Was ist eine Überzeichnung?

Definition

Der Begriff Überzeichnung wird im Bereich der Wertpapiere angewendet. Speziell bei der Ausgabe dieser Wertpapiere findet er Anwendung. Die Ausgabe von Wertpapieren wird auch Emission genannt. Die Überzeichnung bezieht sich auf das Volumen hinsichtlich der Nachfrage im Verhältnis zum Volumen des Angebots. Das bedeutet, dass die Nachfrage der Wertpapiere nicht mit ihrem Angebot identisch ist. Von einer Überzeichnung ist die Rede, wenn die gezeichnete, also nachgefragte, Menge an Wertpapieren das Volumen der angebotenen Menge an Wertpapieren übersteigt. Die Nachfrage an Wertpapieren ist mithin höher als das Angebot. Tritt dieser Fall ein, ist es notwendig, dass die Emittenten, bestimmte Zuteilungsregeln festlegen. Die ausgebenden Institute werden als Emittenten bezeichnet. Anhand dieser Zuteilungsregeln wird entschieden, welcher Anleger welche Menge an Wertpapieren erhält. Um diese Zuteilungsregeln festzulegen, ist ein Zuteilungsfaktor maßgeblich. Hierbei werden durch die Emissionsbank das Angebot und die Nachfrage ermittelt. Die Emissionsbank ist in diesem Fall die ausgebende Bank. Gemeinsam mit dem Ausgabepreis der jeweiligen Wertpapiere wird der Zuteilungsfaktor bekannt gegeben. Im folgenden Beispiel beläuft sich das Angebotsvolumen auf 2 Millionen Aktien. Das Nachfragevolumen beträgt 4 Millionen Aktien. Der Zuteilungsfaktor liegt bei 0,5. Das bedeutet, dass bei einer Gleichbehandlung der Interessenten lediglich jeder Interessent die Hälfte seines nachgefragten Volumens erhält. An einem möglichst hohen Zuteilungsfaktor sind die Emissionsbank sowie der Emittent interessiert. Denn je höher der Zuteilungsfaktor ist, umso mehr wird die Preiswürdigkeit des Wertpapiers durch die Marktteilnehmer angesehen.

Erklärung

Eine Überzeichnung erfolgt im Rahmen eines Börsengangs, der Emission von jungen Aktien nach der Erhöhung des Kapitals, einer Umplatzierung von Anleihen beim Börsenhandel. Hierbei übersteigt die Nachfrage der emittierten Effekte das Angebot deutlich. Jedoch ist im Börsenhandel ebenfalls eine Unterzeichnung möglich. Hierbei kann lediglich ein Teil der angebotenen Papiere platziert werden. Wurde der Börsengang von Wertpapieren zuvor beworben, hegen Anleger häufig großes Interesse. Somit kommt es nicht selten zu einem Nachfrageüberhang. Dieser wird allerdings verstärkt, indem Anleger ein Volumen an Wertpapieren ordern, die über ihren Bedarf hinausgehen. Ein Nachfrageüberhang gestaltet sich als problematisch, da das Angebot an neu emittierten Wertpapieren in der Regel nicht vergrößert werden kann. Der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage kann nur erfolgen, indem die Nachfrage gekürzt wird. Dies geschieht durch die Zuteilung geringerer Quoten. Bei den Anlegern ist das häufig kein Grund zur Freude. Für die tatsächliche Nachfrage nach Wertpapieren ist die Überzeichnung als Angebotslücke definitiv kein sicherer Indikator. Der Kurs mancher Aktien kann trotz scheinbar hoher Nachfragen nach der ersten Kursfeststellung durch Gewinnmitnahmen einbrechen. 

Die Neueinführung der Telekom-Aktie stellt das klassische Beispiel für eine Überzeichnung dar. In diesem Fall waren mehr Zeichnungswünsche bei der Durchführung der Emission vorhanden als Kapital. Hier mussten die vorliegenden Zeichnungswünsche dementsprechend gekürzt werden. Um einer Überzeichnung Abhilfe zu schaffen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann eine Repartierung erfolgen. Hierbei wird die Zuteilung der Wertpapiere beschränkt. Weiterhin ist eine Erhöhung des Emissionsbetrages möglich. Eine Konzertzeichnung liegt dann vor, wenn die Überzeichnung auf einer Nachfrage beruht, die lediglich spekulativ bedingt ist. Ist Marktteilnehmern die Knappheit des Angebots bekannt, ist häufig von einem Herdenverhalten auszugehen. Die Anleger sind der Annahme, dass ihnen mittels Repartierung jene Wertpapiere zugeteilt werden, die ihrem Bedarf entsprechen. Aus diesem Grund geben sie eine Konzertzeichnung ab, welche zu einem Nachfrageüberhang führt. Um Konzertzeichnungen zu verhindern, setzen die ausgebenden Institute häufig eine Sperrfrist ein. Diese soll die Spekulation verhindern, sodass potenzielle Anleger für den Kauf der Wertpapiere ausscheiden, die lediglich an schnellen Gewinnmitnahmen interessiert sind.

Übersteigen bei der Ausschreibung von Wertpapieremissionen die nachgefragten Mengen das unterbreitete Angebot, können mittels verschiedener Verfahren die Wertpapiere zugeteilt werden. Ist die Nachfrage nach neuen Aktien größer als das Angebot, liegt eine klassische Überzeichnung vor. In diesem Fall erfolgt die Zuteilung nach einer festgelegten Quote. Das bedeutet, dass jeder Kaufinteressent lediglich einen bestimmten Prozentsatz der von ihm georderten Wertpapiere erhält. Ein Losverfahren kann dabei helfen, die neuen Aktien zuzuteilen. Übersteigt die Nachfrage das Volumen der Emission, kann die Differenz durch Repartierung, also Beschränkung der Zuteilung oder durch eine Erhöhung des Emissionsbetrags ausgeglichen werden.

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