Was ist eine Wertpapierbörse? Definition und Erklärung

Am Ende der Nachrichten folgen mindestens einmal am Tag die Nachrichten von der Börse. Doch warum wird täglich davon berichtet? Und was versteht man eigentlich unter einer Wertpapierbörse? Gibt es noch andere Börsen? Und was bedeutet Börse eigentlich? Ein Thema, dass täglich viele beschäftigt, und doch beim näheren Hinsehen viele Fragen offen lässt.

Wertpapierbörse: Was ist das?

Die Wertpapierbörse ist der Ort, an der Wertpapierhandel stattfindet. Das bedeutet, dass ist der Ort, an dem private oder institutionelle Anleger Aktien kaufen oder verkaufen können. Doch wie kann man sich das vorstellen? Während heute fast alles virtuell, also digital, abläuft, gibt es die ursprünglichen Gebäude der Börsen noch. Einige Börsen in Deutschland sind tatsächlich schon sehr alt. Doch dazu weiter unten mehr. Was in diesen Gebäuden stattfindet, bzw. stattfand, ist in der Tat ein Marktgeschehen. Auf einem Wochenmarkt werden Waren angeboten. Die Ware wechselt sofort und unverzüglich den Eigentümer. Die anderen Anwesenden sehen sofort die Abnahme der Ware. Diese schnelle, präsente Geschehen, dieses Markttreiben passiert(e) auf den Parketten einer Börse.

Heute geschieht das online über Computer. Die Ware des Marktplatzes ist auf dem Parkett die Aktie. Welche Aktien angeboten werden und zu welchem Preis, wird auf einer Tafel angezeigt. Der Preis der Aktie ist der Aktienwert. Auf dem Parkett stehen die Aktienkäufer und -Verkäufer, in der Regel sind das Broker. Heute stehen sie meistens nicht mehr auf dem Parkett, sondern sitzen hinter dem Bildschirm, aber das ist weniger anschaulich.

Genauso wie auf dem Wochenmarkt werden die Aktien in Echtzeit gekauft und verhandelt. Die Veränderungen der Aktien, also die Wertveränderung, wird  möglichst rasch auf der Anzeigetafel im Parkett, oder online, angezeigt. Bedenkt man, wie viele Aktien es gibt und wie viele Broker es gibt, ist es verständlich, dass immer einige Minuten Verzögerung eingeplant werden muss bei der Aktualisierung der Aktienstände.

Wertpapierbörse: Definition

Was ist eine Börse? Eine Börse ist ein nach bestimmten Regeln organisierter Markt für standardisierte Handelsobjekte. Handelsobjekte können zum Beispiel Wertpapiere oder Aktien sein. Doch was ist ein organisierter Markt?  Unter dem Rechtsbegriff organisierter Markt wird im Wertpapierrecht folgendes beschrieben: Es handelt sich um  einen Markt, der es Marktteilnehmern auf der Grundlage einer Marktordnung gestattet, zum Handel zugelassene Finanzinstrumente durch Finanzkontrakte zu kaufen und zu verkaufen.

Hier ist also das Bild aus Kapitel zwei vom Wochenmarkt zusammengefasst und für die Aktienmarkt formuliert. Neben den Wertpapierbörsen gibt es noch andere Börsen, die aber genauso funktionieren, aber nicht mit Wertpapieren handeln. Zum Beispiel gibt es auch Warenbörsen.

Börsen in Deutschland

In Deutschland gibt es zehn verschiedene Börsen. Davon sind acht Wertpapierbörsen.

  1. Nicht-Wertpapierbörsen in Deutschland:
  • Eurex: eine Terminbörse für Finanzderivate
  • EEX: die EEX ist Teil der EEX-Gruppe und eine Strombörse
  1. Wertpapierbörsen in Deutschland:
  • Börse Berlin
  • Börse Hamburg
  • Börse München
  • Börse Düsseldorf
  • gettex
  • Börse Stuttgart

Als konkretes Beispiel für eine Börse mag die Börse Hamburg etwas genauer beschrieben werden.

Das Gebäude wurde 1839 – 41 erbaut. Nach einer wechselvollen Geschichte, auch mit Zerstörungen, steht es heute unter Denkmalschutz. Die Börse selbst existiert noch immer. Sie ist tatsächlich noch eine der am Anfang beschriebenen Präsenzbörse oder Parkettbörse.

