Hyperinflation – Definition und Erklärung

Unter einer Inflation, auch Teuerung genannt versteht man den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus über einen festgelegten Zeitraum in einer Volkswirtschaft. Bemerkbar macht sich die Inflation darin, dass innerhalb des definierten Zeitraums, beispielsweise innerhalb eines Monats oder Jahres, mehr Geld für Waren oder Dienstleistungen aufgewendet werden muss als im voran gegangenen Zeitraum. Im Umkehrschluss sind für eine gleichbleibende Geldmenge weniger Waren oder Dienstleistungen erhältlich.

Angegeben wird die Inflation in der Inflationsrate. Diese wird in Prozent angegeben. Der Maßstab ist die Veränderung eines allgemeinen Preisindexes, in der Regel ein Verbraucherpreisindex, prozentual im Zeitverlauf. Eine begriffliche Steigerung der Inflation ist die sogenannte Hyperinflation.

Definition – Hyperinflation

Während eine Inflation eine moderate Steigerung des Preisniveaus widerspiegelt, derzeit strebt beispielsweise die Europäische Zentralbank eine mittelfristige Teuerungsrate von zwei Prozent an, ist die Hyperinflation eine Steigerungsform der Inflation, in der sich das Preisniveau rasant erhöht. Für eine Hyperinflation besteht keine allgemein gültige, offizielle Definition. Im Jahre 1956 stellte Phillip D. Cagan, ein amerikanischer Professor der Wirtschaftswissenschaften eine Faustregel auf, die heute weit verbreitet, als allgemeingültig gesehen werden kann. Die Hyperinflation ist eine nicht kontrollierbare Inflation mit einer überdimensionalen monatlichen Rate. Der Faustregel nach beträgt die Teuerung monatlich ab 50 Prozent, das entspricht einer Jahresrate von 13.000 Prozent.

Hyperinflationen dauern in der Regel nur eine kurze Zeit und enden meistens in einer Währungsreform.

Erklärung und Ursachen

Da die Volkswirtschaften vor dem 20. Jahrhundert zu Naturaltauch oder zu ungeprägten Edelmetallen als Geldersatz übergingen, sofern ein festgelegtes Inflationsniveau überschritten wurde, waren Hyperinflationen bis dahin eher selten. Erst die immer weitere Verbreitung von ungedecktem Geld machte diese möglich. Verursacht werden Hyperinflationen immer vom Staat. Decken dessen Einnahmen nicht die Ausgaben, entsteht ein Budgetdefizit. Er muss sich zur Deckung seiner Ausgaben permanent weiter verschulden. Dieses Defizit kann durch die Ausgabe von Staatsanleihen gedeckt werden. Die gezielte Geldmarktpolitik einer Regierung kann dazu beitragen gewünschte Effekte einer Inflation entsprechend zu steuern.

Überraschende oder schnelle Inflationserhöhungen erfordern jedoch immer neue Anleihen um neues Kapital zu erhalten. Das Vertrauen der Anleger in Anleihen mit langen Laufzeiten sinkt, neu emittierte Anleihen werden mit kürzeren Laufzeiten herausgegeben. Die Spirale dreht sich. Es werden in immer kürzer werdenden Abständen neue Wertpapiere ausgegeben um die Gläubiger der vorangegangenen Anleihen zu befriedigen. Um neue Anleihen attraktiv zu halten vermindern sich die Laufzeiten und gleichzeitig erhöhen sich die Zinsen der nominalen Anleihen. Dadurch wird das Vertrauen in die Währung und die Regierung untergraben. Schlussendlich rutscht eine Regierung in die Hyperinflation.

Gewöhnliche Inflationen werden meist mit wirtschaftlichen Ursachen begründet. Hyperinflationen dagegen finden ihren Ursprung fast immer in schwerwiegenden Erschütterungen der Ökonomie. Beispielsweise ausgelöst durch gesellschaftliche Umbruchsituationen, Krieg oder Bürgerkrieg.

Risiken und Maßnahmen

Bereits bei einer „normalen“ Inflation, umso intensiver noch bei einer Hyperinflation kommt es zu einer sogenannten Kapitalflucht. Durch den Vertrauensverlust der internationalen Anleger in die inflationäre Währung flüchten sich diejenigen, die noch über genügend Mittel verfügen bei Neuanlagen in andere Währungen. Das betroffene Volk bzw. Anleger versuchen das nun noch verfügbare Kapital in andere Devisen zu tauschen. Devisenverkehrsbeschränkungen sind eine Maßnahme für den staatlichen Eingriff. Aufgrund des heute möglichen weltweiten und bargeldlosen (Online-) Zahlungsverkehr gilt diese Möglichkeit jedoch nur noch begrenzt.

