möglichkeiten und Grenzen eines Staates, sinnvoll zu agieren, wurden dabei deutlich. Kapitel vier bis sechs zeigen dagegen auf, wo die Grenzen eines Bailouts bei einer zunehmenden Verflechtung der Weltmärkte miteinander liegen.

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