Die Hamburger Börse vereint verschiedene Börsen miteinander: 

  • Allgemeine Börse: einmal in der Woche für eine Stunde treffen sich auf dem Parkett meist Immobilienmakler für Geschäfte.
  • Hanseatische Wertpapierbörse: die älteste Wertpapierbörse, die heute nur noch am Computer stattfindet.
  • Getreidebörse: eine aktive Warenbörse und eine Präsenzbörse.
  • Kaffeebörse: ehemalige Terminbörse für den Kaffeehandel
  • Versicherungsbörse: Von der Gründung der Hamburger Börse 1558 bis 1977 gehörte die Versicherungen unabdingbar zur Börse dazu.

Wie bei den Börsen beschrieben trifft man sich noch in der Hamburger Börse. Trotzdem hat sich der Handelsplatz vergrößert. Es hat ein Zusammenschluss mit der Börse Hannover gegeben. Dennoch besteht die Börse selbstständig und unabhängig. Neben diesem sehr bodenständigen und greifbaren Beispiel gibt es natürlich viel bedeutendere Börsen.

Wichtige Wertpapierbörsen

  • New York Stock Exchange
  • Nasdaq
  • London Stock Exchange
  • Tokyo Stock Exchange
  • Shanghai Stock Exchange
  • Shenzhen Stock Exchange
  • Euronext
  • Frankfurter Wertpapierbörse
  • Borsa Italiana
  • Hongkong Stock Exchange
  • Toronto Stock Exchange
  • SIX Swiss Exchange
  • Singapore Exchange
  • Australian Securities Exchange

Die drei größten Wertpapierbörsen, mit großen Abstand zu denen anderen, sind der New York Stock Exchange, der Tokyo Stock Exchange und die Nasdaq.

Ein Gegenbeispiel: Nasdaq, die elektronische Börse

Die Liste aller Wertpapierbörsen zeigt, dass im Grunde jedes Land mindestens eine Wertpapierbörse hat. Die gesamte Liste ist ziemlich lang, was für die Bedeutung von Wertpapierbörsen spricht. Auch bei der Liste der deutschen Börsen fällt auf, dass es sich meist um städtebezogene Börsen handelt. Ein Beispiel für eine internationale Verquickung und der Vermischung verschiedener Börsen ist die Geschichte der Nasdaq. Wobei eine übersichtliche Vermischung von Börsen schon bei der Hamburger Börse beschrieben wurde. Bei der Nasdaq ist es aber ziemlich anders.

Sie entstand als rein elektronische Börse 1971. Sie ist also sehr jung. 1998 fusionierte sie mit der New York Stock Exchange. Der Sitz der Börse ist in New York,  in Kanada und Japan. Darüber hinaus bestehen Verbindungen nach Europa und Honkong. 2006 versuchte die Nasdaq eine feindliche Übernahme der London Stock Exchange. Das Management setzte sich zur Wehr und die Übernahme scheiterte. Der Zusammenschluss mit der schwedischen Börse OMX 2007 dagegen funktionierte. 

Man erkennt unschwer, dass die Nasdaq weltweit agiert, und hier schwinden die Grenzen zwischen einer reinen Wertpapierbörse und einer Warenbörse, einer Technologiebörse. Die Grenzen einer Stadt oder eines Landes können leicht überwunden werden, weil nur elektronisch gehandelt wird. Allerdings ist es somit auch schwerer einen einheitlichen Handelsplatz mit den gültigen gesetzlichen Vorgaben festzulegen. Natürlich ist die Nasdaq in den verschiedenen Ländern auch in ‘festen’ Gebäuden untergebracht. Rein rechtlich dürfte es aber schwierig sein, die Nasdaq als Ganzes einzuordnen. Allerdings zeige Skandale um die Nasdaq (z. B. 2002), dass das nicht unmöglich ist.

Die Nasdaq ist die erste elektronische Börse gewesen. Man mag an ihrer noch jungen Geschichte die Vor- und Nachteile ablesen und diskutieren, die diese Form des Wertpapierhandels hat.

Fazit

Der Börsenhandel hat eine lange Tradition. Er entstand aus dem Warenbörsenhandel. Der Sage nach sollen sich in einem Haus regelmäßig Kaufleute zu geschäftlichen Zusammenkünften getroffen haben. Das war im 13, Jahrhundert. Die erste Börse wurde 1409 gegründet. Die erste Wertpapierbörse 1571. Heute besitzt nahezu jedes Land eine Wertpapierbörse. Es zeigt wie wichtig der Handel mit Wertpapieren für die Wirtschaft ist. Wie der Handel im einzelnen abläuft wurde im ersten Teil ausführlich beschrieben.

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