Die Flucht in Sachwerte stellt einen weiteren Nebeneffekt, der bereits bei einer geringeren Inflationsrate feststellbar ist, dar. Eine erhöhte Nachfrage zu Geldanlagen in der eigenen Währung wie Anleihen, welche wie beschrieben immer kürzere Laufzeiten zu besseren Zinsbedingungen bieten, führt zu einer extremen Verknappung derselben. Alternativen sind Sachwerte wie Immobilien, Rohstoffe und Edelmetalle, aber auch Wertpapiere wie Aktien. Auch hier ist in der Regel das Angebot höher als die Nachfrage, was zu eklatanten Preissteigerungen führt. Eine weitere Folge ist die Verknappung von Geldmitteln. Aus Verlustangst räumen die Menschen Ihre Konten. All diese Aspekte verstärken noch die Auswirkungen der Hyperinflation.

Für die Gesellschaft stellt eine Hyperinflation immer eine große Belastung dar. Der Realzinssatz fällt, Die Aufnahme von Schulden wird für Verbraucher wie auch Unternehmen billiger. Andererseits haben Vermögen die über Jahre angespart wurden innerhalb kürzester Zeit wesentlich weniger Kaufkraft. Guthabenzinsen werden so gut wie nicht mehr gewährt. Empfänger von Sozialtransferleistungen werden oft erst spät oder überhaupt nicht berücksichtigt. Der dadurch bedingte Verlust an Kaufkraft bringt betroffene Gesellschaftsschichten, wie z. B. Rentner an den Rand des Existenzminimums, wenn nicht sogar in die Armut. Somit ist die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft in arm und reich akut gegeben.

Unternehmen sind immer weniger bereit in die Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Obwohl die Kreditzinsen ein sehr niedriges Niveau erreicht haben fällt es schwer, Zukunftsentscheidungen zu treffen. Unsicherheit und die undurchsichtige Marktsituation lassen Unternehmer ihre Projekte auf Eis legen. Ausbleibende Investitionen verringern somit das Wirtschaftswachstum und trägt somit verstärkend zur Inflation bei.

Je höher eine Inflationsrate ausfällt, desto schwieriger wird es, greifende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Erstes Ziel einer Regierung muss es sein, das Vertrauen in die Währung nachhaltig und glaubhaft sowohl im Inland als auch im Ausland wieder herzustellen. Einem Staat stehen hier mehrere Möglichkeiten der Geldmarktpolitik zur Verfügung. Hierzu muss zum einen die Aktiva der Zentralbank gestärkt werden. Zum anderen steht die Verteidigung der eigenen Währung auf den Devisenmärkten. Hierbei wird versucht, Aktivwerte zu veräußern und die eigene Währung zurück zu kaufen.

Während einer Hyperinflation ist das Vertrauen nicht nur in die eigene Währung äußerst geschwächt, auch in die Zentralbank und in die Regierung.  Um das Vertrauen in eine inflationäre Währung wieder zu stärken sind Beschlüsse für eine stark sparende Steuer– und Ausgabenpolitik hilfreich. Die Verringerung des Staatsdefizits sollte zudem an erster Stelle stehen. Äußerste Maßnahmen sind ein Regierungswechsel oder eine Währungsreform. Gefahren hierbei: Auch eine neue Regierung ist zunächst an geltende Beschlüsse gebunden und auch eine neue Währung muss global erst einmal an Vertrauen gewinnen.

Hyperinflationen aus der Geschichte

Schwerwiegende Inflationen gab es bereits vor dem 20. Jahrhundert. Bereits aus dem Jahre 1166 ist eine Hyperinflation aus dem Kaiserreich China bekannt. In den Jahren 1620 bis 1623 war das römische Reich betroffen. 1789 gab es in Frankreich eine Hyperinflation, welche während der Zeit der französischen Revolution bis 1796 anhielt. 1861 begann in den USA der Bürgerkrieg. Auch dieser wurde mit einer schweren Inflation bis ins Jahr 1865 begleitet.

Neuzeitlich fällt auf, dass Hyperinflationen gerade zu Zeiten der beiden Weltkriege weltweit mehrere Staaten trafen. Zwischen 1919 und 1923 erreichte die Inflation im Deutschen Reich eine Rate von bis zu 30.000 Prozent im Oktober 1923.

Auch in der Nachkriegszeit bis heute gibt es immer wieder schwere Inflationen. Betroffen sind hier wieder Staaten im Kriegszustand, Entwicklungsländer und planwirtschaftlich regierte Länder. So ist beispielsweise Venezuela seit 2016 hoch inflationär mit eine Spitzenrate aus 2018 mit 80.000 Prozent.

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